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Thriller um eine unerfahrene FBI-Agentin, die ihren ersten Mord aufklären muss

Die Bewertung von Hans-Ulrich Pönack
„WIND RIVER“ ist bemerkenswert-klug, großartig-spannend, tief bewegend
Richtig gut

Wind River

Genre: Thriller
Produktion: USA 2016
Laufzeit: 103 Minuten
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Regie: Taylor Sheridan
Darsteller: Jeremy Renner, Elizabeth Olsen, Graham Greene, Kelsey Asbille, Julia Jones, Jon Bernthal

Filmseite: www.universumfilm.de
VÖ:
8. Juni 2018

Pönis Filmkritik anhören:

Wind River

Zum Film:

In der schroffen Wildnis des Indianer-Reservats „Wind River“ findet US Wildlife Agent Cory Lambert die Leiche eines missbrauchten jungen Mädchens. Der Mord erinnert ihn an den Tod seiner eigenen Tochter. Zur Untersuchung des Falls schickt das FBI die frisch aus der Ausbildung kommende Agentin Jane Banner. Doch diese ist nicht auf die raue Witterung des vorherrschenden Winters und die damit einhergehende Isolation vorbereitet und engagiert Lambert als Fährtensucher und Führer, der ihr bei den Ermittlungen helfen soll.

Gemeinsam dringen sie tief in eine Gegend vor, die von latenter Gewalt und den Elementen geprägt ist. Während Jane gezwungen ist, sich von dem im Rahmen ihrer Ausbildung Gelernten zu lösen und mehr auf ihre Instinkte zu vertrauen, wird Cory mit lange verdrängten Emotionen konfrontiert, als sich ihm die Möglichkeit bietet, nicht nur diesen Mord, sondern auch das Verschwinden seiner Tochter aufzuklären... (Universum Film)

Hans-Ulrich Pönack über den Film

(...) „Dies ist das Land der Schafe“: Wir befinden uns in einer der kältesten Natur-Regionen der Welt: im verschneiten ländlichen Wyoming. Wo im Winter die Temperaturen schon mal auf minus 30 Grad und mehr fallen. Hier, im Indianer-Reservat, offiziell: „Wind River Indian Reservation“, zu leben, zu überleben, ist alles andere als gemütlich. Und selbstverständlich. Die junge Frau, die wir eingangs durch diese Landschaft „unangemessen“ bekleidet und auch noch barfuß hetzen sehen, hat keine Chance. Cory Lambert (JEREMY RENNER), der örtliche Jäger und Fallensteller (für zum Beispiel hungrige Pumas), findet ihre Leiche am nächsten Tag. Cory ist die junge Frau bekannt, Natalie Hanson (KELSEY ASBILE), sie ist die Tochter einer befreundeten Familie aus dem Reservat, und mit dem Fund ihrer Leiche kommen auch eigene schlimme Erinnerungen für den stoischen, wortkargen Fährtenleser auf, wurde doch seine eigene Tochter vor drei Jahren auf ähnliche Weise ermordet. Seitdem leben er und seine indianische Ehefrau getrennt. Cory, in seinem der Landschaft angepassten weißen Tarnanzug, sieht aus wie ein Teil dieser weißen Ödnis; und er ist auch ebenso kompromisslos, wenn es um die Jagd und den Schutz der Menschen hier geht. Obwohl kein Polizist, muss er fortan der ermittelnden jungen FBI-Frau Jane Banner (ELIZABETH OLSEN) helfen, denn sie ist hierfür weder kompetent noch erfahren. Man hat sie einfach aus dem 800 Meilen entfernten warmen Las Vegas, wo sie in Ausbildung ist, hierher delegiert, für diesen im „im Grunde unbedeutenden amtlichen Vorfall“. Um so mehr bedarf sie der konsequenten Unterstützung von Cory Lambert und des örtlichen Stammes-Polizeichefs Ben Shoyo (GRAHAM GREENE/“Der mit dem Wolf tanzt“). Während sich das Wetter rapide verschlechtert, beginnen die Ermittlungen. Die sich eigentlich als nicht sonderlich verzwickt erweisen, doch den Fall letztlich „rechtlich“ „zu klären“, wird eine Mords-Aufgabe.

Ein Schnee-Western mit Thriller-Geschmack und hausgemachten amerikanischen Interessen. Was anderswo, in einer „zivilisierteren“ Gegend, umfangreich wie sorgfältig (auf-)geklärt werden würde, müsste, stößt hier auf nur begrenztes amtliches Interesse. Unterschwelliges Motto: Die Interessen dieser „abgefuckten Loser“ in und aus den Reservaten verdienen keine respektvolle (Be-)Achtung. Diese Sauf- und Rauf-Gemeinschaft gehört an den letzten Aufmerksamkeits-Platz innerhalb unserer „America First“-Gesellschaft. Raunzt es aus jedem Bild, jeder Bewegung, aus jedem kühlen Satz. Irgendwie Verlorene machen sich auf die Spuren von Verlorenen. Die man hierher, in eine Niemandsland-Gegend, einfach so verfrachtet hat, ohne ihnen irgendwelche Perspektiven zu bieten. Was zwangsläufig zu einem gegensätzlichen „Paradies“ führt: Sozusagen Mensch gegen Mensch in der brutalen Gewalt-Schleife. Mit dem Nachspann-Fazit: „Es gibt Vermisstenstatistiken für alle Bevölkerungsgruppen mit Ausnahme von amerikanischen Ureinwohnerinnen. Niemand weiß, wie viele von ihnen vermisst werden“. Der „mit-fühlende“, unauffällig-auffällige Score von Nick Cave & Warren Ellis begleitet dies mit beeindruckenden Score-Klängen.

JEREMY RENNER bleibt als cooler Hund auf der rächenden Charles Bronson-Fährte; ELIZABETH OLSEN profiliert sich als profundes Team-Mitglied in diesem Kerle-Kosmos. Während Kamera-As BEN RICHARDSON visuell exquisit die eindrucksvolle, atmosphärische Landschaft in das spannende Nerven-Geschehen mit-einbindet; als emotionalen Naturalismus, der eindrucksvoll Wirkung zeigt. Existenzielle Denk- und Frage-Spuren provoziert: Wie überleben eigentlich Menschen in einem Land, das nicht für sie geschaffen ist und in dem sie/auf dem sie keine zivile Chance haben? „Ich bin müde, den Kampf des Lebens zu führen“, äußert sich einmal der Vater von Natalie, dem getöteten Mädchen.

„WIND RIVER“ ist bemerkenswert-klug, großartig-spannend, tief bewegend.

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

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