AfD: Petry-Eklat

Nach der Wahl: AfD macht ihrem Ruf als rechte Chaostruppe alle Ehre

Nach der Bundestagswahl - AfD | Foto: dpa

Es ist ein spektakuläres Dramolett, das Frauke Petry am Morgen nach der Wahl im Saal der Bundespressekonferenz aufführt. Erster Akt: Die Parteichefin drückt Freude über das gute Abschneiden der AfD aus. Zweiter Akt: Petry regt sich über «abseitige Positionen» von Parteikollegen auf, tritt ihnen verbal noch einmal kräftig vor's Schienbein. Dritter Akt: Die Vorsitzende rauscht ab. Was sie jetzt vorhat, ob sie etwa versuchen will, eine eigene Parlamentariergruppe zu bilden, lässt sie offen. Petry sagt, sie wolle dem Bundestag als fraktionslose Abgeordnete angehören - «vorerst».

In der AfD ist wegen des Streits in der Parteiführung schon seit Monaten darüber spekuliert worden, ob Petry womöglich eine Spaltung nach der Wahl vorbereitet. Was die anderen Mitglieder der Parteispitze jetzt überrascht, ist lediglich der Zeitpunkt. Sie hatten erwartet, dass die Parteichefin diesen Schritt nicht vor der ersten Fraktionssitzung gehen würde.

Bevor sie den Saal verlässt, sagt die Vorsitzende, ihr Anspruch sei es, «die Regierungsübernahme in 2021 vorzubereiten». In einem Fernsehinterview erklärt sie Stunden später, sie stehe für einen «konservativen Neuanfang». Wie das jetzt gehen soll, ist fraglich.

Um eine eigene Fraktion zu bilden, sind 36 Abgeordnete nötig. Dass es Petry gelingen werde, 35 Parlamentarier auf ihre Seite zu ziehen, sei «sehr, sehr unwahrscheinlich», sagt der Vorsitzende der Berliner AfD-Fraktion, Georg Pazderski. Auch die Gründung einer neuen Partei hält er nicht für aussichtsreich. Pazderski sagt: «Die wird genauso enden wie Luckes Partei. Da bin ich fest von überzeugt.» Der AfD-Mitbegründer Bernd Lucke ist mit seiner neuen Partei in der politischen Versenkung verschwunden.

Bundesvorstandsmitglied Paul Hampel drückt es härter aus: «Es gibt immer ein paar Seelenlose, die auch den absurdesten Ideen folgen.» Er wirft die Frage auf, was Petrys Paukenschlag für die AfD-Fraktion im Landtag von Nordrhein-Westfalen bedeutet. Dort ist Petrys Ehemann Marcus Pretzell Vorsitzender. (dpa)

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