Berliner_U_Bahn_60302296.jpg
Berliner U-Bahn (Foto: Christoph Soeder/dpa)

«Ein harter Tag» - Streik bei BVG bringt Berlin Verkehrschaos... FRAGEN & ANTWORTEN!

Schon wieder Streik bei der BVG? Nein, ganz so ist es nicht. Es gab zuletzt zwar eine Reihe von Warnstreiks - bei der Fluggesellschaft Ryanair etwa, der Deutschen Bahn und der S-Bahn, nun auch im öffentlichen Dienst. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) aber ereilt an diesem Freitag der erste größere Warnstreik seit sieben Jahren. «Es wird ein harter Tag», heißt es beim Fahrgastverband Igeb.

Alles Wissenswerte dazu:

Wann und wo wird gestreikt?

Alle 14.000 Beschäftigten der BVG und ihrer Tochter Berlin Transport sollen am Freitag die Arbeit niederlegen, von Betriebsbeginn um 3.30 Uhr bis 12.00 Uhr. Das bedeutet: Es werden voraussichtlich kaum noch U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse fahren. Denn wenn die Leitstellen bestreikt werden, lässt sich auch mit anderen Fahrern kein Ersatzverkehr organisieren. Notfallfahrplan? «Eher nicht», sagte eine BVG-Sprecherin.

Nur auf 28 Linien werden Busse unterwegs sein, vorwiegend am Stadtrand, wo Subunternehmer für die BVG fahren. Auch beim neuen Rufbus «Berlkönig» könnte es Einschränkungen geben, obwohl die Fahrer nicht bei der BVG angestellt sind - wenn die Fahrzeuge auf bestreikten Betriebshöfen stehen. Keine Einschränkungen werde es bei den Fähren geben, hieß es.

Wie kommt man noch in die Stadt?

Zum Beispiel mit der S-Bahn. Die gehört zur Deutschen Bahn und wird nicht bestreikt. Auf den Linien S1 und S5 setzt sie zusätzliche Züge ein. «Fahrgäste müssen dennoch mit sehr vollen Zügen rechnen», teilte die S-Bahn mit. Denn 1,4 Millionen Fahrten unternehmen Fahrgäste mit der S-Bahn ohnehin pro Tag, so Unternehmenszahlen. Bei der BVG aber sind es 2,9 Millionen. Auf den Straßen sind Staus programmiert. Wer sein Fahrrad nehmen will, darf nach Vorhersagen immerhin mit Plus-Graden und trockenem Wetter rechnen. Aus dem Umland fahren die Regionalzüge wie gewohnt.

Was wollen die Streikenden?

Kurz gesagt: mehr Freizeit und mehr Geld. Die Gewerkschaften Verdi und Beamtenbund verlangen, dass für alle rund 14 000 Beschäftigten die 36,5-Stunden-Woche gilt. Knapp die Hälfte muss heute nämlich 39 Stunden arbeiten - nämlich jene Mitarbeiter, die ab 2005 eingestellt wurden. Weitere Forderungen: Weihnachtsgeld auch für Neulinge, Wegfall der unteren Lohngruppen und schnellere Gehaltssprünge, zudem für Gewerkschaftsmitglieder einmalig 500 Euro. Das ist gutes Geld beispielsweise für einen Busfahrer, der nach Verdi-Angaben auf der niedrigsten Gehaltsstufe bei knapp 2000 Euro im Monat anfängt und gut 3100 Euro erreichen kann. Hinzu kommen Zulagen und Schichtzuschläge.

Was spricht gegen die Forderungen?

Allein um die kürzere Arbeitszeit auszugleichen, müsste die BVG 500 zusätzliche Mitarbeiter einstellen, heißt es im Unternehmen. Gerade Fahrer sind aber nicht leicht zu finden, außerdem kosten sie Geld. Auf 60 Millionen Euro pro Jahr bezifferte Verdi das Forderungspaket. Der Kommunale Arbeitgeberverband nannte keine Zahl. Er hält die Gewerkschaftsvorstellungen in dem Umfang für nicht erfüllbar.

Wie geht es weiter?

Das ist schwer zu sagen. Verdi schließt weitere Warnstreiks nicht aus. Das kann die Gewerkschaft auch nicht, sonst wäre sofort der Druck aus dem Kessel. Mit dem über achtstündigen Warnstreik schon nach der zweiten Verhandlungsrunde zeigen die Mitarbeiter dem Management zwar sehr früh, wo der Hammer hängt. Aber keiner weiß, wie häufig sich die Kollegen auf dem Fahrersitz, in den Leitstellen und den Werkstätten mit Streikgeld begnügen wollen - und derweil auf Tarifgehalt und Schichtzulagen verzichten. Vor allem Altbeschäftigte werden sich fragen, ob sich das Opfer lohnt. Denn eine kürzere Arbeitszeit erkämpfen sie nur für die Kollegen, die ab 2005 hinzukamen. Fest steht nur: Am 5. März wird wieder verhandelt. (dpa)

Infos von Verdi... »

www.bvg.de