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Waldbrand bei Jüterbog (Foto: Julian Stähle/dpa-Zentralbild/d)

«Wollen es nicht mehr ertragen» - Jüterbog leidet unter Waldbränden

Der Leidensdruck wird immer größer. Jedes Jahr aufs Neue brennt der Wald bei Jüterbog südlich von Potsdam. Die Flammen lösen eine Kettenreaktion aus: alte Munition entzündet sich und setzt weitere Waldflächen in Brand. Die Gefahr lauert im Boden. «Die Dimension ist kaum vorstellbar. Wir können das nicht mehr tragen und wollen es nicht mehr ertragen», sagt Arne Raue, Bürgermeister der Stadt Jüterbog mit rund 12 000 Einwohnern (Teltow-Fläming).

Für Lothar Schwarz, Einsatzleiter der Feuerwehr, wird es nicht der letzte Waldbrand gewesen sein, das weiß er mit Sicherheit. Er geht im kommenden Jahr zwar in den Ruhestand, doch bis dahin wird seiner Ansicht nach auf dem riesigen ehemaligen Truppenübungsplatz südlich von Berlin immer wieder der Wald brennen. «Die Gefahr ist nach wie vor groß», sagt der erfahrene 64-jährige Feuerwehrmann.

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Waldbrand bei Jüterbog (Foto: Ralf Hirschberger/dpa)

Der ehemalige Truppenübungsplatz von etwa 9000 Hektar wurde von 1864 bis 1992 militärisch genutzt: Während der Kaiserzeit, im Ersten und Zweiten Weltkrieg, zu DDR-Zeiten bis zur Gegenwart wurde Munition aller Art abgefeuert. Blindgänger blieben einfach liegen, alte Kampfmittel bilden mittlerweile eine dicke Schicht im Erdboden. In den vergangenen Jahrzehnten verrotteten sie und wurden damit unberechenbar. Betreten des Geländes ist undenkbar und könnte tödlich enden. Warnschilder weisen darauf hin.

Schwarz hat bei seinem jüngsten Einsatz in diesem Jahr zwar noch keine Detonationen gehört. Aber er weiß, es kann jeden Moment etwas passieren. Die Gefahr sei immer gegenwärtig. Löscharbeiten seien nur außen vom Waldrand möglich, sagt er. «Auch Hubschrauberpiloten wissen um die Gefahr, wenn etwas hochgeht.»

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Waldbrand bei Jüterbog (Foto: Julian Stähle/dpa-Zentralbild/d)

Das Wegräumen der Munition, dessen Menge nicht bekannt ist, ist aus Kostengründen schwer möglich. Die Heinz Sielmann Stiftung hat beispielsweise in den Sielmann Naturlandschaften Döberitzer Heide vor den Toren Berlins - ebenfalls einst ein Truppenübungsplatz - in den vergangenen Jahren rund 55 Kilometer Wanderwege von Munition geräumt. Die Kosten lagen nach Angaben der Stiftung zwischen 4 und 8 Euro je Quadratmeter.

Jüterbogs parteiloser Bürgermeister Raue sieht in erster Linie den Bund in der Pflicht, für die Beseitigung der Munition zu sorgen. «Er muss auch die Kosten tragen», betont er. Nach seiner Kenntnis sei auf dem Gelände TNT-Sprengstoff zu finden sowie Munition, die auf U-Booten und Flugzeugen getestet wurde. «In allen Größenordnungen», sagt er. Vor einigen Jahren seien Sprengkörper in die Luft gegangen, dass habe man in ganz Jüterbog gespürt.

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Waldbrand bei Jüterbog (Foto: Ralf Hirschberger/dpa)

Bei seinem Amtsantritt vor acht Jahren habe er seinen Feuerwehrleuten untersagt, zum Löschen von Bränden in das Gelände zu gehen. «An der Gefahrenzone hat sich bis heute nichts geändert.» Für eine kleine Kommune sei es schwer, die bei der Brandbekämpfung erforderlichen Mittel bereit zustellen.

1990 gab es in Brandenburg Truppenübungsplätze auf rund 230 000 Hektar. Bis 1994 räumte die Westgruppe der Truppen der Sowjetarmee ihre Areale: mit umfangreichen militärischen Altlasten verseucht. 1994 übertrug der Bund dem Land unentgeltlich rund 93 000 Hektar ehemalige Russen-Flächen. Vielfach entwickelten sich ganz eigene Naturlandschaften - immer mit dem brisanten Erbe im Boden.

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Waldbrand bei Jüterbog (Foto: Julian Stähle/dpa-Zentralbild/d)

Besonders gefährlich ist aus Sicht des Waldbrandschutzbeauftragten Raimund Engel, dass sich an einigen Munitionsresten - sogenannte Leuchtspurgeschosse - Phosphor befindet. Das chemische Element könne sich bei Temperaturen ab 20 Grad und Wind selbst entzünden. «Da braucht es kein weiteres Zutun», sagt er. Es entstehe eine Stichflamme, als wenn zwei Streichhölzer gleichzeitig entzündet werden. Auf trockenem Boden breite sich der Brand dann schnell aus.

Raue befürchtet, dass auch seine Enkel noch mit dem Erbe leben müssen. «Erst wenn konsequent die Munition beräumt wurde, kann der ehemalige Truppenübungsplatz gefahrlos betreten werden.» (dpa)

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