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Germania Fluggesellschaft (Foto: dpa)

Berliner Airline beantragt Insolvenz und stellt Flugbetrieb ein

Die Berliner Fluggesellschaft Germania hat Insolvenz beantragt und ihren Flugbetrieb eingestellt. Wie das Unternehmen in der Nacht mitteilte, sind die Germania Fluggesellschaft GmbH und ihr Schwesterunternehmen für technische Dienstleistungen, die Germania Technik Brandenburg GmbH, sowie die Germania Flugdienste GmbH betroffen. Der Geschäftsbetrieb der Schweizer Germania Flug AG und der Bulgarian Eagle geht dagegen weiter.

Geschäftsführer Karsten Balke begründete den Schritt damit, dass es nicht gelungen sei, Finanzierungsbemühungen zur Deckung eines kurzzeitigen Liquiditätsbedarfs erfolgreich zum Abschluss zu bringen. «Wir bedauern sehr, dass uns als Konsequenz daraus keine andere Möglichkeit als die der Insolvenzantragstellung blieb», erklärte Balke laut Mitteilung. Er bedauerte die Auswirkungen des Schrittes für die Mitarbeiter, die ihr Bestes für einen zuverlässigen Flugbetrieb gegeben hätten, auch in den zuletzt angespannten Wochen. Die betroffenen Fluggäste bat Balke um Entschuldigung.

Passagiere, die ihren Germania-Flug im Rahmen einer Pauschalreise gebucht haben, sollen sich laut Mitteilung direkt an ihren Reiseveranstalter wenden, um eine Ersatzbeförderung zu erhalten. Darauf habe aber laut Gesetzeslage keinen Anspruch, wer sein Flugticket direkt bei Germania gekauft habe.

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Germania beantragt Insolvenz und stellt Flüge ein (Foto: Christoph Schmidt/dpa)

Anfang Januar waren die finanziellen Schwierigkeiten bei Germania bekannt geworden. Der Flugbetrieb ging jedoch zunächst planmäßig weiter. Zwischenzeitlich hatte das Unternehmen von erfolgreichen Finanzierungsverhandlungen gesprochen. Ende Januar wurde aber bekannt, dass es bei der Auszahlung der Januar-Gehälter an die Mitarbeiter Verzögerungen gibt. Die Airline begründet den finanziellen Engpass mit massiven Steigerungen der Kerosinpreise und mit einer «außergewöhnlich hohen Anzahl technischer Serviceleistungen an der Flotte».

Noch am Montag hatte es einen Bericht über eine Investorengruppe aus Nordrhein-Westfalen gegeben, der hoffen ließ. Die «Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung» berichtete unter Verweis auf eigene Informationen, dass eine Gruppe unter der Koordination von ehemaligen Airline-Managern helfen wolle und kurzfristig einen zweistelligen Millionen-Betrag bereitgestellt werden solle. Zu der Gruppe solle auch der frühere Air Berlin-Chef Joachim Hunold gehören. Germania wollte zu dem Bericht keine Stellung nehmen. In der Nacht folgte dann die Mitteilung, dass vor dem Amtsgericht Berlin-Charlottenburg Insolvenz für die genannten Firmen beantragt worden sei.

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Airline Germania (Foto: Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/dp)

Germania ist eine deutsche Fluggesellschaft mit einer mehr als 30-jährigen Geschichte. Sie wurde 1986 gegründet, seit 2009 ist Berlin der Firmensitz. Auf der Kurz- und Mittelstrecke beförderte die Airline mehr als vier Millionen Passagiere pro Jahr zu mehr als 60 Zielen innerhalb Europas, nach Nordafrika sowie in den Nahen und Mittleren Osten. Zusammen mit der Schweizer Germania Flugbetrieb AG und der Bulgarian Eagle betrieb Germania zuletzt 37 Flugzeuge.

Erst Ende Oktober 2017 hatte die damals zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin ihre Flugbetrieb eingestellt, rund 8000 Mitarbeiter waren betroffen. Im Herbst 2018 ging die Charterfluggesellschaft Small Planet Airlines mit Sitz in Berlin in die Insolvenz. (dpa)

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Fluggesellschaft Germania insolvent (Foto: Paul Zinken/dpa)

Airlines bieten Germania-Passagieren verbilligte Tickets an

Nach der Insolvenz der Fluggesellschaft Germania bieten der Lufthansa-Konzern und der Ferienflieger Condor betroffenen Passagieren verbilligte Tickets an. Die größten Überschneidungen in den Flugplänen gebe es mit der Tochter Eurowings, erklärte ein Lufthansa-Sprecher am Dienstag in Frankfurt. Die Angebote richten sich insbesondere an Passagiere, die nicht mit einem Pauschalreiseveranstalter unterwegs sind.

