Pflanzentipps: Die Kunst des Gießens

Worauf Sie beim Gießen achten müssen...

Gießen | Foto: dpa

Wochenlange Trockenheit und Hitze im Juli haben klimatypische Gartenprobleme hervorgerufen..

Wenn in den Freibädern Hochsaison ist, verbringen Gartenbesitzer viel Zeit mit dem Schlauch in der Hand oder schleppen schwere Gießkannen umher. Schließlich herrscht bei den Pflanzen im Beet, auf dem Balkon oder auf der Terrasse vermehrter Wasserbedarf. Doch gut gemeint ist nicht immer richtig – wer falsch gießt, verschwendet nicht nur Wasser, sondern schadet im schlimmsten Fall sogar den Pflanzen.

Was können wir beim Gießen unserer Pflanzen falsch machen?

Andreas Modery: Der richte Zeitpunkt ist entscheidend. Früh am Morgen ist die beste Zeit zum Gießen. Dann ist es kühl und das Wasser hat genügend Zeit in die Erde einzudringen. Nur so kann es von den Wurzeln aufgenommen werden, anstatt zu verdunsten. Experten haben errechnet, dass bei klassischem Gießen mit Kanne und Schlauch zur falschen Tageszeit bis zu 90 Prozent des Wassers verschwendet werden. Wer bei praller Sonne und von oben wässert, läuft zudem Gefahr, dass Blätter verbrennen. Denn Wassertropfen wirken wie kleine Brenngläser und können die Pflanzen verletzen. Abendliches Gießen ist ebenfalls ungünstig, denn durch Feuchtigkeit werden Schnecken angelockt. Bleiben die Blätter über Nacht nass, fördert das zudem die Ausbreitung von Pilzkrankheiten.

Die Frage aller Fragen ist für jeden Gartenfreund, wie und wieviel muss ich gießen?

Andreas Modery: Die perfekte Wassermenge für den Garten gibt es nicht: Denn jede Pflanze hat – wie jeder Mensch – eigene Ansprüche. Pauschal kann man lediglich sagen: Nicht kleckern sondern klotzen! Wenn wir das feuchte Nass verteilen, sollten wir mit dem Wasser nicht zu sparsam umgehen. Balkonkasten, Kübelpflanzen und Töpfe gießen wir solange, bis das überschüssige Wasser aus den Ablauflöchern am Boden wieder herausfließt. Mein Tipp: Gießen Sie mit Zeit und Ruhe – gießen Sie langsam und mit einem sanften Strahl. Denn nur dann hat die Erde die Chance seine sogenannte Wasserspeicherkaüazität voll auszunutzen. Wenn die Erde gut durchfeuchtet ist, werden die Wurzeln besser und länger mit Wasser versorgt.

Langsam gießen – sanfter Strahl - aber gibt es eine Faustregel für die Wassermenge?

Andreas Modery: Denn 10 Liter (eine große Gießkanne) auf den Quadratmeter dringen gerade mal ca. 8 bis 10 cm in den Boden. Als Faustregel gilt für den Garten: 30 Liter Wasser pro qm oder mehr. Viele Pflanzen zeigen Wassermangel durch eingerollte Blätter und herabhängende Triebspitzen an, soweit sollte es man aber nicht kommen lassen. 
Die Wassermenge ist natürlich auch abhängig von Pflanzenart, Bodenbeschaffenheit und Ausrichtung zur Sonne. Am häufigsten brauchen neu gepflanzte Gewächse Wasser, da sich ihre Wurzeln noch nicht genügend ausgebreitet haben. Besonders Pflanzen in Kübeln oder Balkonkästen sind durch den begrenzten Wurzelraum anfällig für Trockenheitsschäden. Wer wenig Zeit hat, häufiger mal übers Wochenende verreist oder eine Urlaubsreise plant, sollte deshalb vorsorgen.

Ich fahre in den Urlaub – was soll ich tun?

Andreas Modery: Sehr bequem ist natürlich das Leben mit sogenannten Bewässerungsanlagen. Sie sind einfach in der Anwednungen und sehr effizient. Bei der Bewässerungsanlage wird durch eine Tröpfchenbewässerung über ein Schlauchsystem die Feuchtigkeit direkt an die Pflanze geleitet.  Wenn es zudem über einen Computer mit Zeitschaltuhr gesteuert wird, bereitet ein Gießen in den frühen Morgenstunden keine Mühe. Ist das System zudem mit einem Sensor verbunden, der die Bodenfeuchte misst, kann sich der Gartenbesitzer vollends zurücklehnen. Hochwertige Produkte gibt es sowohl für die Beregnung von Kästen und Kübeln als auch für Beete.

