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Blinded By The Light

Teenager schöpft durch die Musik von Bruce Springsteen Mut, seine Träume zu verwirklichen.

Die Bewertung von Hans-Ulrich Pönack
Der Film ist Empathie-pur und macht viel guten Sinn!
4 Pönis: Richtig gut

Blinded By the Light

Genre: Drama/Musikfilm
Produktion: Großbritannien 2019
Laufzeit: 117 Minuten
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Regie: Gurinder Chadha
Darsteller: Viveik Kalra, Kulvinder Ghir, Aaron Phagura, Nell Williams

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Kinostart:
22. August 2019

Pönis Filmkritik anhören:

Blinded By the Light

Zum Film:

Der Alltag des pakistanisch-stämmigen Teenagers Javed (Viveik Kalra) in der britischen Vorstadt Luton ist in den späten 80er Jahren geprägt von Perspektivlosigkeit, Rassismus und seinem Konflikt mit dem strengen Vater (Kulvinder Ghir).

Der verbietet nämlich Partys und Mädchen, und er hält gar nichts davon, dass sein Sohn von einer Karriere als Schriftsteller träumt. Als Javeds Freund Roops (Aaron Phagura) ihm zwei Bruce-Springsteen-Kassetten mitgibt, öffnet sich für den Teenager eine völlig neue Welt.

Die Musik vom «Boss» motiviert ihn, endlich seine Träume zu verwirklichen. Regisseurin Gurinder Chadha («Kick It Like Beckham») drehte den charmanten Gute-Laune-Film, der auf der wahren Geschichte des britischen Journalisten Sarfraz Manzoor beruht und mit seinem mitreißenden Soundtrack voller Springsteen- und 80er-Hits begeistert. (dpa)

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Blinded By the Light (Foto: Nick Wall/Warner Bros. Entertain)

Hans-Ulrich Pönack über den Film:

(...) 1987. In Britannien regiert Margaret Thatcher mit eiserner (Sozial-)Hand. Javed (VIVEIK KALRA) kam mit seiner Familie einst nach Großbritannien, ist jetzt 16 und lebt in der Kleinstadt Luton, nördlich von London. Es sind schwierige Zeiten für ihn. Einerseits ist er längst eingemeindet als "Brite", andererseits besteht sein streng konservativer, traditionsbewusster Vater Malik (KULVINDER GHIR), der in einer Autofabrik arbeitet, auf strenge Herkunfts-Identität. Bedeutet: Zwar "hier" leben, aber nicht "vollständig". Bedeutet: Kein "richtiger" Brite zu sein, sondern einer mit vor allem pakistanischen (Lebens-)Ritualien. Darauf kommt es an. Und natürlich: auf unbedingten Fleiß und Disziplin. Bleut ihm sein Vater täglich ein. Doch Javed träumt - über seine Tagebucheinträge - von einer Identität als Dichter und Schriftsteller. Für die Band seines Kumpels Matt (DEAN-CHARLES CHAPMAN/der König Tommen aus "Game of Thrones", mit kecker Duran-Duran-Frisur) schreibt er die Texte zu dessen Synthie-Pop-Musik. Während in der Nachbarschaft Skinheads "auf so einen wie ihn" lauern.

Auf dem neuen College lernt er Roops (AARON PHAGURA) kennen. Der fährt völlig ab auf die Musik von BRUCE SPRINGSTEEN. Bruce wer? Roops borgt Javed eine Kassette mit dessen Musik. Ab sofort ist es, als würde Javed einen Schalter in sich entdeckt und betätigt haben. Ab sofort "übernimmt" er die Songs und vor allem die TEXT-Inhalte von Springsteen-Songs für sein eigenes Dasein. Versteht BRUCE als Seelenverwandten und kriegt sich gar nicht mehr emotional ein: "Drogenkater vom durchgeknallten Schlagzeuger / Indianer im Sommer / Mit einem Diplomaten im Teenageralter / Auf der Müllhalde mit Ziegenpeter / Als der Heranwachsende sich den Weg in seinen Hut pumpt / Mit einem Findling auf der Schulter / Fühl ich mich irgendwie älter / Ich stellte einem Ringelreien das Bein / Mit einem sehr verdrießlichen Schneuzen und Keuchen / Knallte die Dampforgel auf den Boden / Knallte die Dampforgel auf den Boden".

Was natürlich den Vater und Haus-HERREN auf die Palme bringt. Zumal er gerade auch seine Arbeit verloren hat und sowieso gar nicht gut drauf ist. Und dann noch mit nunmehr solch "einem ausgeflippten Sohn"? ! Während Freundin Eliza (NELL WILLIAMS) ihn rebellisch anfeuert. "Springsteen" sorgt künftig für viel Stimmungswirbel und reichlich Komplikationen. In dem aufblühenden Leben von Javed, in dem er einfühlsame Unterstützung von seiner Mutter bekommt. Sie hält zu ihm und bemüht sich, ihn in seinem eigenständigen Wollen - und gegen die "Anordnungen" ihres Ehemannes - beratend zu begleiten. Während "BRUCE" immer mehr in das Streben und Finden und die Lust dieses jungen Burschen "eingreift".

Ein toller Film. Hoffnungslosigkeit, Scheiß-Alltagsrassismus und dieser autoritäre, auf unbedingten Gehorsam bestehende Erzeuger auf der einen Streßseite gegen die coole Aufmüpfigkeit der Musik und diesen enthusiastischen, aufbauenden Texten von "The Boss", dem weißen Erwecker aus New Jersey : Wie kriege ich, Javed, da bloß die Kurve? Die Co-Autorin und Regisseur GURINDER CHADHA mag keine Intoleranz, keinen Rassismus, keine Dummheit, die aus falscher Tradition blüht. Setzt auf das befreiende Ventil von Kunst/Kultur/Musik: hier SPRINGSTEEN, und weist human den Weg. Mit schon mal stimmungsvollen Bollywood-Einlagen. Es ist so, dass das aktuelle Kino - siehe Queen, Elton John, Beatles - gerade auf die Verbindung zwischen Pop und Realitätsgeschmack setzt: Wie Musik in den Alltag von besonders "empfindsamen" Menschen eingreift und, wir befinden uns im Kino, wohl-anfühlend an uns Zuschauenden weitergibt. Vermittelt. Mit spannenden politischen Nuancen: "Ich bin nachhaltig empört über die Ausländerfeindlichkeit und den Chauvinismus, die durch das ganze Brexit-Verfahren ans Tageslicht gekommen ist. DIESE GESCHICHTE GENAU JETZT INS KINO ZU BRINGEN IST DESWEGEN AUCH MEINE ART ZU SAGEN: WIR WOLLEN NICHT ZURÜCKFALLEN IN DIE ZUSTÄNDE DER BRITISCHEN ACHTZIGER" (Gurinder Chadha / aus dem Interview mit ihr in der August-Ausgabe von "epd-Film").

"BLINDED BY THE LIGHT" ist Empathie-pur und macht viel guten Sinn.

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

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