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Zwei ungleiche Kommissare ermitteln in einem Vermisstenfall. Die Anwohner hüllen sich in Schweigen und Desinteresse

Die Bewertung von Hans-Ulrich Pönack
Ein außerordentlich beeindruckender, emotional packender deutscher Spannungsfilm
4 Pönis: Richtig gut

Freies Land

Genre: Thriller
Produktion: Deutschland 2019
Laufzeit: 129 Minuten
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Regie: Christian Alvart
Darsteller: Felix Kramer, Trystan Pütter, Nora Waldstätten

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Kinostart:
09.01.2020

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Freies Land

Zum Film:

1992 in Ostdeutschland: Über dem Land schwebt die vage Hoffnung auf eine rosige Zukunft, doch auf dem Boden der Tatsachen macht sich Enttäuschung breit. Dieser deutsche Winter der Unzufriedenheit entführt zwei sehr unterschiedliche Ermittler in ein entlegenes Dorf, aus dem zwei Schwestern spurlos verschwunden sind.
Zunächst scheint der Fall klar: in den Westen abgehauen sind sie, so die einsilbige Aussage der Nachbarn. Wer wollte schließlich nicht dem allzu schnellen Niedergang der Region entfliehen? Die beiden Kommissare Stein (Trystan Pütter) und Bach (Felix Kramer) wundern sich zunehmend darüber, dass sich am Verschwinden der Schwestern scheinbar niemand stört, es herrscht diffuses Schweigen.
Und auch bei der Kriminalleitung ist man selbst dann kaum interessiert als sich herausstellt, dass bereits früher Mädchen aus dem Dorf verschwunden sind. Als dann die schwer misshandelten Leichen der beiden Schwestern gefunden werden, dämmert Stein und Bach, dass sie es mit einer Mordserie zu tun haben und mit einer zutiefst verstörten Gemeinschaft, in der die Wahrheit ihren Wert verloren hat. (Telepool)

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Foto: Freies Land (Telepool)

Hans-Ulrich Pönack über den Film:

(...) die originale Vorlage, der spanische Thriller "La Isla Mínima" von Alberto Rodriguez, war 2016 mein Bester-Film des Jahres. Spielte in Andalusien im Herbst 1980, fünf Jahre nach dem Tod des Diktators Franco, dessen faschistischer Geist wie Strukturen immer noch in der Provinz herum-spukten.

CHRISTIAN ALVART, Jahrgang 1974, gehört zu den wenigen Filmemachern im Lande, die Mut und Traute besitzen, sich dem deutschen Genre-KINO-Film zu nähern. Spröde angefangen mit "Antikörper" und Banklady, um sich dann um die Til Schweiger-"Tatort"-Folgen zu kümmern, einschließlich des "Tatort"-Kinofilms "Tschiller: Off Duty". Mit "Steig. Nicht. Aus" lieferte Alvart 2018 sein erstes Meister-Spannungsstück ab. Um den Film-danach, die Sebastian Fitzek-Roman-Adaption "Abgeschnitten", völlig in den Blut-Sand zu setzen. Mit "Freies Land" gelang ihm ein erstaunliches Zusammengehen von Thriller-Wucht mit intelligent eingebundener deutsch-deutscher Wendepolitik. Als exzellentes Spannungsmovie.

1992. Der Spätherbst im Landkreis Löwitz. In Mecklenburg-Vorpommern. Zwei Schwestern sind spurlos verschwunden. Zwei polizeiliche Aufklärer werden beauftragt. Markus Bach (FELIX KRAMER), der Einheimische, aus Görlitz stammend, der mal bei der Stasi war, wie es heißt, und der Hamburger Patrick Stein (TRYSTAN PÜTTER). Der nur ungern hierher "gereist" ist, seine Frau erwartet das erste Kind. Zusammen sollen sie so diskret und möglichst schnell herausfinden, was passiert ist. Dabei tendiert ihrer beider Wellenlänge gen null. Die verbliebenen Einwohner-hier zeigen sich missmutig, misstrauisch und verschlossen. Wollen "mit der ganzen Scheiße" nichts zu tun haben. Zu sehr haben sie die versprochenen "blühenden Landschaften" innerlich leer und wütend werden lassen. Und die beiden Bullen tun sich auch schwer, miteinander halbwegs "zu kommunizieren". Miteinander klar-zu-kommen. Markus & Patrick oder: Das Aufeinanderprallen von grundverschiedenen deutsch-deutschen Lebensläufen. Konträre Ansichten von "praktischer Aufklärung". Dann werden die Mädchen entdeckt. Brutal ermordet. Und es stellt sich heraus, dass weitere junge Frauen "abhanden" sind. "Hier wollen doch alle jungen Leute weg", heißt es. Wenn es darum geht, dass sich kaum jemand dafür näher interessiert(e). Gerne wegschauen ist an der Tages- wie Nacht-Ordnung. Bald ist klar, ein Serienmörder treibt hier sein übles Spiel. Die Anspannung wächst. Und der Polizei-Boss fordert endlich beweissichere "Ergebnisse". Aber natürlich: mit aller gebotenen "Vorsicht". Von wegen - es gilt, auch dieses seelische Brachland unbedingt zu beachten. Einzubeziehen.

Zwei Wege. Die Jagd nach dem Täter. Dabei beziehungsweise währenddessen: diese elenden Ausmaße der fehllaufenden gesellschaftlichen Umwälzungen. Wo fast alles nur noch Schrott ist. Mechanisch wie (zwischen-)menschlich. Die Emotionen schwanken zwischen Angst und Stillstand. Zwischen Wut und Resignation. Unsicherheit und Besäufnis. Wie in einem solch kranken "Milieu" überhaupt existieren? Und offiziell ermitteln? Diese unverbrauchten Gesichter von FELIX KRAMER und TRYSTAN PÜTTER sind ein Ereignis. Sumpf-Typen allerbester Outlaw-Schnüffler-Qualität.

"Freies Land" ist ein zutiefst spannender, großartiger Thriller. Im Außen fantastisch atmosphärisch-wirkungsvoll, im Innern von einer latenten wie lakonischen Verstörung. Mit wüstem Bedrohungs-Charme. Ein außerordentlich beeindruckender, emotional packender deutscher Spannungsfilm.

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

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