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E-Tretroller-Anbieter Circ startet in Berlin (Foto: Paul Zinken/dpa)

Neue E-Tretroller fahren auf Berlins Straßen... FRAGEN & ANTWORTEN!

Wenige Tage nach der offiziellen Erlaubnis für Elektro-Tretroller in Deutschland sind die ersten Fahrer in Berlin unterwegs. Erste Firmen starteten den Verleih der sogenannten E-Scooter am Montag und Dienstag. In der Innenstadt, etwa am Checkpoint Charlie und am Brandenburger Tor, standen Roller zum Ausleihen bereit. Die Standorte werden auf einer Smartphone-App angezeigt, auch das Mieten und Bezahlen läuft über die App. Die Miete kostete bei den ersten Anbietern zunächst pauschal einen Euro Startgebühr pro Fahrt plus 15 Cent pro Minute.

Die amerikanische Firma Lime will mehrere hundert Roller in Berlin anbieten. Zunächst stehen sie nur in bestimmten Stadtteilen der Innenstadt, etwa Mitte, Kreuzberg und Prenzlauer Berg, wie auf der App zu sehen ist. Lime hatte schon länger Elektrofahrräder in Berlin vermietet. Auch das Berliner Startup Circ stellte seine Scooter auf die Straße. Im Laufe dieser Woche sollten rund 100 Roller bereit stehen.

Auch in anderen deutschen Städten soll der Verleih bald losgehen. In Großstädten in Spanien, Frankreich, Österreich, Belgien und Dänemark können diese Roller schon länger gemietet werden. Die E-Scooter waren nach monatelangem Vorlauf erst am Samstag offiziell als Kraftfahrzeug in Deutschland erlaubt worden. (dpa)

Circ: goflash.com

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E-Tretroller-Anbieter Circ startet in Berlin (Foto: Roland Weihrauch/dpa)

Fragen & Antworten: Kopfsteinpflaster und volle Radwege - E-Scooter starten in Berlin

E-Scooter gelten als Kraftfahrzeuge, die zwischen 6 und 20 Kilometer pro Stunde (km/h) schnell fahren können. Erlaubt sind sie ab 14 Jahren. Führerschein, Mofa-Prüfbescheinigung oder ein Helm sind nicht vorgeschrieben. Nötig ist aber eine Haftpflichtversicherung samt Versicherungsaufkleber am Fahrzeug.

WO DARF MAN IN BERLIN MIT DEN NEUEN E-SCOOTERN FAHREN UND WO NICHT?

Es gelten ähnliche Regeln wie für Radfahrer. Gefahren wird auf dem Radweg oder sonst auf der Straße. Nicht erlaubt sind Bürgersteige, Gehwege und Fußgängerzonen. Bei Parks kommt es darauf an, wie die jeweiligen Bestimmungen sind. Die meisten Wege im Tiergarten kommen für Roller mit kleinen Rädern kaum in Frage, weil es Sandwege sind. In anderen großen Parks gibt es Wege, die auch für Radfahrer erlaubt sind. In der Realität sind Radfahrer aber überall in Parks sowie auf vielen Gehwegen unterwegs. Das könnte gerade in Berlin, wo es wenig Kontrollen gibt, auch für die neuen Rollerfahrer gelten.

WO LAUERN GEFAHREN?

Schwierig sind für die Roller mit ihren kleinen Rädern besonders Straßen mit Kopfsteinpflaster, außerdem große Durchgangsstraßen mit vielen Autos, aber ohne Radweg. Fahrradwege können ebenfalls gefährlich sein, wenn sie schlecht gepflastert oder von Baumwurzeln durchzogen sind. Ebenso wie alte Gehwege, wo oft noch Steinplatten mit hohen Kanten liegen.

GIBT ES UNGEFÄHRLICHE STRECKEN ZUM TESTFAHREN?

Ruhige und leere Seitenstraßen bieten sich dafür an. In Wohnvierteln sind die ersten Fahrversuche sicher einfacher als in den verstopften Straßen der Innenstadt während der Hauptverkehrszeit. Platz zum Üben gibt es auch auf den alten Start- und Landebahnen des früheren Flughafens auf dem Tempelhofer Feld.

WER NUTZT DIE ROLLER?

