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Packende Neuinterpretation: Joaquin Phoenix wird zum «Joker»

Die Bewertung von Hans-Ulrich Pönack
Joaquin Phoenix hat für diesen Streifen den Oscar verdient!
5 Pönis: Einsame Spitze

Joker

Genre: Comic, Action
Produktion: USA 2019
Laufzeit: 122 Minuten
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Regie: Todd Phillips
Darsteller: Joaquin Phoenix, Robert De Niro, Zazie Beetz

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Kinostart:
10. Oktober 2019

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Joker

Zum Film:

Der Joker, dieser Superschurke mit dem wahnsinnigen Grinsen, ist aus vielen Batman-Geschichten längst bekannt. Wie aber wurde aus dem Mann Arthur Fleck dieser gruselige Joker?

Das erzählt Regisseur Todd Phillips («Hangover»-Filme) in diesem neuen Werk - mit einem grandiosen Joaquin Phoenix in der Hauptrolle. Er spielt Arthur Fleck, einen psychisch schwer kranken Mann, der im verwahrlosten Gotham City in eine manische (und gewalttätige) Abwärtsspirale gerät.

Korrupte Politiker, frustrierte Bürger und ein fehlendes soziales Netz bilden den Nährboden für die Entstehung des Jokers. Die Zuschauer erfahren auch, wie dessen Hass auf Bruce Wayne alias Batman entstand.

Beim Filmfestival Venedig wurde der Film kürzlich mit dem Goldenen Löwen für den besten Film ausgezeichnet. (dpa)

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Joker (Foto: Niko Tavernise/Warner Bros. Ente)

Hans-Ulrich Pönack über den Film:

(...) "Joker", der Film, hat keine Vorgeschichte. Allerdings sei das Drehbuch, so Todd Phillips in "The New York Times", inspiriert von Martin Scorsese-Filmen wie "Taxi Driver", "Raging Bull" und "The King of Comedy" wie auch von seiner eigenen Anarcho-"Hangover"-Komödien-Trilogie (s. 3 x Kino-KRITIKEN: "Hangover"). Und auch von Klassikern und Charakter-Studien aus den Siebzigern wie "Serpico" (mit Al Pacino), "Einer flog über das Kuckucksnest" (mit Jack Nicholson) und eben von d e m Ursprung: "The Man Who Laughs" von 1928.

Arthur Fleck (JOAQUIN PHOENIX) lebt mit seiner kränkelnden Mutter in einem kleinen schäbigen Appartement. Abends sehen sie sich im gemeinsamen Bett eine populäre Late Night-TV-Show an, wo Komiker-Moderator Murray Franklin (ROBERT DE NIRO) einmal sogar über IHN herzieht. Mit authentischen Bildern. Denn Arthur träumt von der großen Karriere als Stand-Up-Comedian-As und hat sich diesbezüglich auf einer kleinen Bühne mal versucht. Was mit der Kamera eingefangen wurde. Und gar keinen Erfolg brachte: "Wenn ich früher erzählt habe, ich wollte Komiker werden, haben alle immer gelacht; wenn ich jetzt auf der Bühne stehe, lacht keiner mehr". Regelmäßig tritt Arthur bei der Frau vom Sozialamt an. Bei der er so etwas wie eine Psychotherapie "bekommt" sowie die Rezepte für die täglichen Pillen. Arthur trägt immer eine kleine amtliche Karte bei sich. Die bestätigt, dass er psychisch krank ist. Was sich - jederzeit - in plötzlichen, aggressiven, unmotivierten, krankhaften Lach-Anfällen ausdrückt. Und für Nächste erschreckend wirkt. Als Arthur eine Nachbarin (ZAZIE BEETZ)näher kennenlernt, die ihn so nimmt wie er ist, vermag dies ihn nur kurz "zu beruhigen". Denn nun beginnt sein "Aufstieg": "Ich dachte mein Leben wäre eine Tragödie, doch ich erkannte, dass es eine Komödie ist".

Joker wehrt sich. Wird, im Clowns-Kostüm, in der U-Bahn von drei arroganten Anzug-Typen übel attackiert und bringt sie um. Die Stadt ist in Aufruhr. Für die Mehrheit wird er, der Unbekannte, zum Helden, der sich - ENDLICH EINER - gewehrt hat; für die Herrschenden ist er FEIND. Den es zu jagen und zu überführen gilt. Fortan erblickt man immer mehr Menschen in Clowns-Kostümen auf den Straßen. (Man darf auch denken: in Gelb-Westen). Während Arthur es inzwischen zu einem Auftritt in seiner Lieblings-TV-Show bringt. Murray Franklin will diesen "Loser" kennenlernen. Und vorführen. Arthur, der Joker, aber wird wütend. RICHTIG wütend. Auch, weil er erfahren musste, dass seine Mutter ihm d a s Geheimnis ihres und vor allem seines Lebens nicht wirklich offenbart hat. TV-Moderator Murray muss sich auf einmal warm anziehen. Der irre Arthur-JOKER beginnt, sich zu demaskieren. Beziehungsweise: "Ehrlich" zu präsentieren.

JOAQUIN PHOENIX. Massenhaft Kilo hat er für die Rolle des "schwächelnden" Arthur abgenommen. Sein Joker "lebt wahrhaftig im Leib von Joaquin Phoenix" (Dietmar Dath in der "FAZ"). In beinahe jeder Szene dieser schrägen, gemeinen, durchtriebenen, innerlich explodierenden Film-Show ist er dabei; schlägt er, zieht er einen, mit seinem Mimenspiel, mit seiner Gestik, seinen unkontrollierten Bewegungen, seinen "extraordinären" Gesichtszügen, in den berstenden Spannungs-Bann. Seine Performance ist DIE EINES SCHAUSPIELERS, der sich im wahrhaftigsten Sinne überhaupt ZU VERWANDELN VERSTEHT. Der "Gedanken" darzustellen versteht. Schlimme, aber eigentlich nachvollziehbare böse Gedanken. Sowie: Eine gepeinigte Seele schmerzvoll-erschreckend zum spielerischen Grauen-Vorschein zu bringen vermag. Es muss demnächst dafür den „OSCAR“ geben!

Und wenn er zuletzt seinen Aufgebrachten, Wütenden, Haltlosen, dem Volk auf der Straße, die Message mitteilt, was sie von den tierischen Ratten unterscheidet, nämlich: Ihr entscheidet, was Gut und Böse ist, auf genau die Art, auf die ihr entscheidet, was lustig ist und was nicht", dann war eine Comic-Adaption selten - oder bisher gar nicht - so brisant, weil hochpolitisch. Und doppelbödig-aktuell. Kein Wunder, dass konservative Zeitgenossen in den USA vor dem Film "wegen seiner gefährlichen, unorthodoxen Gewalt" warnen. Klar doch, Schiss haben sie vor diesem Pracht-Film, weil er für "Mächtige" gefährliche Gedanken HEUTE zu platzieren weiß. Von wegen: Was ein Clown so alles zustande zu bringen vermag. UND: Dabei war doch diese pornografische Gewalt-neulich, im neuen "Rambo"-Scheißfilm, weitaus obszöner, ordinärer, ekelhafter. Widerwärtiger. Nur purer Selbstzweck.

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

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