Ein Jahr nach dem Terroranschlag in Berlin

Klaus-Jürgen Meier, Vorstandsvorsitzender der AG City, kümmert sich mit seinem Verein auch ein Jahr nach dem Terroranschlag in Berlin um Hinterbliebene und Opfer. Die Profi Partner AG und auch wir mit unserem Verein Hörer Helfen e.V. möchten diese wichtige Arbeit mit 10.000,- Euro unterstützen...

Jahrestag des Terroranschlags - Glocken läuten zwölf Minuten

Breitscheidplatz | Foto: dpa

Ein Jahr nach dem islamistischen Terroranschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt wird mit mehreren Gedenkveranstaltungen an die Opfer erinnert. Bereits am Montagnachmittag, einen Tag vor dem Jahrestag, empfängt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Kanzleramt Verwandte der zwölf Todesopfer, damals verletzte Menschen und ihre Angehörigen sowie andere Opfer des Attentats.

Am Dienstag, genau ein Jahr nach dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz, nehmen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Merkel an einer religionsübergreifenden Andacht in der Gedächtniskirche nahe dem Tatort teil.

Nach der Andacht stellt Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) die neue Gedenkstätte an der Gedächtniskirche der Öffentlichkeit mit einer kurzen Ansprache vor. An den Stufen an der Kirche sollen die Namen der zwölf Toten zu lesen sein. Durch den Boden zieht sich ein Riss, der mit goldener Farbe aufgefüllt wird. Er soll den Riss durch das Leben vieler Menschen symbolisieren, der durch den Terroranschlag ausgelöst wurde.

Wegen der hochrangigen Besucher und der Gefahr durch islamistische Terroristen wird der ganze Tag von starken Sicherheitsvorkehrungen begleitet. Der Weihnachtsmarkt auf dem Platz ist geschlossen. Die Polizei sperrt den kompletten Breitscheidplatz und mehrere angrenzende Straßen vom frühen Morgen bis zum Abend des Jahrestages ab. Die Organisatoren rechnen insgesamt mit mehreren hundert Menschen bei den verschiedenen Veranstaltungen, die alle kontrolliert werden.

In den Monaten nach dem Anschlag hatten immer wieder Opfer und Angehörige mangelnde Betreuung kritisiert. Viele hatten sich auch beschwert, dass die erste Gedenkandacht am 20. Dezember 2016, unmittelbar nach dem Anschlag, nicht für die - damals weitgehend noch nicht bekannten - Opfer gedacht war.

Am Abend des Jahrestages sind ein Friedensgebet und eine Friedenskundgebung geplant. Auch dabei soll es vor allem um ein «stilles Gedenken» gehen, hieß es. Ab 20.02 Uhr, dem Zeitpunkt des Anschlags, läuten die Glocken der Gedächtniskirche zwölf Minuten lang. Die Besucher der Kundgebung sind aufgefordert, eine Lichterkette um die Kirche zu bilden.

Bei dem Anschlag mit einem entführten Lastwagen hatte der islamistische Terrorist Anis Amri am Abend des 19. Dezember 2016 zwölf Menschen getötet, etwa 70 wurden verletzt. Dutzende Helfer sind noch heute traumatisiert. Amri wurde vier Tage später auf der Flucht in Italien von Polizisten erschossen. (dpa)

Quelle: dpa

Der Gedenktag zum Terroranschlag

Mit zahlreichen Veranstaltungen wird am Dienstag - ein Jahr nach dem islamistischen Terroranschlag - auf dem Berliner Weihnachtsmarkt der Opfer gedacht.

