Kinotipp: Der Mann aus dem Eis

Jürgen Vogel im ältesten ungelösten Mordfall der Menschheitsgeschichte: dem Tod von Ötzi

Pönis
3 von 5 Sternen

Der Mann aus dem Eis

Genre: Drama/Abenteuer

Produktion: Deutschland, Italien, Österreich 2017

Laufzeit: 96 Minuten

FSK: freigegeben ab 12 Jahren

Regie: Felix Randau

Darsteller: Jürgen Vogel, André Hennicke, Franco Nero, Susanne Wuest

 

Zur Filmseite: www.dermannausdemeis-film.de

Kinostart: 30. November 2017

Zum Film:

Vor 5.300 Jahren in der Jungsteinzeit. Eine Großfamilie lebt friedlich an einem Bach in den Ötztaler Alpen. Ihrem Anführer Kelab (JÜRGEN VOGEL) obliegt es, den heiligen Schrein zu verwahren. Während Kelab auf der Jagd ist, wird seine Siedlung überfallen und die gesamte Sippe ermordet, darunter auch Kelabs Frau (SUSANNE WUEST) und sein Sohn. Auch das Heiligtum der Gemeinschaft wird geraubt. Getrieben von Schmerz und Wut hat Kelab nur noch ein Ziel – Vergeltung!

Kelab folgt den Spuren der Täter. Auf seiner Odyssee durch das Gebirge ist er den Gefahren der Natur ausgesetzt. Ein tragischer Irrtum macht ihn selbst zum Gejagten. Schließlich steht Kelab nicht nur den Mördern seiner Familie, sondern auch sich selbst gegenüber. Wird er seinem Drang nach Rache nachgeben und selbst zum Täter? Oder gelingt es ihm, den ewigen Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen? ... ( Port au Prince Pictures)

Der Mann aus dem Eis | Foto: Port au Prince Pictures

Kinoexperte Hans-Ulrich Pönack über den Film

(...)  1991 fanden zwei deutsche Wanderer in den Südtiroler Ötztaler Alpen die tiefgefrorene, mumifizierte Leiche eines Mannes. Diese wurde mit dem Namen Ötzi versehen, von Wissenschaftlern "ausgewertet" und ist heute im Archäologie-Museum in Bozen ausgestellt. Ötzi ist über 5000 Jahre alt, und eine Pfeilspitze in seiner Schulter lässt darauf schließen, dass er hinterrücks getötet wurde. Doch: warum?
Diese Frage fantasiert der deutsche Drehbuch-Autor und Regisseur FELIX RANDAU, 1974 im ostfriesischen Emden geboren, nach. Felix Randau, diplomierter Filmemacher (Abschluss 2003 an der Deutschen Film-und Fernsehakademie Berlin mit dem Film "Northern Star"; danach entstand 2008 der Kinofilm "Die Anruferin"), zog für seinen Stoff den Schweizer Linguisten Chasper Pult zu Rate, der zum Ergebnis kam, dass damals, in der Jung-Steinzeit, sprachlich eine Frühform des Rätischen geherrscht haben könnte; eine Mixtur aus Rufe und Grunzen. Mit dieser Sprache tritt der Abenteuerfilm an. Auf eine Untertitelung des Films wurde aber verzichtet, da er - was stimmt - universell umgehend zu verstehen, zu begreifen ist.

"Olle" Ötzi heißt Kelab, wird von JÜRGEN VOGEL, 49, rundum fellig und mit viel Rauschebart und erboster Mimik vorgeführt, mit sehr viel Inbrunst, bei vollem Körpereinsatz und menschlichem Bären-Charme interpretiert. Als er eines Tages von  der Jagd zurückkommt, haben herumstreunende Banditen, unter denen André M. Hennicke auszumachen ist, die Bewohner der Siedlung getötet, darunter Kelabs Frau und Kind, ein Heiligtum der Sippe geklaut und die Hütten niedergebrannt. Rache lautet fortan Kelabs Verfolger-Motto.

Django in der Steinzeit. Ohne Maschinengewehr, dafür mit Pfeil und Bogen. Und Steine als Waffen. Nicht verwunderlich also, dass irgendwann tatsächlich der ewige Django in Persona tatsächlich auftaucht: Franco Nero, 75, mit einem Cameo-Auftritt als Jäger-Oldie. Ansonsten beherrschen die gewaltige schneereiche Naturkulisse und die wuchtig-phänomenale Bewegung vom zottelig-eingemummelten Jürgen "Kelab" Vogel die Western-Szenerie um Rache und Vergeltung. Mit sehr überzeugend arrangierten, ungewohnten Kampf-Szenen. Sowie auch musikalisch betörend bombastisch.

"Der Mann aus dem Eis" bietet unterhaltsames Bewegungskino. "Urgestein" Ötzi als und im historischen Mittelpunkt einer deutschen Westernfilm-Spannung, das funkt(ioniert).

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

Legende zur Bewertung von Hans-Ulrich Pönack

5 Pönis = Einsame Spitze
4 Pönis = Richtig gut
3 Pönis = Geht so
2 Pönis = Mäßig
1 Pöni = Jämmerlich
0 Pönis = Grottig

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