Kinotipp: Queen of Katwe

Drama um ein Mädchen aus einem ugandischen Township, das zur Schachmeisterin wird!

Pönis
4.5 von 5 Sternen

Queen of Katwe

Genre: Biopic/Drama

Produktion: USA/Südafrika 2016

Laufzeit: 124 Minuten

FSK: freigegeben ohne Altersbeschränkung

Regie: Mira Nair 

Darsteller: Madina Nalwanga, Lupita Nyong’o, David Oyelowo


Zur Filmseite: www.queenofkatwe.com

Kinostart: 20. April 2017

Zum Film:

Phiona Mutesi (Madina Nalwanga) wächst in den Slums von Katwe nahe der Hauptstadt von Uganda in einer der ärmsten Gegenden der Welt auf und kann weder lesen noch schreiben. Nicht einmal ihr genaues Geburtsdatum ist bekannt. Ihr Vater und ihre Schwester sind früh gestorben und ihre Mutter Harriet (Lupita Nyongo'o) ist selten zu Hause, um etwas Geld für den Rest der Familie zu verdienen.

Doch ihr Leben ändert sich, als sie den Missionar und Schachlehrer Robert Katende (David Oyelowo) trifft, der ihr im Gegenzug für etwas zu essen einige Unterrichtsstunden im Schach zu erteilen beginnt, als sie gerade einmal neun Jahre alt ist. Phiona wird neugierig und entdeckt das Spiel für sich. Als geduldige Schülerin und Naturtalent schafft sie es schließlich sogar zur Meisterin ihres Landes und noch viel weiter... (Disney)

Queen of Katwe | Foto: Walt Disney

Kinoexperte Hans-Ulrich Pönack über den Film

(...) Märchen sind etwas Schönes, und wahre Märchen sind etwas ganz Wunderbares. Lebens-Besonderes. Dies ist eine Geschichte, die auf märchenhaften Tatsachen basiert.

Der Ort, um es höflich zu formulieren, ist nicht der geeignete für ein junges Mädchen, um im Leben durchzustarten: KATWE. So heißt ein Slum-Gebiet am Rande von Ugandas Hauptstadt Kampala. Dort wird 1996 PHIONA MUTESI geboren. Sie ist drei Jahre alt, als ihr Vater an AIDS stirbt. Kurz darauf stirbt auch ihre ältere Schwester Julia. Ihre Mutter kann das Geld für Schule und Bildung nicht aufbringen, mit 9 Jahren kann sie weder lesen noch schreiben.

2005. Das tägliche Betteln um Nahrung. Der Zufall will es, dass Phiona auf Robert Katende (DAVID OYELOWO) trifft. Beziehungsweise er auf sie (aufmerksam wird). Katende ist Fußballspieler, Missionar und leidenschaftlicher Schach-Spieler. Und –Lehrer. Täglich schart er eine Gruppe von Kindern um sich, um ihnen dieses Spiel und somit die Fähigkeiten von Konzentration, strategischem Denken und Mut zum Risiko beizubringen. Und auch: damit sie sich Selbstvertrauen aneignen. Wir ahnen es, Phiona Mutesi (MADINA NALWANGA) zeigt sich und erweist sich als Naturtalent. Dies die positive Seite.

Die andere lautet: Wie soll sich solch eine außergewöhnliche Schach-Begabung innerhalb einer von Männern dominierten, snobistischen "Welt" und vor allem innerhalb ihrer Familie durchsetzen, wo es - bislang - nur darum ging und geht, genügend Nahrung zum täglichen Überleben zu besorgen? Zudem: Natürlich existieren auch viele Selbstzweifel. Doch Phiona hat auch "Blut" geleckt, und "Trainer" Robert Katende unterstützt sie wo und wie er nur kann, damit sie ihr begnadetes Brettspiel-Talent voll ausspielen kann und damit sie aus ihrem schäbigen Lebens-Kreislauf endlich herauszukommen vermag.

Die Rechnung geht schließlich auf. Dieses kleine afrikanische Mädchen, das "eigentlich" keine Chance für Sonstwas hatte, steigt auf. Mit 11 Jahren gewinnt sie die Junioren-Meisterschaften des Landes, mit 15 wird sie nationale Schach-Meisterin von Uganda. Nimmt an internationalen Wettbewerben teil; 2010 ist sie bei der Schach-Olympiade im russischen Chanty-Mansijsk mit-dabei.

Natürlich: Was läuft alles im Kopf ab, wenn man dies liest bzw. hört? Gedankliche wie emotionale Tränen allerorten! Beschönigender Kitsch! Patriotismus pur a-la "Der amerikanische Traum von Uganda!" Phiona Mutesi, d i e neue Disney-Prinzessin! Glauben Sie mir, NICHTS VON ALL-DEM „geschieht“ hier. Dazu ist die indisch-stämmige New Yorker-Regisseurin MIRA NAIR viel zu clever und intelligent als dass sie auf puren Gefühlsfilmmatsch setzen würde. Ganz im Gegenteil: Ihr Spielfilm überhöht nicht marktschreierisch, verklärt schon überhaupt nicht, sondern gewinnt durch enormes, aufrechtes Einfühlungsvermögen. Stellt ein junges Mädchen in den Blick- und Mittelpunkt, das nicht dauer-trauert, sondern als Frohnatur gewinnt. "The Queen of Katwe" ist kein Klagelied mit Happy-Ende, sondern der optimistische kämpferische Blick auf die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten, die Phiona Mutesi für sich zu entdecken und schließlich zu nutzen weiß. „The Queen of Katwa“ ist eine individuelle, außerordentliche Menschen-Schicksal-Geschichte, die keine "schlimme Umwelt" ausschließt (wie AIDS, Armut, früher Tod), diese aber nicht heroisch "benutzt", um effektvoll "amerikanische Anklage" gegenüber den schlimmen Zuständen in Uganda zu erheben. Dies alles passiert NICHT. Stattdessen gelingt es Regisseurin Mira Nair  - populär geworden auch bei uns über ihre Filme "Salaam Bombay!"   -, unaufdringlich wie einfühlsam davon zu erzählen, wie das kluge Schachspiel "Leben" beeinflussen kann: "Schach lehrt dich, Situationen zu bewerten, Entscheidungen zu treffen, Probleme zu lösen. Jede Herausforderung als Chance zu sehen - und nach Möglichkeit nicht aufzugeben. Die Disziplin, die Geduld ... alles, was mit dem Leben zu tun hat, kann man in diesem Spiel finden" (Phiona-Förderer Robert Katende im Tim Crothers-Buch).

Nach "Bauernopfer" von Edward Zwick und dem neuseeländischen Ereignis "Das Talent des Genesis Potini" von 2013 haben wir mit "THE QUEEN OF KATWE" erneut ein meisterliches "Schach-Mensch-Movie" im Kino-Angebot = ein treffsicheres, faszinierendes Genre wurde klasse reaktiviert.

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

Legende zur Bewertung von Hans-Ulrich Pönack

5 Pönis = Einsame Spitze
4 Pönis = Richtig gut
3 Pönis = Geht so
2 Pönis = Mäßig
1 Pöni = Jämmerlich
0 Pönis = Grottig

Diese Seite teilen: