«Xavier»: Wer hat profitiert?

Die Krisengewinner: Wer hat von Sturm «Xavier» profitiert?

Sturm «Xavier» | Foto: dpa

Die Orkanböen brachten den Ausnahmezustand: Mit bis zu 120 Kilometern pro Stunde fegte Sturm «Xavier» am 5. Oktober durch Berlin. Eine Frau starb, Menschen wurden verletzt, Bäume fielen um, Gebäude und Autos wurden lädiert. Tagelang war der Bahnverkehr auf wichtigen Strecken unterbrochen. Man könnte meinen, alle Berliner seien durch «Xavier» in Mitleidenschaft gezogen worden. Doch einigen kam das Unwetter sogar zugute. Sie erhielten mehr Aufträge, arbeiteten länger, machten unverhoffte Umsätze - teilweise bis heute. Wer von «Xavier» profitiert hat und warum:

DIE TAXIFAHRER: Als der Sturm Berlin am Abend erreichte, ging im Nahverkehr schnell gar nichts mehr. «Da waren wir die einzigen, die überhaupt noch gefahren sind», sagt Boto Töpfer vom Taxiverband Berlin-Brandenburg und klingt dabei ein bisschen stolz. «Viele Kollegen waren das gesetzliche Maximum von 10 Stunden am Tag unterwegs. Im Extremfall können Taxifahrer an solchen Tagen 50 bis 60 Prozent mehr Umsatz machen.» Weil manche Fahrgäste Taxigutscheine von der Deutschen Bahn bekommen hatten, wurden auch besonders lange Strecken gefahren. «Einer meiner Mitarbeiter sollte Reisende vom Berliner Hauptbahnhof nach Leipzig bringen. Das war natürlich ein toller Auftrag», sagt Töpfer.

DIE FERNBUS-BETREIBER: Nicht nur die Taxifahrer, auch die Fernbusse konnten einen starken Anstieg der Fahrgastzahlen verzeichnen. Tagelang waren Bahntrassen gesperrt, darunter die wichtigen Verbindungen von Berlin nach Hamburg und Hannover. Wer konnte, suchte sich eine Reisealternative. «Die Fernbusse am Wochenende nach dem Sturm waren voll besetzt», sagt Martin Mangiapia vom Anbieter Flixbus. «Wir hatten 41 Prozent mehr Fahrgäste als an einem regulären Herbstwochenende.»

Die AUTOVERMIETER: Wer nicht auf Fernbusse umsteigen wollte, um eine andere Stadt zu erreichen, versuchte sein Glück bei den Autovermietungen. So verzeichnete der Anbieter Sixt in Berlin eine sehr große Nachfrage am Abend des Sturms. «Gerade an zentralen Stationen war die Auslastung erhöht», berichtet ein Unternehmenssprecher. Menschen, die verzweifelt ihr Reiseziel erreichen wollten, hätten sich mit Fremden zusammengetan. «An manchen Stationen wurden aufgrund der hohen Nachfrage spontan Fahrgemeinschaften am Counter gebildet», so der Sprecher.

DIE HOTELIERS: Andere Bahnfahrer, die ihren Zug nicht nehmen konnten, entschieden sich für eine Hotelübernachtung. Doch viele Häuser waren am Abend des Sturms bereits gut gefüllt. «In unseren Hotels gingen immer wieder Anfragen von gestrandeten Reisenden ein. Durch die hohe Auslastung mussten wir leider einige ablehnen», berichtet Tessa Blatt von der Deutschen Hospitality, zu der unter anderem das Intercity-Hotel am Hauptbahnhof und das Steigenberger Hotel am Kanzleramt gehören. «Die Auswirkungen zeigten sich auch noch am Tag nach dem Sturm.»

DIE BAUMPFLEGER: Mehr als 20 000 Bäume sollen in den Berliner Wäldern beschädigt worden sein. Auch an Straßen, in Parks und auf Privatgrundstücken sind die Verwüstungen noch immer sichtbar. Seit den ersten Stunden des Sturms laufen die Fällarbeiten auf Hochtouren - Stadt und private Anbieter sind im Dauereinsatz. Aleksej Wirt von der Firma Baumpflege-Express kann sich nicht an Vergleichbares erinnern: «Wir arbeiten im Moment so lange, wie es hell ist.» Ständig müsse er Aufträge ablehnen. «Als der Sturm losgegangen war, hat das Telefon ununterbrochen geklingelt. Es ist der Wahnsinn», sagt Wirt. An ein Verschnaufen kann er noch lange nicht denken - zu viele Bäume liegen in Berlins Gärten und warten auf ihre fachgerechte Beseitigung.

DIE AUTOGLASER: Für viele Autofahrer gab es am Morgen nach dem Sturm ein böses Erwachen. Herabgestürzte Äste oder ganze Bäume hatten Autoscheiben zerstört und Karosserien zerbeult. Gut beschäftigt sind deshalb auch die Kfz-Werkstätten. «Unsere Mitarbeiter in Berlin sind im Moment von morgens bis abends an sechs Tagen in der Woche im Einsatz», berichtet Jens Krees vom Autoglaser Carglass. «Wir haben nach dem Sturm Mitarbeiter aus anderen Regionen dort eingesetzt, wo der größte Bedarf ist.» Man sei zwar grundsätzlich auf die Folgen von extremen Wetterlagen vorbereitet, aber «Xavier» sei dennoch außergewöhnlich. «Eine Situation wie diese stellt uns vor logistische Herausforderungen», sagt Krees. (dpa)

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