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Das große Finale des Marvel-Spektakels

Die Bewertung von Hans-Ulrich Pönack
Ein Superhelden-Familientreffen!
4 Pönis: Richtig gut

Avengers: Endgame

Genre: Action
Produktion: USA 2019
Laufzeit: 182 Minuten
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Regie: Anthony Russo und Joe Russo
Darsteller: Robert Downey Jr., Mark Ruffalo, Scarlett Johansson

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Kinostart:
25. April 2019

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Avengers: Endgame

Zum Film:

Das Ende des vorigen «Avengers»-Films, gestartet im Frühjahr 2018 («Infinity War»), dürfte manch einem Fan der Reihe noch in den Knochen stecken: Bösewicht Thanos hatte da mal eben die Hälfte des Universums ausgelöscht. Auch ein Teil des Superhelden-Teams der Avengers musste dran glauben. Nun rüsten sich die verbliebenen Avengers für eine allerletzte Schlacht, das große «Endgame».

Mehr als drei Stunden lang soll dieses, von Comic-Anhängern aus aller Welt herbeigesehnte Finale sein. Mit dabei wieder altbewährte Figuren wie Iron Man, Black Widow, Ant-Man. Und: Der große, im vergangenen Herbst gestorbene Comicfiguren-Erfinder Stan Lee soll hier in seinem letzten Gastauftritt zu sehen sein. (dpa)

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Avengers 4: Endgame (Foto: -/Marvel Studios/Walt Disney Ger)

Hans-Ulrich Pönack über den Film:

(...) An dieser Stelle gilt es vom "oberflächlichen" Inhalt Abstand zu nehmen. Aus verschiedenen Gründen. Zum einen verdirbt weiteres Vorwissen jeglichen Seh-Spaß. Zum anderen ist es wichtig zu verstehen, dass dieser Film anders arbeitet. Völlig anders funktioniert. Er folgt keiner stringenten Handlung und setzt nicht auf das gewohnte Hochpeitschen von Action oder Spezialeffekten. Der Anfang vom Ende ist leise. Melancholisch. Und selbst die späte, epische Schlacht zwischen Gut und Böse, die habituell das Kino der Sensationen bedient, bleibt als Spektakel zweitrangig. Nahezu belanglos, neben dem eigentlichem Erzählmotor: der gefühlsbeladenen Bindung zwischen den MARVEL-Figuren untereinander - und der des Publikums zu ihnen. Die „inhaltliche“ Reise in die Vergangenheit, welche die AVENGERS antreten müssen, wird zu einer wahrhaftigen Rückkehr in die MARVEL-Filmgeschichte. Wie ein Treffen zwischen Freunden, die gemeinsam durch Fotoalben blättern und so nostalgisch in Erinnerungen schwelgen. Diese Navigation durch die Historie des MCUs gelingt den Regie-Brüdern Russo eindrucksvoll-sensible und selbst-ironisch-witzig. Unvorhersehbar führen sie durch 11 Jahre Memoiren, in 3 Stunden Spielzeit, die ebenso wie ein gutes Gespräch schnell verfliegen. In einer Art Kino-Sitzkreis, in dem Berühmtheiten wie Robert Downey Jr., Chris Evans, Josh Brolin, Michael Douglas, Michelle Pfeiffer, Chris Pratt, Robert Redford, Benedict Cumberbatch oder Scarlett Johansson zu respektvollen „Marionetten“ werden für einen Comic-Puppenspieler, dessen Kreativität, dessen Träume, dessen Ideen, dessen Helden so viele Generationen beeinflussten: MARVEL-Vater Stan Lee.

Was soll über die Ausstattung, die Effekte, den Humor, die Unterhaltung, den Sinn oder die Leistung der Darsteller nach 21 Filmen noch geschrieben werden? Alles wurde bereits gesagt. Ist bekannt. Wurde in zig Kritiken analysiert, zerlegt oder gefeiert. Jetzt, in den letzten Zügen, geht es rein um: E m o t i o n e n. Festgehalten in Trent Opalochs Bildern und Alan Silvestris Musik. Den Ausgang der Geschichte kann man erahnen; die Opfer, die hierfür gefordert werden, nicht. Nach ihnen wird sich MARVEL in Phase 4 um-positionieren, neu-finden müssen. So wie es aussieht treten zunehmend taffe Mädels und afro-amerikanische Vorbilder modern das Erbe an. Gut so. Doch bis dahin genießen wir die letzten Minuten mit der alten Garde. Denn auch d a s kann Kino mal sein: purer Genuss.

AVENGERS: ENDGAME besitzt bestimmt kleinere Schwachstellen über die man stundenlang Erbsen zählen könnte, aber vor allem liefert er: wehmütig-stille Zeilen eines bitter-süßen Abschiedsbriefes, den lieb-gewonnene Personen wortwörtlich unterzeichnen. Ein tränenreiches „Goodbye“ von realen Pionieren, fantastischen Figuren und spaßigen Abenteuern, die viele von uns beim Groß-Werden begleiteten. Nun wird es Zeit erwachsen zu werden. Nicht nur für SPIDER-MAN, der wohl noch dieses Jahr mit FAR FROM HOME die ersten Zukunftsweichen stellen wird... mit einem Herz aus Stahl.

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

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