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BERLIN

 

19.05.2010 | Berlin

Im Bordell-Streit Richterinnen beim Ortstermin

Die Richterinnen des Berliner Verwaltungsgerichts standen bei ihrem ungewöhnlichen Ortstermin am Mittwoch im Nieselregen. Hier in der Kurfürstenstraße bieten seit Jahren Prostituierte ihre Dienste auf dem Straßenstrich an. Das Gericht wollte sich im Streit um ein neues Bordell-Projekt an Ort und Stelle einen Überblick verschaffen. Der Inhaber eines Hauses an der Ecke Potsdamer Straße will ein Etablissement mit 48 Zimmern für Prostituierte eröffnen. Er hat geklagt, weil ihm das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg die Baugenehmigung bisher verweigert hat. Eine Entscheidung fällte das Gericht am Mittwoch noch nicht.

Auch Anwohner sind gegen das sogenannte Laufhaus und bangen um ihre Lebensqualität. Viele befürchten, dass sich das Rotlichtmilieu noch ausweitet. Ein 47-jähriger Anwohner fühlt sich schon jetzt «tief belästigt». Ein Polizist - seit 20 Jahren Beobachter der Szene - sprach von Ängsten und Überforderung der Anwohner nach dem Zustrom von Prostituierten aus Osteuropa. Die Gegend sei als «besonders kriminalitätsbelasteter Ort eingestuft». Doch die Richterinnen und ein ehrenamtlicher Richter bekamen am Vormittag keine Prostituierten auf der Straße zu sehen.

In dem Gebiet sind Bordelle nicht generell verboten. Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg argumentiert jedoch, dass in dem Fall schutzwürdige Interessen der Anwohner verletzt würden. Lärmbelästigung und Kriminalität würden zunehmen, Gewerbe könnte verdrängt werden. Der Besitzer der Immobilie hingegen ist überzeugt, dass sich im Gegenteil die Straßenprostitution erledige, wenn die Frauen ihre Freier in den Zimmern empfangen können. Neben Wohnhäusern, einem früheren Seniorenwohnheim und Geschäften ist im Erdgeschoss des fraglichen Eckhauses bereits ein Erotikkaufhaus mit Videokabinen etabliert.

Nach dem Ortstermin sprach Richterin Sigrid Schwalbe von einer «sehr schwierigen und komplizierten Sachlage». Ein Termin für das Urteil steht noch nicht fest.

Quelle: dpa

 

Verwaltungsgericht: http://www.berlin.de/sen/justiz/gerichte/vg/

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