leid_und_herrlichkeit_plakat.jpg

Autobiografisch gefärbtes Drama über einen gealterten Regisseur, der sein Leben aufarbeitet

Die Bewertung von Hans-Ulrich Pönack
Pedro Almodóvar hat ein fulminantes meisterliches Spät-Werk geschaffen
4 Pönis: Richtig gut

Leid und Herrlichkeit

Genre: Drama/Biopic
Produktion: Spanien 2018
Laufzeit: 114 Minuten
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Regie: Pedro Almodóvar
Darsteller: Antonio Banderas, Penélope Cruz, Leonardo Sbaraglia

Zur Filmseite... »
Kinostart:
25. Juli 2019

Pönis Filmkritik anhören:

Leid und Herrlichkeit

Zum Film:

Regisseur Salvador Mallo (Antonio Banderas) entdeckte schon früh seine Leidenschaft für das große Kino und die Geschichten, die es erzählt. Aufgewachsen im Valencia der 60er Jahre, aufgezogen von seiner liebevollen Mutter (Penélope Cruz), die sich ein besseres Leben für ihn wünscht, zieht es ihn in den 80er Jahren nach Madrid.

Dort trifft er auf Federico (Leonardo Sbaraglia), eine Begegnung, die sein Leben von Grund auf verändern wird. Gezeichnet von seinem exessiven Leben blickt Salvador jetzt auf die Jahre zurück, in denen er als Regisseur große Erfolge feierte, schmerzliche Verluste hinnehmen musste, aber auch zu einem der innovativsten und erfolgreichsten Filmschaffenden in Spanien wurde. Durch die Reise in seine Vergangenheit und die Notwendigkeit diese zu erzählen, findet Salvador den Weg in ein neues Leben… (STUDIOCANAL)

leid_und_herrlichkeit_szene.jpg
Foto: Leid und Herrlichkeit (STUDIOCANAL)

Hans-Ulrich Pönack über den Film:

(...) ER ist ausgebrannt. Kriegt schon lange Zeit nichts mehr "zustande". Typischer Fall von: Schaffenskrise. Horcht andauernd nur noch "in sich" rein und empfindet Verlust und Schmerzen, ausgelöst durch Nervenqualen und Schlafmangel. Der schwule spanische Filmemacher Salvador Mallo (ANTONIO BANDERAS) leidet unter Depressionen und seelischen Blockaden. An kreatives Arbeiten ist überhaupt nicht mehr zu denken. In einem solchen Gemütszustand ist die Vergangenheit das Einzige, was noch zum (Weiter-)Leben veranlasst. Mit den Erinnerungen an die Kindheit und an die geliebte Mutter (PENÉLOPE CRUZ). An das Erwachen der Sexualität und deren schamhaftem - "katholischen" - Umgang. Die mit vielen Begleiterscheinungen - wie Drogen - versehene Arbeit als Filmkünstler.

Als die Kinemathek ein früheres (Meister-)Werk restauriert hat und aufführen will, startet Mallo doch die Rückkehr ins Leben. Schließt mit einem früheren Freund und ehemaligen Hauptdarsteller (ASIER ETXEANDIA) Frieden und begibt sich auf neue "Startpositionen".

Liebe, Leidenschaft, Sehnsucht - seit Jahrzehnten ist ER d e r große Gefühls-Filmer: der spanische Autoren-Regisseur PEDRO ALMODÓVAR. Der demnächst, am 25. September 2019, 70 Jahre alt wird. Der sich als spezieller Frauen-Versteher und exzellenter, emotionaler Farben-Dramaturg hervorgetan hat. Und der jetzt sein autobiographisch gefärbtes großes Alterswerk geschaffen hat. Sich viele seiner Werke in lebendige Erinnerung zu rufen, bedeutet, in virtuose Filme einzusteigen wie: Labyrinth der Leidenschaften; "Matador"; "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs"; "Volvér" sowie der Schwank "Fliegende Liebende". Mit "Dolor y gloria", "Leid und Herrlichkeit", hat der bedeutendste Melodramatiker und zweifache "Oscar"-Preisträger ein fulminantes meisterliches Spät-Werk geschaffen. In dem er begeisternd mit den Lebensepisoden und Zeitebenen ebenso augenzwinkernd spielt wie mit Tatsachen und Erfundenem und der ewigen Sehnsucht nach authentischen Gefühlen, sprich der: der sinnlichen Formvollendung KINO. Dabei schaut er quasi sich selbst "neugierig" über die Schulter, um zu beobachten, wie sich ein überragender ANTONIO BANDERAS (wird am 10. August 59) begeisternd abstrampelt. Äußerlich, mit dieser hippeligen Frisur und den "sprechenden traurigen Händen" ebenso wie innerlich mit dieser bittersüßen Sehnsucht nach endlichem neuen "Aufblühen". Antonio Banderas, der einstige Sex-"Zorro" ("Die Legende des Zorro"/2005), mimt vollendet das sensible, schelmische zweite Ich seines Maestros Pedro Almodóvar. Völlig zu Recht bekam er beim diesjährigen Cannes-Festival den Preis als "Bester Darsteller".

Banderas ist rundum mitreißend. Mitfühlend. Überragend. Wie diese wunderbare Komposition von Kunst im Leben. Beziehungsweise: umgekehrt.

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

leid_und_herrlichkeit_plakat.jpg