das-schweigende-klassenzimmer-posterjpg.jpg

Packendes und berührendes DDR-Drama

Die Bewertung von Hans-Ulrich Pönack
Pönis
Richtig gut

Das schweigende Klassenzimmer

Genre: Drama
Produktion: Deutschland 2018
Laufzeit: 111 Minutenn
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Regie: Lars Kraume
Darsteller: Leonard Scheicher, Tom Gramenz, Anna Lena Klenke

Filmseite: deinkinoticket.de/das-schweigende-klassenzimmer/infos
Kinostart:
1. März 2018

Pönis Filmkritik anhören:

Pönis Filmkritik zu «Das schweigende Klassenzimmer» anhören...

Zum Film:

Es ist das Jahr 1956. Die Mauer ist noch nicht gebaut, doch das System der DDR ist bereits etabliert. Die Abiturienten Leo und Kurt leben in Stalinstadt. Während eines Besuchs in Westberlin schleichen sie sich ins Kino und erfahren in der Wochenschau von Aufständen in Ungarn.

Zurück zu Hause erzählen sie ihren Freunden davon und hören im heimlich eingeschalteten Westradio, dass bei der Niederschlagung Hunderte Menschen ums Leben gekommen sind - die gesamte Klasse entscheidet sich kurzfristig, zu Unterrichtsbeginn zwei Schweigeminuten für die Opfer einzulegen. Doch ihr Schweigen wird schnell als politischer Akt ausgelegt, das Bildungsministerium ordnet eine Untersuchung an. Regisseur Kraume zeigt dabei auf bedrückende Weise, wie die Abiturienten von verschiedensten Seiten massiv unter Druck gesetzt werden. Die Geschichte basiert auf wahren Ereignissen. (dpa)

kinostart_das_schwei_56399518.jpg
Das schweigende Klassenzimmer (Foto: StudioCanal)

Hans-Ulrich Pönack über den Film

(...) Sie sind keine Rebellen. Haben den, ihren Staat nie kritisch hinterfragt. Dennoch werden die Schüler/Innen dieser 12. Klasse amtlicherseits ab sofort als "Feinde des Staates" tituliert. Der Druck, die Erpressungsversuche und Repressalien nehmen zu. Deshalb steht auch nicht so sehr der politische Kampf im Mittelpunkt des Geschehens, sondern die außerordentliche Dramatik innerhalb einer - weitgehend - geschlossenen Gruppe, bei deren Konfrontation es um Fragen von wegen Mut, Zusammenhalt, also Integrität, Loyalität und möglichem Verrat, geht. Frei zu denken und diese kritischen Gedanken "bekannt" zu machen, lautet das Thema. Wobei sich Drehbuch-Autor und Regisseur Lars Kraume auch explizit mit den unterschiedlichen Familienverhältnissen und Hintergründen der beiden jugendlichen Hauptfiguren Theo (LEONARD SCHEICHER) und Kurt (TOM GRAMENZ) befasst und auch die dazugehörigen Schwierigkeiten und internen familiären Probleme eindringlich beleuchtet. Während Theo aus einer einfachen Arbeiter-Familie stammt, deren größter Wunsch es ist, dass der Junge das Abitur macht, ist der Vater von Kurt ein typischer Opportunist und aalglatter Partei-Untertan. Dass ihre Kinder, möglichst schnell und "diskret", "gebrochen" werden sollen, damit alles wieder "im sozialistischen Lot" ist, dagegen haben sie nichts. Ganz im Gegenteil. Und so müssen ihre Kinder ganz schnell und völlig unvorbereitet "richtig" erwachsen werden. Eine gemeinsame und für ihr weiteres Leben richtungsweisende Entscheidung treffen. Mit allen Konsequenzen.

Gedanken und Emotionen im spannenden Einklang: Der Spielfilm "Das schweigende Klassenzimmer" ist ebenso aufwühlend wie zeitlos wie außerordentlich bewegend. Hochinteressant tiefgründig. Von einem hervorragenden Ensemble dargeboten. Ein kraftvolles Stück deutsche Historie mit großen Kino-Atem; als exzellent-praktischer Geschichtsunterricht und mitreißendes Plädoyer für Zivilcourage und deshalb auch im Heute so bedeutungsstark.

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

das-schweigende-klassenzimmer-posterjpg.jpg