  • 10.30 Uhr: Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) zeigt den Angehörigen und Opfern die neue Gedenkstätte an der Gedächtniskirche. Geplant ist ein kurzes, stilles Erinnern ohne Öffentlichkeit.
  • 11.15 Uhr: Religionsübergreifende Andacht in der Gedächtniskirche mit Opfern des Anschlags, Angehörigen der Toten und Verletzten sowie Helfern. Unter den Teilnehmern sind auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Steinmeier wird ebenso wie der evangelische Bischof Markus Dröge eine kurze Ansprache halten.
  • 12.00 Uhr: Müller stellt die neue Gedenkstätte der Öffentlichkeit vor.
  • 13.00 Uhr: Die Opfer und Angehörigen werden im Berliner Abgeordnetenhaus empfangen. Parlamentspräsident Ralf Wieland (SPD), Müller und der Opferbeauftragte Kurt Beck sprechen.
  • 14.00 Uhr: Die AG City, der Schaustellerverband Berlin und die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirchengemeinde laden zum gemeinsamen Gedenken mit einer Mahnwache auf dem Breitscheidplatz.
  • 18.30 Uhr: Öffentliches ökumenisches Friedensgebet mit dem Friedenslicht von Bethlehem in der Gedächtniskirche und dem Bachchor der Kirchengemeinde.
  • 19.30 Uhr: Eröffnung einer Friedenskundgebung durch die Sängerin Jocelyn B. Smith.
  • 20.02 Uhr: Die Glocken der Gedächtniskirche läuten zwölf Minuten lang. Die Besucher der Kundgebung sind aufgefordert, eine Lichterkette um die Kirche zu bilden. (dpa)
LKW rast in Weihnachtsmarkt
IS reklamiert Berliner Anschlag für sich - Täter auf der Flucht?

Chronologie: Der Terroranschlag von Berlin - 19. bis 23. Dezember 2016

Am 19. Dezember 2016 wird der bislang schwerste islamistische Terroranschlag in Deutschland verübt. 12 Menschen sterben. Am 23. Dezember ist auch der Täter tot. Die Deutsche Presse-Agentur dokumentiert die Ereignisse dieser fünf Tage:

MONTAG, 19. Dezember:

18.38 Uhr: Der 23-jährige Tunesier Anis Amri besucht die als Islamisten-Treffpunkt bekannte Fussilet-Moschee in Berlin-Moabit. Überwachungskameras filmen ihn. In dem Moscheeverein war er häufiger.

19.07 Uhr: Amri geht zum nahegelegenen Friedrich-Krause-Ufer. Dort hatte er in den Wochen zuvor immer wieder nach Lastwagen gesucht.

19.24 Uhr: Er klopft an die Tür eines polnischen Lastwagens und schießt dem Fahrer in den Kopf. Ein Zeuge hört den Schuss.

19.33 Uhr: Amri schickt ein Foto aus der Fahrerkabine und eine Nachricht an seinen IS-Unterstützer: «Bruder, alles hat Erfolg».

19.34 Uhr: Der Lkw, beladen mit 25 Tonnen Stahl, verlässt seinen Parkplatz am Friedrich-Krause-Ufer.

19.35 Uhr: Amri startet auf seinem Handy die Navigation zur Hardenbergstraße.

19.40 Uhr: Amri schreibt: «Allah ist groß, Bruder, Allah ist groß.»

19.41 Uhr: «Ich bin jetzt in der Karre, verstehst Du. Bete für mich, mein Bruder.»

20.00 Uhr: «Mach für mich Bittgebete! Bitte, mein Lieber, bete für mich!»

20.02 Uhr: Amri fährt mit dem Lastwagen mit knapp 50 Stundenkilometern von der Hardenbergstraße geradeaus in eine Budengasse des Weihnachtsmarktes an der Gedächtniskirche. Der Lkw zerstört Buden und tötet und verletzt zahlreiche Besucher. Von einem automatischen Bremssystem, das auf Hindernisse reagiert, wird der Lkw verlangsamt, bricht nach links aus der Budengasse aus und hält nach etwa 60 Metern auf der Budapester Straße.

Den Breitscheidplatz mit dem Weihnachtsmarkt hatte Amri seit dem 22. November 2016 bei mindestens acht Besuchen ausgekundschaftet. Auf einem seiner Telefone finden sich später Reste von Videos, die die Zufahrtswege zeigen.

20.03 Uhr: Amri lässt zwei Handys im Lkw liegen und flieht vom Tatort zum Bahnhof Zoo.

20.06 Uhr: Eine Kamera filmt Amri, er zeigt kurz einen erhobenen Zeigefinger, eine Geste von IS-Anhängern, und verschwindet mit einer Bahn. Bei der Polizei gehen die ersten Notrufe ein. Polizisten, Sanitäter und Notärzte sind schnell am Weihnachtsmarkt, sperren das Gelände ab und behandeln die ersten Menschen. Auf dem Beifahrersitz findet die Polizei den toten Lkw-Fahrer.

