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Ungewöhnliches Vater-Sohn-Drama

Die Bewertung von Hans-Ulrich Pönack
Düster-menschelnde Thriller-Geschichte, clever durchdacht, emotional stimmig!
4 Pönis: Richtig gut

Atlas

Genre: Drama
Produktion: Deutschland 2018
Laufzeit: 100 Minuten
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Regie: David Nawrath
Darsteller: Rainer Bock, Albrecht Schuch, Thorsten Merten

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Kinostart:
25. April 2019

Pönis Filmkritik anhören:

Atlas

Zum Film:

Walter ist ein in die Jahre gekommener ehemaliger Gewichtheber. Mittlerweile arbeitet er als Möbelpacker. Eines Tages soll er eine Wohnung räumen - und Walter glaubt, in dem jungen Familienvater seinen eigenen Sohn zu erkennen, den er vor Jahren im Stich gelassen hat.

Es beginnt eine vorsichtige Annäherung und Walter versucht, die junge Familie aus der Gefahr zu retten. «Atlas» ist das Kinodebüt von Regisseur David Nawrath. Er legt hiermit eine ungewöhnliche Vater-Sohn-Geschichte vor, die sich unter dem Druck einer Entmietung verdichtet. Für das Drehbuch bekamen Nawrath und sein Co-Autor Paul Salisbury den Emder Drehbuchpreis, eine Nominierung für den Deutschen Drehbuchpreis sowie eine Nominierung für das Beste Drehbuch beim Deutschen Filmpreis 2019. (dpa)

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Atlas

Hans-Ulrich Pönack über den Film:

(...) In der griechischen Mythologie hat Titan ATLAS als Strafe das Himmelsgewölbe, den Globus, auf seinen Schultern zu tragen. Walter, der verschlossene, meist eher schweigsame ehemalige Gewichtheber, hat sich schon längst daran gewöhnt, schwere Lasten zu tragen und Last stoisch auszuhalten. Walter arbeitet seit vielen Jahren für Roland (auch so ein geschätztes deutsches Immer-Wieder-Nebendarsteller-Face: UWE PREUSS), dem Chef einer Frankfurt-Main-Firma, die sich auf die "robuste" Zwangsräumung von Altbauwohnungen spezialisiert hat. Als Gerichtsvollzieher ist ihm, auch schon eine lange Zeit, Alfred zu Diensten (= ein weiteres, sehr bekanntes, hervorragendes Nebendarsteller-As: THORSTEN MERTEN). Man ist ein verschworenes Team, das diese schäbige wie legale Arbeit routiniert verrichtet. Doch dann kriegt der Job einen üblen Beigeschmack. Boss Roland ist "gierig" geworden. Hat sich mit einem arabischen Clan zusammengetan. Bekommt von dort deren schmutziges Geld "zum Waschen". Indem er mit deren Money billig einen Altbau kauft, ihn "vehement" entmietet, um ihn dann für das Dreifache zu verscherbeln. So dass der Clan danach, mit seinem profitablen Anteil, eine nunmehr "saubere" Rendite erwirtschaftet hat. Bisher lief alles paletti, doch nun weigert sich in einer Immobilie eine Familie, diese praktische Gentrifizierung mitzumachen, also gegen eine Abfindung auszuziehen. Dabei handelt es sich um Jan (ALBRECHT SCHUCH) mit Ehefrau und kleinem Jungen. Selbst unverhüllte Drohungen helfen nicht. Es wird kriminell. Auch und vor allem bei bislang so in sich ruhenden Walter, der in Jan seinen vor 30 Jahren "aufgegebenen" Sohn entdeckt und es sich fortan zur Aufgabe macht, ohne seine Identität preiszugeben, Jan & Familie zu helfen. Was ihn - natürlich - in Konflikt mit seinem Gewissen und seiner Firma bringt. Denn dort hat der Clan inzwischen einen "Aufpasser" installiert, Moussa (ROMAN KANONIK), der für eine sehr viel härtere Gangart gegenüber Jan und seiner Familie plädiert. Was Walter endgültig aus seiner Reserve lockt.

Ein deutscher Film. Ganz ohne Adolf Hitler und Speed-Dating. Sondern mit sehr viel Realitätsgeschmack. Als politischer Genre- wie privater Spannungsfilm. Sowohl als hervorragend-funktionierender Gentrifizierungs- beziehungsweise Zivilcourage-Thriller wie auch als packend-diskretes Vater-Sohn-Drama. Mit viel atmosphärischer Berserker-Wut geladen = auftrumpfend: Selten ein so exzellent aufeinander abgestimmtes, passendes Ensemble erlebt. Mit enormer Charakterstärke wie überzeugender, aber eben nicht blinder Wut-Stärke. Und ohne simple Anklage daher-kommend wie etwa: Warum-dürfen-solche-Machenschaften-bei uns-Sein?-Attacken. Das, was brutal gezeigt wird, spricht alleine und ohne ideologische Ausrufungszeichen entsetzliche Bände. Diese düster-menschelnde Thriller-Geschichte ist ebenso clever durchdacht wie insgesamt emotional stimmig.

Mit eben jenem RAINER BOCK an der schmutzigen Rampe, der diesen erstaunlichen, großartigen Film wahrlich auf seinen Schultern trägt und dabei grandios begeistert. Großes Kompliment diesem Autoren-Regie-Talent DAVID NAWRATH; fortan kein Unbekannter mehr.

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

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