Downsizing.jpg

Sci-Fi-Satire mit Matt Damon, der sich schrumpfen lässt, um ein besseres Leben zu führen

Die Bewertung von Hans-Ulrich Pönack
Der Film, macht den Eindruck, als wäre es besser gewesen, ihn auch bei Zeiten um einiges zu schrumpfen
Geht so

Downsizing

Genre: Komödie/Drama
Produktion: USA 2017
Laufzeit: 136 Minuten
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
Regie: Alexander Payne
Darsteller: Matt Damon, Christoph Waltz, Hong Chau, Kristen Wiig

Filmseite: https://paramount.de/downsizing#
VÖ:
31. Mai 2018

Pönis Filmkritik anhören:

Downsizing

Zum Film:

Die Ressourcen der Erde neigen sich dem Ende zu und der Planet platzt aus allen Nähten. Um das Problem der Überbevölkerung zu lösen, haben norwegische Wissenschaftler eine Methode entwickelt, mit der sie Menschen schrumpfen und somit ihre Bedürfnisse und ihren Konsum enorm verringern können. Ein 12 Zentimeter kleiner Mensch verbraucht schließlich weniger Wasser, Luft und Nahrung als ein großer.

In der Hoffnung auf ein glücklicheres und finanziell abgesichertes Leben in einer besseren Welt, entscheiden sich Durchschnittsbürger Paul Safranek (Matt Damon) und seine Frau Audrey (Kristen Wiig) ihr stressiges Leben in Omaha hinter sich zu lassen und ihr großes Glück in einer neuen „geschrumpften“ Gemeinde zusuchen. Eine Entscheidung, die ein lebensveränderndes Abenteuer bereithält… (Paramount Pictures)

Downsizing_Szene.jpg
Downsizing (Foto: Paramount Pictures)

Hans-Ulrich Pönack über den Film

(...) In den Filmen von Alexander Payne geht es oft um Männer mittleren Alters, die eine Art Bruchstelle in ihrem Leben feststellen und dadurch in existenzielle Krisen geraten, denen sie sich stellen müssen. Fast alle seine Arbeiten sind Dramen mit komödiantischen Elementen. Alexander Payne gehört zu den wenigen Künstlern, die das Recht für den „final cut“ an ihren Filmen besitzen.

In seinem achten Langspielfilm nimmt sich Payne eines derzeit „vielgefragten“ Themas an: Der „grobe“ Zustand des Planeten Erde und die Frage, wie dieser sich künftig verbessern kann. Dabei setzt er auf eine Idee, die schon öfters in der Filmgeschichte verwandt wurde: Menschen zu extrem kleinen Wesen schrumpfen zu lassen. In „Downsizing“ („Verkleinerung“) ist der Zustand der Erde besorgniserregend. Die Ressourcen schwinden, die Überbevölkerung nimmt ständig zu. Norwegischen Wissenschaftlern (darunter: ROLF LASSGARD als Dr. Jorgen Asbjornsen) ist es gelungen, ein Serum zu erfinden, durch das Menschen auf 12 Zentimeter Körpergröße schrumpfen. Die Transformation zum Däumling. Die Grund-Idee dazu: Weniger Verbrauch von Rohstoffen, weniger Anfall von Müll, die kleineren Menschen benötigen weniger Platz und verbrauchen weniger Energie. Hunger wäre eingeschränkt; Nutztiere wie Kühe wären ebenfalls „klein“. Fünf Jahre später wird diese Forschung der Gesellschaft freiwillig angeboten beziehungsweise für Interessenten praktisch umgesetzt. Und: Wer etwas – „vorher“ – auf die hohe Kante gelegt hat, hat jetzt dort ausgesorgt. Kann sich mit seinem Ersparten ein Luxus-Dasein als Mini-Mensch in der abgeschirmten Siedlung namens Leisureland leisten. Wie die Mittelstandsfamilie Paul & Audrey Safranek (MATT DAMON & KRISTEN WIIG), die mit ihren angesparten 150.000 Dollar dort Millionäre wären und ein Luxus-Leben führen könnten. Sie machen mit, jedoch kriegt Audrey vor der „Umgestaltung“ Muffenhausen und bleibt doch lieber im alten Gefüge. Als sie dies Paul mitteilt, ist dieser längst umgewandelt. Und muss nun sehen, wie er solo in seiner Feudal-Unterkunft und in diesem neuen Kosmos und „Realismus“ klar kommt.

Bis zur Filmhälfte ist dies ein Film zum Staunen, wunderbaren Viel-Denken, zum grandiosen Empfinden, mit verblüffenden Ideen und Situationen. Reizvoll und spannend, was weiter daraus „passiert“. Resultiert. Doch nach diesem langen faszinierenden – technischen – Aufbau verliert sich der atmosphärische Fiction-Film in einige kleine menschliche Einzelgeschichten, die nur angerissen, aber nicht, und schon gar nicht so originell wie zuvor in der Phase der „technischen Zubereitung“, pointiert ausgereizt werden. Dabei wären sie allesamt „einzeln“ erzählenswert. Ist zu empfinden. Irgendwie wird es jetzt normal-„irdisch“, sogar gewöhnlich, wenn CHRISTOPH WALTZ als Unterweltking Dusan hübsch-grinsend-verschmitzt auftaucht; mit seinem lächelnden Adlatus UDO KIER an der Seite, oder wenn Paul die unterschenkelamputierte vietnamesische Dissidentin Ngoc Lan (HONG CHAU) kennen- und lieben-lernt und über sie erfährt, dass auch im neuen „Paradies“ Armut und Hunger genau so existieren wie Slumgebiete. Viele thematisch-hochkarätige „Fleisch“-Details, die nur angestoßen werden, aber keine bedeutsame Stringenz ergeben. Schließlich soll eine Reise an den Mini-Ursprung in Norwegen die Endgültigkeit menschlicher Existenz klären. Es wird noch einmal bewegend.

Matt Damon, der nach „Suburbicon“ erneut in einen Charakterpart als „Otto Normalbürger“ schlüpft und seinem sonstigen Kino-Helden trotzt, wirkt nicht 100%ig. Erfüllt sozusagen die Star-Melange zuverlässig, ist aber mehr „staunend“ denn „aufregend“. Herausfordernd. Ist mit Routine-Bewegungen unterwegs. Große Gefühle sind so nicht „sein Ding“. CHRISTOPH WALTZ ist auch kaum mehr als eine freundliche Staffage mit provokantem Grinse-Charme; UDO KIER gibt den „Exoten“ Udo Kier, während die wirklich darstellerische Sensation die in den USA aufgewachsene Vietnamesin HONG CHAU ist als resolute gedankliche wie emotionale Fighterin. „Downsizing“, der Film, macht den Eindruck, als wäre es besser gewesen, ihn auch bei Zeiten um einiges zu schrumpfen, besser: zu beschränken, um ein noch stärkeres Filmgewicht und Drama-Pfund herauszubekommen. So nur: Mittelmaß-plus.

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

Downsizing.jpg