Kinotipp: Elle

Isabelle Huppert in einem "Erotik-Psycho-Thriller" von Star Regisseur Paul Verhoeven

Pönis
4.5 von 5 Sternen

Elle

Genre: Drama/Erotik/Thriller

Produktion: Frankreich 2016

Laufzeit: 130 Minuten

FSK: freigegeben ab 16 Jahren

Regie: Paul Verhoeven

Darsteller: Isabelle Huppert, Laurent Lafitte, Christian Berkel

Zur Filmseite: www.elle.mfa-film.de

Kinostart: 16. Februar 2017

Zum Film:

Michèle (Isabelle Huppert), Chefin einer erfolgreichen Firma für Videospiele, wirkt wie eine Frau, der nichts etwas anhaben kann. Unnahbar führt sie mit der gleichen Präzision und Kalkül ihre Firma wie ihr Liebesleben.

Als Michèle eines Tages in ihrem Haus von einem Unbekannten angegriffen und vergewaltigt wird, scheint sie das Vorgefallene zunächst kalt zu lassen. Doch ihr Leben ist über Nacht ein anderes geworden. Resolut spürt sie den Angreifer auf und verstrickt sich mit ihm in ein gefährliches Spiel aus Neugier, Anziehung und Rache. Es ist ein Spiel, das jederzeit außer Kontrolle geraten kann... (MFA)

Elle | Foto: MFA/Filmagentinnen

Kinoexperte Hans-Ulrich Pönack über den Film

(...) Michéle (ISABELLE HUPPERT). Eine taffe Frau. Kalt wie zynisch. Geschäftlich wie privat. Cool bis zum Oberanschlag, unnahbar wirkend, beängstigend souverän. Michéle, die erfolgreiche Chefin eines Unternehmens, das aggressive Videospiele entwickelt, in denen Gewalt gegen Comic-Frauen „genüsslich“ vorkommen. Die eine Affäre mit dem Ehemann ihrer besten Freundin („unser“ CHRISTIAN BERKEL) genießt. Überall den Überblick, die Oberhand und überhaupt die Kontrolle über ihr Leben behalten möchte und sich dabei mit einer geradezu satanischen Sachlichkeit sich selbst zu beobachten versteht: diese Frau ist hochinteressant unmöglich. Als sie eines abgearbeiteten Tages in ihr Vorort-Haus kommt, wird sie überfallen und vergewaltigt. Von einem Mann mit Maske. Sie ruft „danach“ nicht die Polizei, räumt die Scherben vom Fußboden auf, begibt sich in die Badewanne. Die Freunde, denen sie „darüber“ bei einem Restaurant-Dinner berichtet, sind außer sich. Aber auch, weil sie sich weigert, etwas „zu unternehmen“. Ganz im Gegenteil: Michele will auch jetzt bestimmen, wie es weitergeht, akzeptiert sich nicht als Opfer und beschließt, den Täter allein zu überführen.

Die Zwischen-Motive. Der Erinnerung. Sie als 10jährige. Gedemütigt als „kleine Psychopathin“ in der Öffentlichkeit, weil ihr Vater die Kinder in der Nachbarschaft umbrachte. Und seitdem im Gefängnis sitzt. „Das Kind eines Serienmörders“ zu sein, setzt ihr bis heute zu. Aber ist das ein Motiv dafür, dass sie quasi eine Vergewaltigung „akzeptiert“? Aus ihrer Macht-Sicht: ja. Ohne Bedenken. Bedeutet: Ihre totale Abwesenheit von Emotion und Betroffenheit, empfindet sie Stärke.

Politisch und moralisch völlig unkorrekt. Eine Vergewaltigung ist ekelhaft. Zu verurteilen. Verbrecherisch. Sicherlich: Einigkeit. Aber: Paul Verhoeven betritt andere, psychologische wie provozierende Wege. Seine Michéle bemüht sich auf süffisante Weise und aus egoistischer Lust, dieses Herrschaftsspiel der Geschlechter auf ihre eigene „praktische“ Weise zu führen. Bis sie endlich „Gewinnerin“ ist? Fragezeichen? Der Film, der auf dem 2012 erschienenen Roman „Oh…“ des französischen Schriftstellers Philippe Djian basiert, versteht sich deutlich als Fiktion und verweigert sich einer moralischen Deutung. 

Und dann gibt es ja da noch diese „pikante“, geradezu sensationelle Schluss-Pointe.

Apropos: ISABELLE HUPPERT, diese fulminante „Meryl Streep Frankreichs“, bietet als Mädchen-Furie „Michéle“ eine sagenhafte „empörende“ Performance von Charakter-Kraft, Biest-Präzision, mit rabiat-großartigem Charisma: Faszination zuhauf. Ihr hier zu folgen, ist ein Erlebnis. Kürzlich hat sie für ihre Michéle den „Golden Globe“ eingeheimst, nun winkt - verdient - der „Oscar“.

„ELLE“ (= „SIE“), der neue Film von Paul Verhoeven, ist eine spannende Kino-Begegnung und außerordentliche Film-Erfahrung.

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

Legende zur Bewertung von Hans-Ulrich Pönack

5 Pönis = Einsame Spitze
4 Pönis = Richtig gut
3 Pönis = Geht so
2 Pönis = Mäßig
1 Pöni = Jämmerlich
0 Pönis = Grottig

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