Kinotipp: Die Verführten

Bürgerkriegs Thriller mit Kirsten Dunst, Nicole Kidman, Elle Fanning und Colin Farrell!

Pönis
4 von 5 Sternen

Die Verführten

Genre: Thriller/Drama

Produktion: USA 2017

Laufzeit: 93 Minuten

FSK: freigegeben ab 12 Jahren

Regie: Sofia Coppola

Darsteller: Colin Farrell, Elle Fanning, Kirsten Dunst, Nicole Kidman

 

Zur Filmseite: www.upig.de

Kinostart: 29. Juni 2017

Zum Film:

Mit dem ersten Thriller ihrer Karriere kehrt Regisseurin und Oscar®-Gewinnerin Sofia Coppola zurück auf die große Leinwand. Ihre Adaption des Romans „The Beguiled“ von Thomas Cullinan spielt in einer Mädchenschule im Jahr 1864, die während des tobenden Bürgerkriegs eine sichere Zuflucht vor den Schrecken der Außenwelt bietet.

Als in unmittelbarer Nähe ein verletzter Soldat entdeckt und zur Pflege in die Schule gebracht wird, gerät das geregelte Leben der Frauen durch seine Anwesenheit aus den Fugen.

Schon nach kurzer Zeit erliegen die Frauen dem Charme des Soldaten – Eifersucht und Intrigen vergiften zunehmend das Zusammenleben. Es beginnt ein erotisch aufgeladenes Spiel mit unerwarteten Wendungen, das Opfer auf beiden Seiten fordert... (Universal Pictures)

Die Verführten | Foto: 2017 Universal Studios

Kinoexperte Hans-Ulrich Pönack über den Film

(...) "DIE VERFÜHRTEN" von Sofia Coppola - nach dem Roman "A Painted Devil" von Thomas P. Cullinan/1966

Draußen, vor den Toren und hinter dem Wald eines Mädchenpensionats in Virginia, tobt anno 1864 seit drei Jahren der US-Bürgerkrieg. Drinnen, in dieser abgeschotteten Welt, leben Frauen und Mädchen unterschiedlichsten Alters, denen Nähen, die französische Sprache und "gutes Benehmen" beigebracht wird. Angeführt wird dieses Internat in dem großzügigen Gebäude von Martha Farnsworth (NICOLE KIDMAN), die mit streng-religiöser Chefinnen-Hand, gemeinsam mit der Lehrerin Edwina Dabney (KIRSTEN DUNST), fünf jungen Frauen zwischen acht und achtzehn Jahren Sittlichkeit und Anstand verordnen und ihnen dafür Schutz bietet. In diesen Zeiten ein behütetes Leben führen zu dürfen, ist ein Privileg. Gehorsam gilt demzufolge für die Schülerinnen als oberste Priorität.

Dies ändert sich, als die 12jährige Amy im Wald den verwundeten Nordstaaten-Corporal John McBurney (COLIN FARRELL) entdeckt und mitnimmt. Obwohl ein Nordstaatler unverzüglich den einheimischen Soldaten ausgeliefert werden müsste, nehmen sich Martha und Edwina des Verletzten an, verstecken ihn und pflegen ihn aufopfernd. Doch ab diesem Moment ist es mit der so gepriesenen Sittlichkeit-hier passé. Motto: Die Hormone beginnen sich bei sämtlichen Beteiligten steigernd "zu bewegen". Mitten drin: der "arme Mann", John, der eigentlich nur gesund werden und nicht mehr in den Krieg ziehen möchte und sich "anstecken", überrumpeln, verführen lässt.

SOFIA COPPOLA setzt auf ironische Bewegungen, Gesten wie Blicke; kann mit prunkenen Bildern beeindrucken; während die musikalische Intensität der Independent-Band "Phoenix" und die "zu merkenden" Geräusche des Sound-Designers Richard Beggs mit "bedeutungsvollem" Zirpen von Zikaden oder dem fernen Kanonendonner für eine unheilvolle (An-)Spannung  sorgen. Der ganze feine Film ist eine einzige poröse Gedanken- und Seelen-Berührung in dem listigen Duell der Geschlechter. Nur dass diesmal der sonst so siegesgewisse Mann von Anfang an gar keine Chance hat gegenüber diesen zunehmend "aufdrehenden" Enthemmten. 

In Cannes, beim Mai-Festival, bekam Sofia Coppola (als erst zweite Frau überhaupt) den "Regie-Preis" zugesprochen. Verdientermaßen, schafft sie es doch mit ihrem intensiven Gefühlsbeben sowohl virtuosen Schauer prickelnd zu verbreiten wie schwarzkomische Pulp-Thriller-Kost sensibel zu servieren. Zu vereinen. Dazu hat sie das Format, dieses fast nur mit "weiblichen Häuptlingen" besetzte Star-Ensemble - ELLE FANNING als Alicia hinzurechnend - in beachtliche Wallung zu versetzen. Während ganz Oben natürlich die einmal mehr furiose NICOLE KIDMAN lustvoll thront. "Ich befinde mich in einer Lebensphase, in der ich versuche, mich so frei zu entscheiden, als wäre ich 21 und würde meine Karriere gerade erst starten", äußerte sich die Gerade-50 gewordene in Cannes (aus dem Titel-Artikel im neuen "epd Film-Magazin"/7-17). Mit anderen Worten: Ich bin sehr gut drauf und von mir könnt ihr noch einiges erwarten. Hier jedenfalls, in "Die Verführten", ist sie einmal mehr hinreißend-tückisch- brillant: als phantastisches Leinwand-Juwel.

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

Legende zur Bewertung von Hans-Ulrich Pönack

5 Pönis = Einsame Spitze
4 Pönis = Richtig gut
3 Pönis = Geht so
2 Pönis = Mäßig
1 Pöni = Jämmerlich
0 Pönis = Grottig

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