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Thriller über den jungen DDR-Maler Kurt Barnert, der versucht seine dramatischen Erlebnisse in seinen Bildern zu verarbeiten

Die Bewertung von Hans-Ulrich Pönack
Der Film ist vortrefflich ambitioniert, eine spannende "Lektüre" über etliche deutsche Jahrzehnte!
4 Pönis: Richtig gut

Werk ohne Autor

Genre: Drama
Produktion: Deutschland/Italien 2018
Laufzeit: 188 Minuten
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Regie: Florian Henckel von Donnersmarck
Darsteller: Tom Schilling, Sebastian Koch, Paula Beer...

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Kinostart:
3. Oktober 2018

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Werk ohne Autor

Zum Film

Inspiriert von wahren Begebenheiten und vor dem Hintergrund eines gespaltenen Deutschlands, das sich nach dem Weltkrieg wieder finden muss, erzählt WERK OHNE AUTOR über drei Epochen deutscher Geschichte von den dramatischen Lebenslinien des Künstlers Kurt (Tom Schilling), seiner leidenschaftlichen Liebe zu Elisabeth (Paula Beer) und dem folgenschweren Verhältnis zu seinem undurchsichtigen Schwiegervater Professor Seeband (Sebastian Koch), dessen wahre Schuld an den verhängnisvollen Ereignissen in Kurts Leben letztlich in seiner Kunst und seinen Bildern ans Licht kommt… (The Walt Disney Company)

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Foto: Werk ohne Autor (The Walt Disney Company)

Hans-Ulrich Pönack über den Film:

(...) „WERK OHNE AUTOR“ ist eine historische, personelle, emotionale wie umfangreiche Achterbahnfahrt durch drei Episoden deutscher Geschichte, vergleichbar mit dem Wahnsinn und der Tragik des 20. Jahrhunderts, angelegt an drei Schicksale. Motto: Der Künstler und seine lange Suche nach seinem künstlerischen Ich (TOM SCHILLING („Oh Boy“)); der düstere, macht-besessene Arzt und Faschist, pedantischer Verbrecher-Herr über Leben und Tod (SEBASTIAN KOCH“/“Das Leben der Anderen“), und seine Tochter und liebende Künstler-Frau (PAULA BEER („Frantz“)), die von ihrem Vater eigenhändig sterilisiert wird, damit kein neues „unwertes Leben“ entstehen soll. Individual-Schicksale im „Ausmaße“ der deutschen Geschichte. Der Gerhard Richter im Film heißt Kurt Banert, durchlebt drei Staatssysteme, ist als sprachlicher Zauderer eher der staunende Chronist und vermag schließlich seine Wahrheit in seiner Kunst zu finden: „Meine Bilder sind klüger als ich“. Und diese „entdeckt“ er schließlich in sich, in der Konfrontation mit seinen persönlichen, traumatischen Erinnerungen. „Nicht wegsehen. Nicht wegsehen!“ lauteten schließlich die letzten Worte seiner geliebten Tante Elisabeth (SASKIA ROSENDAHL), bevor sie ins Nazi-Irrenhaus verschleppt und später vergast wird. Im DDR-System muss sich Kurt Banert für ideologische Wandmalereien hergeben, um nach der Flucht in die BRD dann in Düsseldorf auf seinen Mentor zu treffen: dem Joseph Beuys nachempfundenen Professor Antonius van Verten (OLIVER MASUCCI).

Ein gewaltiges Stück Erzähl- und Bilder-Kino. Sich fiktional ausbreitend, um offen sein zu können für Kino-wichtige Dramatik, Melancholie, Humor und Tragik. UND: Drei Stunden mitnehmende, großartige Ensemble-Wirkung. Ob im Kleinen wie eingangs von Lars Eidinger als Nazi-Wort-besoffener Führer durch die Dresdener Ausstellung „Entartete Kunst“ von 1937 oder eben mit den überragenden drei Rampen-Giganten: TOM SCHILLING, seit „Oh Boy“ (2012) und „Who Am I – Kein System ist sicher“ (2014) auf einem riesigen Karriere-Sprung, als mühevoller sensibler Eroberer seiner lange verborgenen Kunst, als Kurt Banert ein ungemein faszinierender, sensibler Charakter; SEBASTIAN KOCH als großartig-elender, aalglatter, listig-gruseliger, charismatischer, seelenlos-arroganter Nazi-Entscheider Carl Seeband oder PAULA BEER als Ellie Seeband, die charmante, emanzipierte (Ehe-)Frau mit dem großen Herzen und gepeinigte Tochter eines väterlichen Nazi-Bastards. Während der „lebendige“ Score von MAX RICHTER („Waltz With Bashir“), bisweilen mit übermächtigem Orchester-Pathos, laut und angenehm-vernehmlich mit-erzählt.

188 Minuten und? Kein bisschen zu viel. „WERK OHNE AUTOR“, der leider erst dritte Kinospielfilm des 45-jährigen Florian Henckel von Donnersmarck, ist vortrefflich wie enorm ambitioniert, vermag sehr viel spannend-„umfangreicher“, packender zu zeigen und zu denken, also zu unterhalten als so viele, viele andere deutsche Gestern-Heute-Kinospielfilme; wirkt wie einer dieser besseren alten langen Hollywood-Werke, in denen nahegehende Geschichten von hervorragendem Personal brillant und emotional ansprechend ERZÄHLT wurden. Hoffentlich dauert es nicht wieder 8 Jahre, bevor der nächste Streich dieses außergewöhnlichen, hochinteressanten deutschen Filmemachers/Filmkünstlers im Kino erscheint.

Übrigens: „WERK OHNE AUTOR“ vertritt das Filmland Deutschland für die nächsten Auslands-„Oscar“-Nominierungen. Donnersmarck kann also auf seinen zweiten „Oscar“ hoffen.

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

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