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Kontaktmobil am Alexanderplatz (Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/)

Etwas weniger Kriminalität - Polizeieinsatz auf «Alex» zeigt Wirkung

Der verstärkte Polizeieinsatz auf dem Alexanderplatz in Berlin-Mitte hat die Kriminalität etwas zurückgedrängt. Vor einem Jahr begann die Polizei-Ermittlungsgruppe «Alex» dort ihre Arbeit. Innensenator Andreas Geisel (SPD) sprach am Donnerstag von einer deutlich rückläufigen Tendenz und einer «Erfolgsgeschichte». Der Sender RBB hatte zuvor darüber berichtet.

Nach einer ersten Bilanz sank die Gesamtzahl der registrierten Taten von mehr als 2000 jeweils im dritten und vierten Quartal 2017 auf knapp 1700 in den ersten beiden Quartalen dieses Jahres und 1542 im dritten Quartal. Die Zahl der schweren Körperverletzungen lag zwischenzeitlich bei mehr als 40 in einem Quartal. 2018 lagen die Zahlen deutlich darunter mit 12 Fällen im zweiten Quartal und 23 im dritten Quartal. Auch die weniger schweren Körperverletzungen wurden etwas weniger (3. Quartal 2018: 119), ebenso die Taschendiebstähle (3. Quartal 2018: 191). Bei den Ladendiebstählen tat sich hingegen wenig (3. Quartal 2018: 439).

Geisel sprach von zwei Effekten: Zu einem gehe die Kriminalität tatsächlich zurück, weil viele Serientäter gefasst würden. Zum anderen gebe es natürlich auch eine Verdrängung. Das heißt, Taschendiebe würden an andere Stellen, wo es weniger Polizei gebe, ausweichen. Die Drogendelikte (3. Quartal 2018: 164) könnten hingegen ansteigen, weil die Polizei mehr kontrollieren und so auch mehr Dealer fassen würde.

Die Ermittlungsgruppe «Alex», zu der mehrere Kriminalpolizisten gehören, begann ihre Arbeit am 1. November 2017. Die Zivilpolizisten sind dort ständig unterwegs und sprechen auch die verschiedenen Tätergruppen an. Am 15. Dezember 2017 wurde die neue Polizeiwache, die sogenannte «Alex-Wache», eingerichtet. Seit dem 1. März 2018 gibt es auch einen Staatsanwalt, der speziell für Täter vom Alexanderplatz zuständig ist.

Durch diese Maßnahmen wollen Polizei und Justiz die dort aktiven Tätergruppen besser im Auge behalten sowie schneller und effektiver ermitteln. Der Alexanderplatz war wegen vieler Diebstähle und Gewaltdelikte in Verruf geraten. Taschendiebstahlbanden sind dort aktiv. Größere Gruppen von Flüchtlingen trafen sich im seit dem Winter 2017 fast täglich am Fuß des Fernsehturms, dabei kam es oft zu Schlägereien. Außerdem geraten am Wochenende in den Nächten insbesondere betrunkene junge Menschen aneinander.

Ähnliche Ermittlungsgruppen gibt es auch für andere Orte mit viel Kriminalität: das Kottbusser Tor, der Görlitzer Park und das Gebiet um das RAW-Gelände in Friedrichshain. Auch dort gingen die Zahlen runter. Zum Kottbusser Tor sagte Geisel: «Der Kotti war ja mal verrufen als Deutschlands gefährlichster Ort. Das ist nicht mehr so.» (dpa)