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Drama über eine junge Witwe, die mit ihrem Buchladen die spießige Borniertheit einer englischen Kleinstadt aufmischt

Die Bewertung von Hans-Ulrich Pönack
Ein Arthaus-Hit für angenehme stille Stunden
Richtig gut

Der Buchladen der Florence Green

Genre: Drama
Produktion: Spanien, Großbritannien, Deutschland 2017
Laufzeit: 109 Minuten
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
Regie: Isabel Coixet
Darsteller: Emily Mortimer, Bill Nighy, Patricia Clarkson...

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VÖ:
14. September 2018

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Der Buchladen der Florence Green

Zum Film:

Florence Green (Emily Mortimer) hat früh ihren Mann verloren, doch ihre gemeinsame Liebe zu Büchern aller Art lässt sie nicht los. Sie investiert ihr gesamtes Vermögen in die Verwirklichung ihres Traums von einem eigenen Buchladen – ausgerechnet im verträumten englischen Hardborough am Ende der 50er-Jahre, wo die Arbeiter dem Bücherlesen skeptisch gegenüberstehen und die Aristokratie energisch vorgibt, was Hochkultur ist und was nicht.

Doch trotz der Widerstände hat sie Erfolg und rasch finden auch progressive, polarisierende Werke wie Nabokovs Lolita oder Bradburys Fahrenheit 451 bei den Dorfbewohnern Anklang. Vor allem der seit Langem zurückgezogen lebende Edmund Brundish (Bill Nighy) findet Gefallen am neuen Buchladen und dessen Besitzerin.

Doch Florence Greens sanfte Kulturrevolution bleibt nicht unbemerkt: Die alteingesessene graue Eminenz Violet Gamart (Patricia Clarkson) befürchtet einen Kontrollverlust in ihrem Heimatdorf und steht den radikalen Veränderungen mit Argwohn gegenüber. Mit aller Macht versucht sie, Florence Green Steine in den Weg zu legen, und die beiden Frauen beginnen eine Auseinandersetzung über Moderne und Konvention... (AlIve AG)

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Foto: Der Buchladen der Florence Green (Capelight Pictures)

Hans-Ulrich Pönack über den Film

(...) die spanischen „Oscars“ heißen „Goyas“, und in diesem Jahr bekam dieser Film gleich 3 dieser Trophäen, und zwar in den besten Kategorien: Bester Film, Beste Regie und Bestes adaptiertes Drehbuch. Zudem wurde die Adaption des Romans „Die Buchhandlung“ von Penelope Fitzgerald auf der Frankfurter Buchmesse mit dem „Preis für die Beste internationale Literaturverfilmung 2017“ bedacht.

Mit den Kinofilmen der katalonischen Filmemacherin ISABEL COIXET ist das so eine Krux. „Learning To Drive – Fahrstunden fürs Leben“ war im August 2015 – mit Patricia Clarkson und Ben Kingsley in den Hauptrollen – eine feine Seelen-Bravur. Ihr Berlinale-Eröffnungsfilm von 2015 dagegen, Nobody Wants The Night“, war (wie so viele Berlinale-Startfilme) Grütze und ward danach nie mehr hierzulande gesehen. Jetzt hat sie einen – ganz – leisen feinen Volltreffer gelandet.

Hardborough im britischen Suffolk, Ende der 1950er Jahre. Die Kriegs-Witwe Florence Green (EMILY MORTIMER/“The Party“) beabsichtigt, in = an diesem einsamen Fleck etwas „Revolutionäres“ anzustellen: eine Buchhandlung zu eröffnen. Sie ist ebenso Literatur-verliebt wie zielorientiert. Doch mit „Literatur“ vermag die Gemeinde – bislang jedenfalls – nichts anzufangen. Der weibliche „Sheriff“ hier ist eine gewisse Lady Gamart (PATRICIA CLARKSON), die Aristokratin ist es gewohnt, dass „die Untergebenen“ nach ihrer Meinungs- bzw. Befehlspfeife tanzen. Das „Unterfangen Buchladen“ hält sie für „unvernünftig“. Und opponiert dagegen. Heftig. Will das Domizil von Florenvce „anderweitig“ kulturell „verwertet“ wissen. Doch Florence ist dickköpfig genug, dagegen-zu-halten. Zwei weibliche Alphas beginnen sich „anzuschnuppern“. Wobei die sensible, besonnene Florence in dem örtlichen Einsiedler, Mr. Brundish (BILL NIGHY/“Radio Rock Revolution“), einen neugierigen wie veritablen Unterstützer findet, dem es besonders die Romane von Ray Bradbury („Fahrenheit 451“) angetan haben. Erste bescheidene Interessenten-Erfolge aber bringt die dörfliche Chef-Lady auf die Wut-Palme. Mit Folgen.

Wer im Kino Krach und nochmal Krach sucht, bitte wegbleiben. Hier fliegen keine Helden oder Häuser oder Mutanten durch die Lüfte. Hier gibt es keine Explosionen. Hier geht es nur und ausschließlich ruhig zu. Dezent wie still-konfrontativ. Hier gilt es ständig, atmosphärische Gefühle einzuatmen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. „Der Buchladen der Florence Green“ ist ein ganz leiser, ganz stiller „Western“. Eine Böse hat das Herrschafts-Sagen in einer abgeschiedenen kleinen Gemeinde, eine Gute wehrt sich. Mit ihren klugen, einfühlsamen Mitteln. Eines – seitens der Diktatorin – unerwünschten Buchladens. Der kleinörtliche Spießer-Rest sieht meistens amüsiert oder egal zu.

Ein SCHAUSPIELER-Film. Ich sehe grundsätzliche jeden Film, in dem BILL NIGHY, 68, mitspielt. Dieser schlaksige 1 Meter 88-Typ vermag viel zu sagen ohne viel zu reden. Nighy ist seit vielen Jahren zuständig für den listig-ironischen britischen Arbeiter-Dandy, siehe etwa in dem Emotions-Klassiker „Tatsächlich… Liebe“ oder als Chef der Piratensender-Crew in dem Stimmungs-Hit „Radio Rock Revolution“. EMILY MORTIMER spielt ihre Buch-Liebhaberin nicht als Opfer-Ikone, sondern als gestandene Gefühls-Enthusiastin. PATRICIA CLARKSON (zuletzt in: „The Party“) hat als Macht-Haberin das hintergründig-gemeine, zynisch-fiese Dauer-Lächeln auf den Lippen.

„Der Buchladen der Florence Green“, mit schönen Landschaftsbildern garniert, ist ein Arthaus-Hit für angenehme stille Stunden.

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

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