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WM 2018 - Ankunft Nationalmannschaft (Foto: Ina Fassbender/dpa)

Flucht in den Urlaub - Angezählter Löw hinterlässt viele Fragen

Weg, einfach nur weg aus Russland und der vom ersten Tag an bei Joachim Löw und seinen abgestürzten Stars so ungeliebten «Sportschule» in Watutiniki. Fast fluchtartig verließen die historischen deutschen Verlierer nach dem größten anzunehmenden WM-Unfall das Stammquartier vor den Toren Moskaus im offiziellen Teambus, auf dem das entlarvende Motto prangte: «Zusammen. Geschichte schreiben.» Zusammen lief bei dieser Weltmeisterschaft gar nichts.

Und die Geschichtsschreibung sollte die erste erfolgreiche deutsche Titelverteidigung sein. Das ambitionierte Projekt endete mit dem ersten Vorrunden-Aus, für das der Bundestrainer nach dem 0:2 gegen Südkorea die «Verantwortung» übernahm. Und mehr? Gibt Löw auf?

Das ist die zentrale Frage, ob der Weltmeistercoach von 2014 es sich noch zutraut und auch der Richtige sein könnte, um nach dem Totalschaden des deutschen Fußballs den Neuaufbau mit den hungrigen Confed-Cup-Siegern anzugehen. Vor dem Start der DFB-Sondermaschine nach Frankfurt sagte Präsident Reinhard Grindel der Deutschen Presse-Agentur: «Ich habe gestern Abend auf dem Rückflug mit Jogi Löw gesprochen. Wir sind so verblieben, dass wir in den nächsten Tagen besprechen, wie es weitergeht.» Einen Schnellschuss gibt es nicht.

In Zivilkleidung traten Manuel Neuer und seine 22 WM-Kollegen den erzwungen Frühstart in den Sommerurlaub an. Löw kam mit düsterem Blick alleine ans Gate, ging wortlos in den «Mannschaftsflieger» der Lufthansa. Einige Spieler wie Toni Kroos wurden von ihren Familien begleitet. Sind nach zwölf Jahren Löw womöglich neue Impulse auf dem Chefposten nötig? Nur Heldendämmerung einer goldenen Generation?

Oder auch Götterdämmerung? Ein «geschockter» Löw hatte sich noch in Kasan nach seiner größten Niederlage als Trainer Bedenkzeit erbeten, wie stets nach Turnieren. Diese endeten bislang frühestes nach dem Halbfinale. «Wie es jetzt weitergeht - da muss man mal in Ruhe darüber reden. Für mich ist das jetzt noch ein bisschen zu früh», sagte der 58-Jährige. Er müsse sich erstmal «sammeln».

Löw wird sich auch selbst hinterfragen - erstmal könnte nur er allein sich entlassen. «Wir sollten ihm Zeit lassen», sagte Teammanager Oliver Bierhoff, der tippte: «Ich gehe davon aus, dass er im September die Sache angeht.» Der DFB hätte keinen sofortigen Plan B zu Löw. Eine populäre Alternative wie Jürgen Klopp müsste beim FC Liverpool losgeeist werden, Thomas Tuchel fängt in diesen Tagen seinen neuen Top-Job bei Paris Saint-Germain an.

Grindel nahm sich zunächst aus der unmittelbaren Verantwortung. Er erwartet Antworten von Bierhoff und Löw. «Es ist nicht Aufgabe des Präsidenten, das Aus zu analysieren. Da würde ich mich überheben», sagte der DFB-Boss: «Dafür haben wir die sportliche Leitung. Die werden uns das erklären müssen und dann werden wir Konsequenzen ziehen.»

Bierhoff will «alles hinterfragen». Trainer- und Betreuerstab, Spieler, aber auch er selbst als Überbau des Gesamtgefüges zusammen mit dem langjährigen Wegbegleiter Löw gehört hinterfragt. Die Ausrichtung des Nationalteams, PR-Strategien («Best never rest»), die Quartierwahl, das öffentliche Auftreten und der fragwürdige Umgang mit der Özil-Gündogan-Erdogan-Affäre verlangen nach einer kritischen Aufarbeitung. «Es werden mehrere Punkte sein, die man zusammentragen muss, ohne dass man alles über den Haufen schmeißt oder infrage stellt», meinte Bierhoff. Erst einmal müssen sich alle aus der Schockstarre befreien. «Wir alle fallen in ein Riesenloch, in eine Leere, in einen Frust», gestand der 50 Jahre alte Manager. (dpa)


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