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Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern (Foto: Kay Nietfeld/dpa)

Markus Söder: Das Schönste an Berlin ist, es zu verlassen

Markus Söder kokettiert gern mit seiner Abneigung gegen Berlin und damit, dass er nur ungern in die Hauptstadt reist. Welche Qual es dem bayerischen Ministerpräsidenten wohl bereiten muss, dass er zu Bundesratssitzungen und vom nächsten Jahr an als Nachfolger von CSU-Chef Horst Seehofer auch zu Koalitionsrunden nach Berlin fahren muss, offenbart der 51-Jährige am Donnerstag in einer launigen Rede auf festem bayerischen Grund.

«Wir fahren wirklich wahnsinnig gerne nach Berlin», bekennt Söder ironisch bei der Feier zum 20-jährigen Bestehen der Bayerischen Landesvertretung in Berlin. «Aber das Schönste ist, wenn man dann nach erfolgreichen und spannenden Tagen in Berlin es wieder in Richtung Bayern verlässt.» Selbst wenn man an der bayerischen Grenze irgendwo ein Bayernschild nur vermute, «dann löst das irgendwelche inneren Verspannungen sofort auf», sagt der Bayer.

Das komme von einem starken Bindungs- und Heimatgefühl, versucht Söder die Malaise zu erklären. Selbst wenn man in Berlin die Bayerische Landesvertretung betrete, fühle man «ein bisschen, dass Deine Seele leichter wird».

Bei aller Diskussion über Löwen und Bären - die Wappentiere von Bayern und Berlin: Söder warnt dann noch, man müsse aufpassen, «dass uns nicht andere Raubtiere in die Quere kommen». Den Parteien stehe 2019 eine große Aufgabe bevor, sagt er angesichts der Proteste in Frankreich und des Brexit-Wirbels in Großbritannien. Ende Mai bei der Europawahl etwa sei man in einer historischen Situation. Es gehe darum, ob Europa handlungsfähig und eine Adresse in der Welt bleibe. Bei allen Einzelinteressen müsse immer der Blick für das große Ganze bewahrt werden, mahnt ein nachdenklicher Söder. «Ego-First allein» könne kein Konzept in der vernetzten Welt sein. (dpa)