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Milieustudie und Liebesfilm

Die Bewertung von Hans-Ulrich Pönack
Zum einnehmenden Genießen freigegeben!
4 Pönis: Richtig gut

In den Gängen

Genre: Drama
Produktion: Deutschland 2018
Laufzeit: 125 Minuten
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Regie: Thomas Stuber
Darsteller: Franz Rogowski, Sandra Hüller, Peter Kurth, Andreas Leupold

Filmseite: www.facebook.com/indengaengen
Kinostart:
24. Mai 2018

Pönis Filmkritik anhören:

In den Gängen

Zum Film:

Ein tiefer Blick in die Seele, ein tiefer Blick ins Herz: Ein öder Großmarkt in der ostdeutschen Provinz ist Schauplatz von Thomas Stubers wunderbar ästhetisch-poetischem Film «In den Gängen», der gleichermaßen Milieustudie und Liebesfilm ist.

Hier kommen sich Christian (Franz Rogowski) und Marion (Sandra Hüller), die schon lange nicht mehr auf der Sonnenseite des Lebens stehen, langsam und bedächtig näher. Neben der Liebe und den Befindlichkeiten der Menschen am Rande der Gesellschaft spielen auch Gabelstapler eine große Rolle.

Bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises ist Shootingstar Franz Rogowski gerade mit einer Lola ausgezeichnet worden. (dpa)

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In den Gängen (Foto: -/Zorrofilm/dpa)

Hans-Ulrich Pönack über den Film

(...) ER ist zur Zeit der angesagteste Schauspieler bei uns: FRANZ ROGOWSKI, geboren am 2. Februar 1986 in Freiburg im Breisgau. Im diesjährigen Berlinale-Wettbewerb war er in gleich zwei Filmen großartig vertreten: In "Transit" (s. Kino-KRITIK) ebenso wie bei dieser feinen Produktion. Dass er nicht als "Bester Schauspieler" den "Silbernen Bären" zugesprochen bekam, war eines dieser zahlreichen Rätsel-Entscheidungen der inkompetenten Berlinale-Jury (unter dem Vorsitz des deutschen Filmemachers Tom Tykwer). "Der mit einem wunderbare ruhigen Blick und einem aparten Lispelsprachfehler gesegnete Franz Rogowski" (Wolfgang Höbel im "Spiegel" in dieser Woche) spielt hier Christian, einen "Frischling", also Neuen, in einem Großmarkt, irgendwo im östlichen Ödland. (In Miltitz, einem Ortsteil von Leipzig). Meist schweigend taucht Christian in dieses großräumige Universum ein, das eingangs mit den wunderbaren Johann Strauß-Walzer-Klängen "An der schönen blauen Donau" vorgestellt wird. Von wegen: diese langen Gänge, die präzise Ordnung der Warenlager, die geradezu surreale Mechanik der Gabelstapler. Später: Diese listig- lakonisch organisierten Mitarbeiter. Bruno (PETER KURTH), der Chef der Getränkeabteilung, nimmt sich dieses wortkargen Typen an. Zeigt ihm Tricks und Kniffe, wird zum väterlichen Freund. Und dann taucht Marion am Kaffee-Automaten auf (SANDRA HÜLLER), "von den Süßwaren"; man ist sich sympathisch. Als er sich in sie verliebt, "unterstützen" ihn die Kollegen. Doch Marion ist verheiratet. Allerdings - nicht sehr glücklich. Heißt es.

Eine ungeheuer atmosphärische Liebe im Markt. Ohne Betroffenheit, ohne Mitleidsbekundungen, ohne emotionale Kanonenschläge. Dafür - dabei: mit ungeheuer nahevollem, berührendem Inneren einfühlsam gefüllt. Wo stille, neugierige Blicke, kleine behände Gesten kommunikativ annonciert sind, in der das Einfache - Arbeit, Sehnsucht, das tägliche Ist und Sein - brilliert und in allgemeiner Würde gelebt wird. Dämonische oder ausrufungszeichenmäßige politische Anklagen und Vorwürfe, auf Was oder Wen auch immer, haben hier keinen Zugang. Selbstgenügsamkeiten sorgen für individuelle Abenteuer. Während die Tonspur mal Klassik, mal zeitgenössischen Pop verkündet. Die "New York Times" bezeichnete neulich Franz Ragowski als einen "herausragenden deutschen Sonderlingsdarsteller". Hier: Gemeinsam mit den exquisiten Partnern Sandra Hüller und Peter Kurth: Zum einnehmenden Genießen freigegeben.

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

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