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Starke isländische Tragikomödie von Benedikt Erlingsson

Die Bewertung von Hans-Ulrich Pönack
Ein überragend kluges wie einfallsreiches Stück wunderbares Kino!
5 Pönis: Einsame Spitze

Gegen den Strom

Genre: Drama
Produktion: Island 2018
Laufzeit: 101 Minuten
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Regie: Benedikt Erlingsson
Darsteller: Halldóra Geirharðsdóttir, Johann Sigurdarson, Davíð Þór Jónsson

Zur Website: www.gegen-den-strom-film.de
Kinostart:
13. Dezember 2018

Pönis Filmkritik anhören:

Gegen den Strom

Zum Film:

Harmoniebedächtige Musiklehrerin und zugleich militante Umweltaktivistin: Die 50-jährige Halla dirigiert mit seligem Lächeln ihren Chor und fährt danach in die isländische Einöde, um Strommasten abzusägen.

Ihr heimlicher Kampf gegen die Aluminiumindustrie auf der Atlantikinsel wird für die Einzelgängerin zum lebensgefährlichen Einsatz. Bald wird die «Bergfrau», wie sie sich in Bekennerschreiben nennt, von der Staatsmacht gnadenlos gejagt. Genau in diesem Moment erreicht Halla die Nachricht, dass sie ein kleines Mädchen aus der Ukraine adoptieren kann.

Regisseur Benedikt Erlingsson («Von Menschen und Pferden») hat eine überzeugende Tragikomödie über eine Frau inszeniert, die für ihre Ideale fast alles riskiert. Im November wurde «Gegen den Strom» (Originaltitel: «Woman at War») mit dem Lux-Filmpreis des EU-Parlaments ausgezeichnet. (dpa)

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Kinostart «Gegen den Strom» (Foto: -/Pandora Film/dpa)

Hans-Ulrich Pönack über den Film:

(...) Ein simpler Öko-Krimi? Wie man möglicherweise vermuten kann? Alles andere als das. "Gegen den Strom", was für ein schöner, doppelbödiger film-programmatischer deutscher Titel, signalisiert von Anfang an zwar Ernsthaftigkeit, aber mit (sehr) viel brillantem Spott-Schalk. Und zwei grandiosen wie lakonischen Dauer-Pointen: Als schwarz-komischer Running Gag gerät ein völlig unschuldiger lateinamerikanischer Tourist immer wieder in das "Blickfeld" der Verfolger; und der ironische Soundtrack zum Film wird hier ständig live geliefert - sowohl von einer dreiköpfigen männlichen Musikkapelle, die aus einem Kaurismäki-Film ausgeliehen sein könnte (man spielt stoisch Klavier, Akkordeon, Tuba & Schlagzeug), wie auch durch ein Sängerinnen-Trio aus der Ukraine in Landestracht. Die das Geschehen - in urbaner Natur wie auch in Innenräumen - musikalisch sozusagen "kommentieren". Stimmungsanpassend begleiten. Mal die Ballade, mal den Rock klingen lassen. Was für ein properer Einfall! "Immer, wenn diese Musiker auftreten, setzt der Filmemacher die betreffende Szene gewissermaßen in Anführungszeichen" (Anke Westphal in "epd film"/Dezember).

Sonst heißt es ja des Öfteren in Kritiken, der Film sei viel zu lang. Hier dagegen muss man schon nach 100 Minuten leider Abschied nehmen. Was bei dieser scharf denkenden wie scharfzüngigen fein pointierten Stinkefinger-Komödie zum Bedauern führt. Gerne hätte man mit Halla noch "weiter-gemacht". In dieser überwältigenden kargen Landschaft, für deren Erhalt man sich mit Halla solidarisiert.

"Gegen den Strom" ist ein überragend kluges wie einfallsreiches Stück wunderbares Kino mit spannenden, sehr unterhaltsamen laufenden Gedanken und listigen "optimistischen" Einfällen. Und diese Hauptakteurin, mit diesem unaussprechlichen, schönen Namen - HALLDÓRA GEIRHARDSDÓTTIR - verdient mit ihrer poetischen Coolness ein Sonder-Lob! Das Arthaus-Kino hat zum Jahresende einen sagenhaften HIT.

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

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