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Nach einer wahren Geschichte über einen Rodeoreiter, der nach einem Unfall in eine Lebens-Krise stürzt

Die Bewertung von Hans-Ulrich Pönack
"THE RIDER" gehört 2018 mit in die Jahres-Besten-Film-Liste
4 Pönis: Richtig gut

The Rider

Genre: Drama
Produktion: USA 2017
Laufzeit: 104 Minuten
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Regie: Chloé Zhao
Darsteller: Brady Jandreau, Tim Jandreau, Lilly Jandreau, Lane Scott

Filmseite: www.weltkino.de/the_rider
Kinostart:
21. Juni 2018

Pönis Filmkritik anhören:

The Rider

Zum Film:

Nach einem beinahe tödlichen Rodeo-Unfall muss sich der junge Cowboy Brady Blackburn mit der Tatsache abfinden, dass er nie wieder reiten kann, und stürzt in eine existentielle Identitätskrise: Immerhin definiert ihn nicht nur seine Umwelt, sondern vor allem auch er selbst als Sioux-Nachkomme sich vornehmlich über seine Arbeit mit Pferden.

Schwer wiegen der abschätzige Blick seines Vaters, der Abschied von seinen enttäuschten Fans und das Fehlen des einzigartigen Gefühls der Freiheit, das ihn auf dem Rücken eines Pferdes durchströmt... (Weltkino)

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Foto: The Rider (Weltkino)

Hans-Ulrich Pönack über den Film

(...) .) DIE Kinofilme, die Sie in diesem Jahr sehen MÜSSEN: "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"; "Shape of Water - Das Flüstern des Wassers"; "Wunder"; "Feinde - Hostiles" sowie jetzt auch: "THE RIDER".

Die in Peking geborene Amerikanerin CHLOÉ ZHAO, Jahrgang 1982, ist eine Ausnahme-Filmemacherin. Obwohl wir hierzulande nicht einmal ihren Debüt-Spielfilm kennen, nämlich die Independent-Produktion "Songs My Brothers Taught Me" von 2014 (über zwei Sioux-Geschwister im Indianerreservat Pine Ridge in South Dakota), die 2015 beim renommierten "Sundance Festival" und auch in einer Nebensektion beim Cannes-Festival lief. Ihr zweiter Spielfilm steht unter dem Motto: Totale Kino-MAGIE. Und betört in sagenhaft eindringliche Sinnes-Weise. "The Rider" ist ein Leinwand-Erlebnis, dessen phänomenale Bilder wunderschöne, einzigartige Maßstäbe setzen. "The Rider" ist eine Augen-Krönung.

Nachdem schon der Auftaktfilm von Chloé Zhao in den Badlands der indianischen Pine Ridge Reservation in South Dakota entstand, ist sie hier geblieben, an diesem staubigen Abseits-Ort jenseits von jedem "America first-Country", um eine poesievolle, ausdrucksstarke kinematografische Geschichte zu bebildern, die mit wahrhaftigen spannenden Menschen von hier zu tun hat. Im Blick- und Mittelpunkt: Eine mit fiktionalen Elementen durchsetzte Lebensbetrachtung einer hier ansässigen Familie, die sich selbst spielt. Denn als Chloé Zhao bei ihrem Erstling hier auf den jungen Cowboy und Rodeo-Reiter und "Pferdeflüsterer" BRADY JANDREAU stieß, der sich 2016 bei einem Reit-Unfall lebensgefährlich verletzte und nie wieder auf ein Pferd steigen soll, fand sie ihre Inspiration für ihren zweiten langen Spielfilm. BRADY JANDREAU spielt den 20jährigen Brady Blackburn, einen jungen Burschen, der sich vor allem über und durch seine Tätigkeit mit Pferden definiert. Als Nachkomme der Lakota-Sioux steckt in ihm eine besondere Verbindung zu den Tieren quasi im Blut. Nach einem Rodeo-Unfall kann und will er nicht akzeptieren, dass damit nun Schluss sein soll. Ein Job in der Mall wird zum geduldeten existenziellen Elend. Und zur festen Verabredung mit sich, bald doch wieder auf ein Pferd zu steigen. Geradezu rührend kümmert sich Brady um seine autistische Schwester Lilly (LILLY BLACKBURN), besucht seinen schwerstbehinderten Kumpel Lane, der nach einem Rodeo-Unfall im Rollstuhl sitzt (LANE SCOTT/im wahren Leben bei einem Autounfall verletzt) und Ansprache benötigt, während das Verhältnis mit seinem Vater (TIM JANDREAU) von vielen Dissonanzen geprägt ist.

Sehen, einnehmen, genießen. Das große Empfinden. Was Kamera-As JOSHUA JAMES RICHARDS auf die Leinwand zaubert, ist einzigartig und offensichtlich stark inspiriert von den Bildern seines Kollegen Nestor Almendros für den unvergessenen Terrence Malicks Klassiker "Tage des Himmels" von 1978; dermaßen elegische, sensible, atmosphärische sensible Stimmungsbilder gab es ewig nicht mehr in einem Lichtspielhaus einzuatmen. Da der ungemein überzeugende, einfühlsame, viel über seine stille Körpersprache argumentierende BRADY JANDREAU vormittags seiner regulären Arbeit als Trainer für Wildpferde nachging, fand der Dreh fast ausschließlich nachmittags und abends statt. Viele Aufnahmen entstanden deshalb während der Abenddämmerung. Auf künstliches Licht wurde weitgehend verzichtet: Das visuelle Ergebnis ist ein phänomenales Erlebnis. Nach dem Herzen greifend: "Dieser Film stiehlt die Herzen der Zuschauer" ("The Playlist"). "THE RIDER" ist "eine liebevolle Hommage und zugleich ein leiser Abgesang auf einen ganz persönlichen Wilden Westen" (aus "epd Film" / Juni 2018).

Letztlich: Diese, für Uns-Tier-Freunde, prachtvollen emotionalen Wahrnehmungen: Bei diesen intensiven "Begegnungen" zwischen dem Boy und "seinen" Pferden. Wie hier das Verständnis, das Einvernehmen, die Zuneigung zwischen Tier und Menschen beobachtet, geschildert, ausgedrückt, erzählt wird, ist eine ganz wunderbare, starke Seelen-(Ver-)Bindung. Geht unter die Haut. "THE RIDER", das Dreh-Team bestand übrigens lediglich aus fünf, zeitweise sogar nur aus vier Personen, gehört 2018 mit in die Jahres-Besten-Film-Liste(n).

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

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