Im Ausland gestrandete Germania-Kunden könnten für Rückflüge bis Ende Februar 2019 ab sofort auf der Eurowings-Seite Flüge buchen und erhielten im Nachhinein die Hälfte des Flugpreises erstattet. Condor will Germania-Gäste ebenfalls für die Hälfte transportieren, sofern im Standby-Verfahren Plätze frei sind.

Zusätzlich soll auf lufthansa.com in den kommenden Tagen ein Buchungsverfahren eingerichtet werden, mit dem verbilligte Tickets der Netzwerk-Airlines Lufthansa, Swiss und Austrian gebucht werden können. Hier sind pauschale Nettopreise von 50 Euro (Europa) und 200 Euro (Naher Osten) geplant. (dpa)

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Fluggesellschaft Germania insolvent (Foto: Federico Gambarini/dpa)

Germania-Insolvenz ändert viele Reisepläne auch im Sommer

Viele Deutsche werden in den kommenden Wochen neue Reisepläne für das Frühjahr und den Sommer erhalten - und zwar von dem Veranstalter, bei dem sie gebucht haben. Denn der Insolvenzantrag der Fluggesellschaft Germania wirkt sich nicht nur unmittelbar auf Reisende aus, die jetzt im Februar nicht wie geplant an ihr Urlaubsziel oder nach Hause kommen, sondern auch auf viele Buchungen für die Hauptreisezeit. Bei pauschal über Veranstalter organisierten Reisen können sich dabei die Abflugorte und Abflugzeiten ändern.

Für viele Reiseveranstalter war die Germania bisher eine von mehreren Möglichkeiten, wenn es darum ging, Reisende von A nach B zu bringen. Bei FTI in München zum Beispiel hieß es am Tag nach Bekanntwerden des Insolvenzantrags, die Germania sei «speziell für kleinere deutsche Abflughäfen» ein «geschätzter Partner» gewesen. Schauinsland-Reisen in Duisburg bezifferte die Zahl der umzubuchenden One-Way-Flugtickets auf 70 000 bis zum Ende des Sommers 2019. Betroffen seien vor allem Reisende mit den Zielen Mallorca, Antalya/Türkei und Griechenland. Die DER Touristik teilte mit, umzubuchen seien nun Flugreisen zum Beispiel nach Ägypten, in die Türkei, nach Bulgarien und Portugal.

Mehrere Veranstalter wiesen darauf hin, sie würden betroffene Gäste «sofort aktiv informieren», sobald Informationen über neue Flugzeiten und Abflugorte vorliegen. «Mit Hochdruck» werde daran gearbeitet, Ersatzbeförderungen bereitzustellen, hieß es unisono zum Beispiel bei DER, Alltours und Schauinsland. Das Unternehmen greife «auf das gesamte verfügbare Flugangebot des Marktes zurück», teilte FTI mit.

Wenn sich durch solche Umbuchungen ein Abflugort ändert, muss der Veranstalter die Kosten für die Beförderung an den neugewählten Flughafen übernehmen, erklärt Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg. Geht es zum Beispiel nicht mehr von Berlin aus nach Mallorca, sondern von Hannover, muss der Veranstalter die Bahnfahrt dorthin organisieren und bezahlen. «Außerdem kann man den Reisepreis dann um fünf Prozent mindern, sagt Fischer-Volk - denn Mängelansprüche an den Veranstalter gebe es «verschuldensunabhängig».

Zumindest in den kommenden Wochen gar nicht an ihr gewünschtes Ziel kommen werden allerdings einige Gäste von Thomas-Cook-Marken, die Reisepakete mit Germania-Flügen nach Paphos auf Zypern oder nach Scharm el Scheich in Ägypten gebucht haben: Thomas Cook werde alle Reisen zu diesem zwei Zielen bis einschließlich 28. Februar «mangels alternativer Flugverbindungen» kündigen, teilte das Unternehmen mit. Thomas Cook bietet neben dem Storno auch kostenfreies Umbuchen an. (dpa)