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Schüler-Warnwesten (Foto: Dirk Dehmel/Autodoc/dpa)

Senat prüft Vorwürfe gegen Sponsor

Die frisch eingeschulten Berliner Erstklässler müssen auf ihre versprochenen kostenlosen Warnwesten für den Schulweg noch etwas warten. Der Senat prüft derzeit, ob an Vorwürfen gegen den Sponsor der orangefarbenen Westen etwas dran ist. Das sagte ein Sprecher von Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Dienstag. Wann ein Ergebnis der Prüfung vorliege, sei noch unklar.

Bei den Vorwürfen geht es um die Firma Autodoc, ein großes Berliner Internetgeschäft für Auto-Ersatzteile. Werbung von Autodoc soll auf schwedischen Internetseiten, die rechtsextremen Inhalten nahe standen, zu sehen gewesen sein. Das war am Montag durch einen Artikel der «New York Times» über Rechtsextremisten in Schweden und den Einfluss aus Russland bekannt geworden. In dem Text werden als mögliche Beispiele auch Autodoc und die russischstämmigen Firmenbesitzer angeführt.

Schulsenatorin Scheeres hatte am Freitag an der symbolischen Übergabe erster Westen mit Werbeaufdruck in einer Schule in Berlin-Lichtenberg durch die Firmenbesitzer teilgenommen. Am Dienstagnachmittag wurde noch eine Stellungnahme der Senatorin erwartet.

Autodoc betonte am Dienstag, man habe mit Rechtsextremismus, Rassismus und Ausländerfeindlichkeit nichts zu tun und distanziere sich vehement davon. Dem Senat habe man am Montag eine umfangreiche Stellungnahme geschickt und hoffe, dass sich die Vorwürfe jetzt aufklären würden.

Die kritisierten Anzeigen seien tatsächlich 2017 auf sechs schwedischen Internetseiten erschienen, sagte Sprecher Thomas Casper. Insgesamt schalte Autodoc Anzeigen auf 20 000 Internetseiten in 26 europäischen Ländern, allein auf 400 schwedischen Seiten. Dafür würden Firmen beauftragt. «Welche Seiten genau genutzt werden, bleibt dabei das Geschäftsgeheimnis der Dienstleister. Solche externen Dienstleister haben ohne Kenntnis von Autodoc auch die Bannerwerbung auf den genannten sechs schwedischen Portalen geschaltet.»

Man habe 2017 durch einen Bericht einer schwedischen Zeitung davon erfahren und die Anzeigen sofort gestoppt und dafür gesorgt, dass sich das nicht wiederhole, sagte Casper. Das gleiche gelte auch für nicht sichtbare Inhalte und Links auf den Internetseiten von Autodoc. Diese würden wie von anderen Firmen auch genutzt, um bei Suchmaschinen wie Google weiter oben platziert zu werden. «Diese Inhalte wurden automatisch von anderen Seiten übernommen.» Erst durch den aktuellen Artikel habe man erfahren, dass darunter auch zweifelhafte Inhalte waren. Sie seien sofort gelöscht worden.

Die 34 000 Warnwesten liegen derzeit noch in einem Lager von Autodoc. Sie sollten an die Senatsschulverwaltung geliefert werden. Von dort sollten sie an die Bezirke und schließlich an die mehr als 400 Grundschulen gelangen. (dpa)