Praktisch sind die Scooter für kurze Wege. Bei längeren Strecken ist das Stehen auf Dauer lästig, Fahrräder mit oder ohne Stromantrieb sind bequemer. Die Roller könnten also Fußwege und kurze Radstrecken ersetzen: den Gang zur S- oder U-Bahnhaltestelle, den kürzeren Weg zur Arbeit und das touristische Bummeln durch die Innenstadt. Ob tatsächlich Menschen in Berlin ihr Auto stehen lassen, um auf E-Roller und Bahn umzusteigen, muss sich erst zeigen. In den jetzt schon vor allem am Morgen überfüllten U-Bahnen dürften Fahrgäste mit zusammengeklappten Rollern nicht gut ankommen.

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E-Tretroller-Anbieter Circ startet in Berlin (Foto: Roland Weihrauch/dpa)

KAUFEN ODER LEIHEN?

Die Entscheidung hängt vom Nutzer und Einsatzzweck ab. In den Gebieten am Stadtrand könnte sich ein Kauf anbieten, wenn der Roller täglich genutzt werden soll. Die Verleihfirmen konzentrieren sich erstmal auf die Innenstadt, wo verschiedene Modelle zum Mieten über Smartphone-Apps bereitstehen.

WER VERMIETET ROLLER UND WIE VIEL KOSTET ES?

Der Senat hatte acht Verleih-Firmen Gesprächen eingeladen: Bird, BlueScooters, Flash, Float, Hive (myTaxi), Lime, Tier Mobility, VOI. Die ersten Roller standen ab Dienstag bereit. Die amerikanische Firma Lime, die schon länger E-Räder vermietet und nach eigenen Angaben bereits in 37 Städten in 16 europäischen Ländern aktiv ist, will mehrere hundert Fahrzeuge in Stadtteilen wie Mitte, Kreuzberg und Prenzlauer Berg aufstellen. Circ begann zunächst in der Ost-City. Auch das Berliner Unternehmen Tier kündigte an, «zeitnah» mit rund 1000 E-Scootern zu starten. Die Mietpreise liegen bei 1 Euro Startgebühr plus 15 Cent pro Minute.

Der Berliner Senat wies die Firmen auf die Berliner Regeln zu Verleihsystemen hin: Die Fahrzeuge dürfen nicht im Weg stehen, mehr als vier an einer Stelle sind nicht erlaubt und kaputte Roller müssen binnen 24 Stunden entfernt werden. Für Kontrollen sind vor allem die Ordnungsämter der Bezirke zuständig.

WIE STEHT DIE KONKURRENZ ZU DEN NEUEN ROLLERN DA?

Inzwischen gibt es Elektroautos, E-Motorroller, E-Fahrräder und nun auch E-Tretroller zum Mieten. Was ist günstiger für den Nutzer? Am billigsten sind Leihfahrräder ohne Motor. Sie kosten nur etwa 5 Cent pro Minute. Für Elektro-Fahrräder muss man bereits etwa 15 Cent pro Minute bezahlen. Die E-Motorroller der Firmen Coup und Emmy fahren im Normaltarif ab etwa 20 Cent/Minute los. Elektroautos sind noch teurer. Die neuen Tretroller bewegen sich preislich also in der Mitte.

WAS HÄLT DIE POLIZEI VON DEM NEUEN VERKEHRSMITTEL?

Der Chef der Abteilung Verkehr bei der Berliner Polizei, Frank Schattling, sagte im Frühjahr: «Wir sehen das mit sehr gemischten Gefühlen.» Auf Radwegen werde es «enger als es jetzt schon ist». Das müsse dann wegen der Unfallgefahr zusätzlich überwacht werden. Schon jetzt seien Touristengruppen auf Leihrädern zum Teil problematisch, weil es «wackelige» Fahrer gebe.

Ein weiteres Problem: Weil die Miete für die modernen Fahrzeuge nach Minuten abgerechnet werden, haben es manche Fahrer besonders eilig, um Geld zu sparen. Schattling sagte dazu mit Blick auf Mietautos: «Wir haben diesen Verdacht auch. Aber das ist nicht mehr als ein Bauchgefühl.» Möglicherweise führe der «gefühlte Zeitdruck» des Fahrers auch zu Unfällen. Die Polizei erfasse das aber nicht statistisch und komme an die Daten der Versicherungen nicht heran. (dpa)

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