Des Hausbesitzers Lieblingskind ist die Rasenflächen – was gilt hier beim Wässern zu beachten?

Andreas Modery: Der größte Fehler ist, den Rasen nur mit dem Wasserschlauch zu befeuchten. Der Boden muss das Wasser langsam aufnehmen können, deshalb ist der Einsatz eines Regners unabdingbar. Stellen Sie ein Trinkglass auf diese Rasenfläche und lassen Sie den Rasensprenger so lange laufen - bitte nie in der Mittagszeit - bis 5 cm Wasser im Glas sind. Dann haben sie die Wasssermenge im Boden, die den Grashalmwurzeln endlich zur verfügung steht.

Bequemer sind hier natürlich auch hier unterirdisch arbeitende Systeme: Versenkbare Regneranlagen bieten sich beispielsweise für große Rasenflächen an. Immer dann, wenn Wasser benötigt wird, erheben sich die Sprühköpfe und nach der Beregnung senken sie sich wieder ab.

Was passiert wenn der Gärtner falsch gießt?

Bittere Gurkenfrüchte
Bei Gurken befinden sich im Stielansatz die meisten Bitterstoffe. Die Neigung zur Bitterstoffbildung ist einerseits eine Sorteneigenschaft aber auch eine Reaktion auf Trockenstress. Ungleichmäßige Wasserversorgung und kaltes Wasser schocken die empfindlichen Pflanzen besonders bei heißem Wetter. Die Ranken dürfen zudem nicht zu viel bewegt oder sogar verletzt werden. Verwenden Sie in jedem Fall bitterfreie Sorten von gekauftem und zertifiziertem Saatgut.

Tomate mit Blütenendfäule
Schwarzfaule Stellen auf den roten Tomatenfrüchten lassen auf den ersten Blick eine Pilzerkrankung vermuten. Liegen aber die eingesunkenen, trocken-faulen Flecken gegenüber dem Stielansatz, also da, wo früher die Blüte saß, so handelt es sich um die sogenannte „Blütenendfäule“. Begünstigt wird dieses Phänomen durch hohe Temperaturen und starke Verdunstungstätigkeit der Blätter. Kalzium, das die Zellwände stabilisiert, wird bei Hitze verstärkt in die Blätter transportiert. Die Frucht geht leer aus. Dort fallen die Zellwände zusammen und faulen. Achten Sie in Hitzeperioden auf gleichmäßige Wasserversorgung, düngen Sie ausgewogen und lüften Sie im Gewächshaus so viel wie möglich.

Sonnenbrand an Früchten
Viele Obstsorten, wie Weintrauben, Pflaumen, Stachelbeeren und Äpfel, aber auch Fruchtgemüse wie Tomaten und Paprika, zeigen Schäden an den Früchten. Ursache ist Sonnenbrand, der vor allem durch die schnelle Umstellung von milder Witterung auf große Hitze entsteht. Bei einer Lufttemperatur von über 30 °C kann die Temperatur in den Früchten auf der Sonnen zugewandten Seite bis zu 50 °C steigen. Manche Beeren verkochen förmlich am Strauch. Dunkle Früchte wie rote Tafeltrauben, Pflaumen oder Brombeeren absorbieren das Licht besonders gut und heizen sich noch intensiver auf. Besonders ausgeprägt sind die Schäden, wenn kurz zuvor an den Obstgehölzen ein Sommerschnitt durchgeführt, die Ranken der Weinreben gekürzt oder die „Wasserschosse“ der Obstbäume entnommen wurden. Entfernen Sie stark beschädigte Früchte um „Pilzherden“ vorzubeugen.

Echter Mehltau - der Schönwetterpilz
Taufeuchte und warmes Wetter sind beste Bedingungen für den Echten Mehltau. Der Schaderreger tritt gewöhnlich erst im Spätsommer bis Herbst auf, doch bei dem Waschküchenwetter im Juli hatte er ein leichtes Spiel. Rosen, Gurken, Zucchini und Wein waren schon frühzeitig befallen. Eine chemische Bekämpfung ist vor allem bei Gemüse nicht ratsam. Produkte mit pflanzlichen Fettsäuren, Pflanzenextrakten und Natrium-Hydrogencarbonat (Natron) zeigen bei regelmäßiger, vorbeugender Anwendung beachtliche Erfolge gegen Echte Mehltaupilze. Die befallenen Blätter an Zucchini können Sie kontinuierlich entfernen. Die Pflanzen bilden weiterhin Früchte aus. Gurkenpflanzen lassen sich nur kurzzeitig am Leben erhalten. Wählen Sie bei Rosen und Weinstöcken immer resistente Sorten. Die Widerstandskraft dieser Sorten hält zumindest einige Jahre.  

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