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Pressekonferenz zu 30 Jahre Mauerfall (Foto: Wolfgang Kumm/dpa)

«Route der Revolution» in Berlin geplant

Eine Freiheitswolke soll in Berlin zum 30. Jahrestag des Mauerfalls nahe dem Brandenburger Tor am Himmel schweben. Rund 30 000 Zettel mit Visionen, Wünschen oder Botschaften von Menschen werden zu einer Kunstinstallation verknüpft und über der Straße des 17. Juni aufgespannt, wie der Geschäftsführer der Kulturprojekte Berlin GmbH, Moritz van Dülmen, ankündigte. Rund eine Million Besucher aus der ganzen Welt werden nach Angaben von visit Berlin, der Tourismus-Marketing-Gesellschaft, zu den Feierlichkeiten erwarten.

Höhepunkt der Festivalwoche zum Jubiläum soll am Abend des 9. November eine Bühnenshow mit der Staatskapelle unter Daniel Barenboim sowie DJ WestBam werden. Am Brandenburger Tor werden dazu auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet, wie van Dülmen der Deutschen Presse-Agentur sagte. Kulturprojekte organisiert die Feierlichkeiten im Auftrag des rot-rot-grünen Senats.

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Pressekonferenz zu 30 Jahre Mauerfall (Foto: Wolfgang Kumm/dpa)

Bei der Vorstellung des Programms in der Gethsemane-Kirche würdigte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) den damaligen Freiheitswillen von Ostdeutschen. Dies könne Mut und Kraft geben für heutige Auseinandersetzungen mit denjenigen, die sich auf den Freiheitsgedanken berufen, aber anderes wollten, sagte Müller. Der Mauerfall sei einer der glücklichsten Tage der deutschen Geschichte gewesen.

Das Jubiläum wird dieses Mal laut Müller anders begangen als frühere Jahrestage. Zum 25. Jahrestag stiegen leuchtende Ballons entlang der früheren Grenze in einer spektakulären Aktion in den Nachthimmel auf.

In diesem Jahr verfolgen die Organisatoren ein dezentrales Konzept. Unter dem Motto «Sieben Tage - sieben Orte» plant Berlin eine Festivalwoche mit weit mehr als 100 Workshops, Diskussionen und Führungen in der ganzen Stadt, so van Dülmen. Entwickelt wurde auch eine App, die einen dreidimensionalen Eindruck der einst knapp 160 Kilometer langen Grenze zwischen Ost-West in Berlin vermittelt. Die Kosten des Jubiläumsprogramms wurden mit rund zehn Millionen Euro veranschlagt.

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Pressekonferenz zu 30 Jahre Mauerfall (Foto: Wolfgang Kumm/dpa)

Den Angaben zufolge will sich Berlin vom 4. bis zum 10. November in eine Geschichtswerkstatt unter freiem Himmel verwandeln. «Auf einer Route der Revolution» soll an authentischen Orten wie dem Brandenburger Tor, dem Alexanderplatz, der früheren Stasi-Zentrale oder der East Side Gallery mit Licht- und Hörinstallationen, Ausstellungen und Filmen an das historische Ereignis vom 9. November 1989 erinnert werden.

Nach dem Mauerbau vom 13. August 1961 dauerte die deutsche Teilung mehr als 28 Jahre. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen starben an der Mauer mindestens 140 Menschen durch das DDR-Grenzregime. An einer Studie, wonach an der deutsch-deutschen Grenze mindestens 327 Menschen ums Leben kamen, waren zuletzt Zweifel aufgekommen. (dpa)

www.berlin.de/kultur-und-tickets/tipps/30-jahre-mauerfall

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App lässt Berliner Mauer in Augmented Reality erleben (Foto: Brooks Kraft/Apple/dpa)

App «MauAR» lässt Berliner Mauer in Augmented Reality erleben

Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls können Besitzer eines Smartphones oder Tablet-Computers die Berliner Mauer virtuell an ihrem historisch korrekten Ort erkunden. Mit Hilfe von Augmented Reality (AR, erweiterte Realität) werden in der App «MauAR» rund 160 Kilometer des Mauerverlaufs dargestellt. «Vor 30 Jahren ist die Mauer gefallen. Das bedeutet, es gibt inzwischen eine ganze Generation, die die Mauer nicht mehr gesehen hat», sagte der Berliner Entwickler Peter Kolski am Montag in der Gethsemane-Kirche bei der Vorstellung des Programms. Mit der App könne man die Mauer wieder erlebbar machen.

Die Anwendung, die zunächst für das iPad und das iPhone von Apple verfügbar ist, lässt sich in Berlin direkt am ehemaligen Mauerverlauf einsetzen. In diesem Fall zeigt eine integrierte Karte, wo die Mauer genau stand und wie es vor dem Fall der Mauer aussah. Ein 3D-Modell der Maueranlage kann aber auch an jedem Ort außerhalb Berlins auf dem Bildschirm geholt und virtuell begangen werden. Hier visualisiert die App, wie sich die Mauer von einem mit Stacheldraht versehenen einfachen Steinwall zu einem lebensgefährlichen Grenzsperrsystem mit Wachtürmen und «Todesstreifen» entwickelt hat.

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App lässt Berliner Mauer in Augmented Reality erleben (Foto: Brooks Kraft/Apple/dpa)

In der App treten auch zwei fiktionale Charaktere auf, ein Junge aus Ost-Berlin und ein Mädchen aus dem Westen der Stadt, die über den Mauerbau und ihre Folgen aus der jeweiligen Perspektive berichten. Zur Festwoche «30 Jahre Friedliche Revolution - Mauerfall» im Nobember soll die App dann die historischen Geschehnisse aufgreifen und nacherzählen. So sollen die Anwender virtuell an der Massendemonstration vom 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz teilnehmen können. Die Mauer fiel wenige Tage später am 9. November.

Ein Prototyp der App hatte im vergangenen Jahr in der Branche für Aufmerksamkeit gesorgt, als Apple-Chef Tim Cook sich bei einem Berlin-Besuch die Anwendung vorführen ließ. (dpa)

mauar.berlin