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Western mit Christian Bale, der einen Indianer-Häuptling zu seiner Familie bringen soll

Die Bewertung von Hans-Ulrich Pönack
Einer der besten, klügsten, nachhaltigsten (Philosophie-)Western seit Jahren
5 Pönis: Einsame Spitze

Feinde - Hostiles

Genre: Action/Drama
Produktion: USA 2017
Laufzeit: 134 Minuten
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Regie: Scott Cooper
Darsteller: Christian Bale, Rosamund Pike, Wes Studi, Adam Beach, Ben Foster, Rory Cochrane, Jesse Plemons, Timothée Chalamet

Filmseite: www.hostiles-film.de
Kinostart:
31. Mai 2018

Pönis Filmkritik anhören:

Feinde - Hostiles

Zum Film:

New Mexico, 1892: Der verdiente Offizier Joseph Blocker (Christian Bale) erhält den Auftrag, den kranken Cheyenne-Häuptling Yellow Hawk (Wes Studi), der die vergangenen sieben Jahre im Gefängnis verbrachte, in dessen Stammesland nach Montana zu begleiten. Der letzte Wunsch des als unerbittlich bekannten Indianers ist es, zu Hause zu sterben. Blocker und Yellow Hawk haben eine gemeinsame Vergangenheit, weswegen Blocker den Auftrag nur äußerst widerwillig annimmt.

Gemeinsam mit einigen Soldaten und der Familie des Häuptlings bricht die Truppe auf. Unterwegs stoßen sie auf die junge Witwe Rosalie Quaid (Rosamund Pike), deren gesamte Familie kaltblütig von Komantschen umgebracht wurde. Die traumatisierte Frau schließt sich ihnen an und die Gruppe setzt ihren gefährlichen Weg quer durch das unwegsame Land und eine extrem feindselige Umgebung fort. Schon bald wird klar, dass sie nur als Gemeinschaft im Kampf ums Überleben eine Chance haben… (Universum Film)

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Feinde - Hostiles (Universum Film)

Hans-Ulrich Pönack über den Film

(...) „Die amerikanische Seele ist ihrem Wesen nach hart, einzelgängerisch, stoisch und ein Mörder. Sie ist noch niemals aufgetaut“. Dieses Poem des britischen Schriftstellers D. H. Lawrence (11. September 1885 – 2. März 1930) ist das Leit-Motto für diesen außerordentlich eindringlichen, düsteren Neo-Western, der sich mit der finsteren Seite des amerikanischen Gründungsmythos befasst und dabei beklemmend auf aktuelle politische Gegebenheiten im derzeitigen „Americva first“-Country zielt. Motto: Was verunstaltet Krieg. Außen, im Staub, ebenso wie im empfindlichen Inneren. Wo Seelen schizophren werden. Die aktuellen Kriege im Irak und in Afghanistan winken hier grausam aus der nahen Ferne. Deshalb ist hier auch kein Platz für Prärie-Romantik, Heldentum oder Ideologie-Gezeter. Während Kamera-As MASANOBU TAKAYANAGI betörende, kraftvolle, herrlich atmosphärische Landschaftsmotive in und von - den Drehorten - New Mexico, Colorado und Arizona einfängt, bei denen nur der Mensch mit seiner widerlichen Schändlichkeit „stört“, und der britische Komponist MAX RICHTER einen beeindruckenden melancholischen, meisterlich- emotionalen Score darauf setzt.

Der zweifache „Oscar“-Hero CHRISTIAN BALE spielt erschütternd-überzeugend seinen Part als zynischer Anführer einer – gefühlten, gemischten – Friedenstruppe, die sich mittenmal umstellen und gegenüber den vergangenen Zeiten völlig „anders“ verhalten soll. Erst hat man ihnen intensiven Hass und übelste legale (Kriegs-)Brutalität eingebläut, um jetzt plötzlich zu sagen: Nein, ab sofort gelten die bisherigen geistigen, moralischen, physischen „Standards“ nicht mehr. Jetzt benehmen wir uns alle mal: zivil. Also: gut. Zu- und miteinander. Diese gedankliche wie emotionale Belastung in der glaubhaften Balance zu bewegen, heraus zu kitzeln, gelingt Christian Bale überragend, beeindruckend, charismatisch. Dessen Vorbilder sind nicht von ungefähr Oskar Werner und Marlon Brando; zwei begnadete Mimen der Filmgeschichte. In deren stets präsente Seelen- und poren-tiefe menschliche Fußstapfen tritt er hier ein und auf. Als Anführer eines sorgsam-exzellent besetzten, spannenden Ensembles, das gemeinsam mit Christian Bale zu Höchstform aufläuft und für einen der besten, klügsten, nachhaltigsten (Philosophie-)Western seit Jahren sorgt. Die MUSS-Empfehlung gilt.

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

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