Die Polizei sucht nach einem Verdächtigen, den Zeugen sahen. In der Nähe der Siegessäule nehmen Polizisten einen Mann aus Pakistan fest, auf den die Beschreibung passt. Er wird noch in der Nacht mit Hilfe eines Dolmetschers verhört. Am nächsten Tag stellt sich heraus, dass er mit dem Anschlag nichts zu tun hat.

21.10 Uhr: Die Polizei bestätigt über Twitter neun Tote und viele Verletzte.

21.32 Uhr: Amri wird in der Prinzenallee in Wedding nahe der Freienwalder Straße, wo er wohnt, von einer Kamera gefilmt.

21.45 Uhr: Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller, der Innensenator, der Polizeipräsident, weitere Politiker und zahlreiche Journalisten sind am Tatort.

21.51 Uhr: Amri wird erneut von der Kamera in der Prinzenallee gefilmt. Er trägt andere Schuhe und hat einen Rucksack bei sich.

23.55 Uhr: Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagt im Fernsehen, vieles spreche für einen Terroranschlag.

DIENSTAG, 20. Dezember:

01.49 Uhr: Die Polizei twittert: «Traurige Gewissheit, heute verloren am Breitscheidplatz 12 Menschen ihr Leben, 48 liegen, zum Teil schwer verletzt, in Krankenhäusern.»

05.51 Uhr: Polizei-Tweet: «Unsere Ermittler gehen davon aus, dass der Lkw vorsätzlich in die Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz gesteuert wurde.»

Vormittags: Der Generalbundesanwalt in Karlsruhe übernimmt den Fall.

11.00 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) tritt vor die Presse und sagt, die Deutschen seien «in tiefer Trauer vereint».

Mittags: De Maizière sagt: «Wir haben keinen Zweifel mehr, dass es sich bei dem schrecklichen Ereignis gestern Abend um einen Anschlag gehandelt hat.»

Nachmittags: Die Kriminalpolizei findet in der Führerkabine des Lkw Duldungspapiere eines Asylbewerbers, die Amri zugeordnet werden.

Abends: Hunderte Menschen kommen zu einem Gottesdienst in der Gedächtniskirche. Das Brandenburger Tor wird in den Deutschlandfarben angestrahlt. Der pakistanische Verdächtige wird als unschuldig von der Polizei freigelassen. Der IS nimmt den Anschlag für sich in Anspruch.

MITTWOCH, 21. Dezember:

Früher Morgen: Das Bundeskriminalamt (BKA) fahndet nach Amri. Die Bundesanwaltschaft ruft die Bevölkerung zur Mithilfe auf und setzt 100 000 Euro Belohnung aus. Es wird bekannt, dass der Gesuchte in Nordrhein-Westfalen als Gefährder galt und lange observiert worden war.

07.00 Uhr: Ein Zeuge beobachtet Amri in einem Bus vom nordrhein-westfälischen Emmerich nach Kleve, wo er schon früher wohnte.

9.30 Uhr: In Kleve werden Kleidungsstücke gekauft, die später bei Amris Leiche gefunden werden. Amri gelangt vermutlich über Nimwegen und Amsterdam nach Brüssel. Auf Videos ist zu sehen, dass er sein Gesicht mit einem Schal verhüllt.

DONNERSTAG, 22. Dezember:

Morgens: Die Polizei durchsucht ein Flüchtlingsheim in Emmerich, wo Amri zeitweise lebte. De Maizière bestätigt, dass in dem Lastwagen Fingerabdrücke von Amri gefunden wurden. Der Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz öffnet wieder.

Amri flüchtet mit dem Zug weiter über Lyon und Chambéry in Frankreich nach Turin und schließlich nach Mailand in Italien. Offenbar wollte er dabei gezielt Deutschland umgehen

Abends: Gegen Amri wird Haftbefehl erlassen.

FREITAG, 23. Dezember:

Gegen 3.30 Uhr: Amri wird nahe dem Bahnhof der norditalienischen Stadt Sesto San Giovanni im Großraum Mailand bei einer Kontrolle von Polizisten erschossen.

Der IS-Kanal Amak veröffentlicht ein zweieinhalb Minuten langes Video, auf dem Amri im Herbst dem IS-Anführer Treue schwört. (dpa)

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