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Schwedisches "düsteres Märchen" über eine Zollbeamtin, die Gefühle riechen kann

Die Bewertung von Hans-Ulrich Pönack
Immer, wenn man meint, den Film endlich "im Griff" zu haben, beschreitet er schon wieder andere Wendungen
4 Pönis: Richtig gut

Border

Genre: Drama
Produktion: Schweden 2018
Laufzeit: 110 Minuten
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Regie: Ali Abbasi
Darsteller: Eva Melander, Eero Milonoff

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Kinostart:
11. April 2019

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Border

Zum Film:

Die Grenzbeamtin Tina ist eine bemerkenswerte Erscheinung. Ihr seltsam geschwollenes Gesicht, ihr bohrender Blick und ihre körperliche Kraft verleihen der jungen Frau etwas Animalisches. Tina hat zudem eine besondere Fähigkeit: Sie kann Angst, Scham und Wut anderer Menschen wittern. Ihr Talent macht sich der schwedische Grenzschutz erfolgreich zunutze, um Kriminelle aufzuspüren.

Dennoch fühlt sich Tina seltsam fremd unter ihren Mitmenschen und lebt einsam und naturverbunden als Außenseiterin in den Wäldern. Doch dann begegnet sie Vore, der ihr auffallend ähnlich sieht und bei dem ihre Begabung an ihre Grenzen stößt. Tina ahnt, dass Vore etwas zu verbergen hat. Und doch, unbefangen, wild und erstaunlich frei, wirkt Vore ungemein anziehend auf sie. Tina spürt bei ihm eine Vertrautheit, die ihr bisher fremd war. Als die beiden sich näherkommen, offenbart Vore ihre mystische Herkunft. Aber dieses Wissen bringt nicht nur neue Freiheiten, sondern auch unbequeme Herausforderungen mit sich, denen sich Tina stellen muss... (Wild Bunch Germany)

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Foto: Border (Wild Bunch Germany)

Hans-Ulrich Pönack über den Film:

(...) normalerweise ist es keine Schwierigkeit, Filme in (Genre-)Schubladen zu beordern. Hier fällt es wirklich schwer. Ich will mich aber darauf nicht näher einlassen, sonst würde man zu viel von den andauernden Überraschungen verraten. Die dieser ungewöhnliche Streifen verbirgt. Der von Schweden für die Auslands-"Oscar"-Nominierungen eingereicht wurde. Der zahlreiche internationale Filmpreise einheimste, darunter im Vorjahr den Hauptpreis beim Cannes-Festival in der Sektion "Un Certain Regard". Außerdem war er auch bei der diesjährigen "Oscar"-Vergabe für das "Beste Make-up" und für das "Beste Haarstyling" nominiert. Sechs einheimische (schwedische) Preise waren schließlich das Lob für ein faszinierendes Cinema-Meisterwerk, das in seiner Fülle von Gedanken und Wegen und Bewegungen und Motiven und extremen Reiz-Interpretationen bald zur Kult-Kultur mutieren wird.

Aber - Vorsicht mit den eigenen Bemerkungen. Diesen Film sollte man sehen und nicht vorab schon kennen. Im Mittelpunkt: Eine gehandicapte Frau. Tina (EVA MELANDER). Die 40-jährige leidet an Gesichtsdeformitäten. "Bin nur ein hässlicher Mensch mit Chromosom-Fehler", tut sie kund. Dies hätte ihr mal der Vater so erklärt. Dieser befindet sich inzwischen im Altersheim und leidet "bisweilen" an Demenz. Tina lebt gerne im Einklang mit der Natur; sie wohnt abgelegen in einem ihr gehörenden kleinen Haus im Wald. Gemeinsam mit dem jungen Hundetrainer Roland und seinen Kampfhunden. Ihr Beziehung ist rein platonisch. Auffällt allerdings, dass sich die beiden Hunde, obwohl man schon länger zusammenwohnt, nicht mit Tina zu "arrangieren" vermögen. Wenn sie auftaucht, veranstalten die Pfoten viel Lärm. Benehmen sich aggressiv. Was Tina nicht weiter stört.

Tina arbeitet für den schwedischen Zoll. An einem Hafen für Fähren zwischen Dänemark und Schweden. Da sie über eine außergewöhnliche Fähigkeit verfügt, hat man sieh hierher versetzt: Tina vermag Gefühle von Menschen riechen. Einfach so. Aber wirkungsvoll. Ideal für den Job-hier: "Ich kann so was spüren: Scham, Schuld, Wut und noch andere Gefühle, und dann denke ich mir den Rest". Ihre Erfolgsquote im Aufspüren von "Unregelmäßigkeiten"-hier ist enorm. Egal, ob Alkohol-Schmuggel oder ein USB-Stick, auf dem sich Kinderpornografie befindet, Tina kriegt alles mit. Deshalb ist sie bei ihren Kollegen akzeptiert. Und wird bisweilen auch von der Polizei "benötigt". Wie jetzt, bei diesem Pädophilen-Fall.

Eines Tages taucht Vore auf (EERO MILONOFF). Der sieht ähnlich deformiert aus wie sie. Und zeigt ein auffälliges Interesse für Insekten. Was ja nicht strafbar ist. Man freundet sich an. Kommt sich näher. ER erklärt die Maßstäbe: "Der Mensch ist ein Parasit, für den alles auf der Erde nur zu seinem Vergnügen da ist, selbst die eigenen Nachkommen. Die ganze Menschenrasse ist verdorben". Na - UND? NUN?

Der iranisch-stämmige schwedische Regisseur und Drehbuch-Autor ALI ABBASI, Jahrgang 1981, hat - nach "Shelley", seinem Debüt-Langfilm, der 2016 im Berlinale-"Panorama"-Programm lief - seinen zweiten Spielfilm geschaffen, Originaltitel: "Gräns". Der ist faktisch sehr eigenwillig, aber dabei im Grunde plausibel-konsequent zusammenlaufend. Wagemutig wird immer wieder ein neues, verblüffendes Ereignis-Terrain betreten, mit dem "so" nicht zu rechnen war. Immer, wenn man meint, den Film endlich "im Griff" zu haben, beschreitet er schon wieder faszinierende andere Wendungen. Als Wirkungstreffer. Neu-deutsch "Twist" genannt. Ich muss mich zurückhalten. Darf nicht mehr sagen.

Soviel nur noch 1): Eine Liebesgeschichte ist eine Liebesgeschichte, ist eine imposant-sagenhafte Liebesgeschichte. So viel 2): "Rosemarie's Baby" wird endlich identifiziert. Also: erblickt.

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

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