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Fest der Luftbrücke (Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Gedenken an alliierte Luftbrücke - «Berlin ist meine zweite Heimat»

Mit einer feierlichen Zeremonie hat Berlin an die Luftbrücke und das Ende der sowjetischen Blockade vor 70 Jahren erinnert. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte am Sonntag bei einer Gedenkveranstaltung vor dem ehemaligen Flughafen Tempelhof: «Die Luftbrücke zeigte den Menschen, dass sie nicht allein gelassen wurden.» Justizministerin Katarina Barley (SPD) betonte: «Mit dieser Luftbrücke ist Unmögliches möglich geworden.»

Mit viel Applaus wurde der 98 Jahre alte damalige US-Pilot Gail Halvorsen begrüßt. Er hatte im Landeanflug selbstgebastelte Taschentuch-Fallschirme mit Schokolade und Kaugummis für die Kinder abgeworfen. Mit grüner Uniformjacke, umgehängten Orden und einer blauen Schirmmütze rief Halvorsen den Gästen zu: «Berlin ist meine zweite Heimat.»

Unter den Besuchern waren insgesamt sieben Veteranen der Luftbrücke, außerdem zahlreiche Berliner Senatoren und die früheren Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Eberhard Diepgen (CDU).

Müller sagte weiter, die Luftbrücke habe gezeigt, «dass es gemeinsam gelingen kann, die größten Herausforderungen zu überwinden». Die Berliner würden das «nie vergessen». Er berichtet auch von den Erfahrungen seiner Familie, die früher in der Nähe des Flughafens lebte. «Mein Vater hat hier als Kind miterlebt, wie die Rosinenbomber zur Hoffnung für die Berliner wurden», sagte Müller. «Seine Familie hörte Tag und Nacht dieses Brummen.»

Barley sprach von einem «Wunder», das nur durch die Solidarität der neuen Verbündeten möglich geworden sei. Sie erinnerte an die verunglückten Piloten. «Es wurden Opfer gebracht, um Freiheit und Demokratie in ein Land zu bringen, von dem man selbst noch wenige Jahre zuvor angegriffen wurde.»

Am Nachmittag wurden mehrere zehntausend Besucher zu einem «Fest der Luftbrücke» auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof erwartet. Geplant waren Gespräche mit Zeitzeugen, Ausstellungen von historischen Fahrzeugen, Fotos und Gegenständen des Alltags, eine Videoinstallation aus Archivmaterial und ein umfangreiches Musikprogramm, das ebenfalls an die damalige Zeit erinnert.

Zu Ehren des Luftbrückenpilots Halvorsen hatte der Baseballverein Berlin Braves sein Sportgelände auf dem Tempelhofer Feld in «Gail S. Halvorsen Park - Home of the Berlin Braves» umbenannt. «Er hat damals viel für die Kinder getan. Deshalb haben wir ihn heute geehrt», sagte ein Vereinssprecher am Samstag. Der Veteran besuchte in Militäruniform und mit seinen beiden Töchtern den Sportverein. Er war am Freitag nach Berlin gekommen.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) würdigte die Luftbrücke am Samstagabend als erfolgreiches Eintreten für gemeinsame Werte. So sei der neue Zusammenhalt der westlichen Welt besiegelt worden, sagte sie laut Redemanuskript im Alliiertenmuseum Berlin. 80 Briten und Amerikaner seien während der fast einjährigen Aktion ums Leben gekommen. «Diese Einsatzbereitschaft war die ausgestreckte Hand der ehemaligen Kriegsgegner an Deutschland.»

Nach Beginn der Blockade West-Berlins im Juni 1948 versorgten Amerikaner, Briten und Franzosen ab dem 26. Juni 1948 die mehr als zwei Millionen Einwohner der geteilten Stadt mit Flugzeugen. Mit fast 280 000 Flügen brachten die Alliierten mehr als zwei Millionen Tonnen Güter wie Kohle und Lebensmittel in die Stadt. Zeitweise landete alle drei Minuten ein Flugzeug auf dem Flughafen Tempelhof. Am 12. Mai 1949 beendete die Sowjetunion die Blockade. (dpa)

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