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Ein chaotischer Journalist und die Außenministerin der USA versuchen sich als Liebespaar

Die Bewertung von Hans-Ulrich Pönack
Clever lustig, köstlich-komisch, pointiert inmitten einer herrlich ulkigen Humor-Dauerschleife
5 Pönis: Einsame Spitze

Long Shot - Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich

Genre: Komödie
Produktion: USA 2018
Laufzeit: 125 Minuten
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Regie: Jonathan Levine
Darsteller: Charlize Theron, Seth Rogen

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Kinostart:
20. Juni 2019

Pönis Filmkritik anhören:

Long Shot

Zum Film:

Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an und Charlotte Field (Charlize Theron) und Fred Flarsky (Seth Rogen) könnten unterschiedlicher nicht sein: Sie, die Außenministerin der Vereinigten Staaten, intelligent, gebildet und versiert. Er, ein durchaus talentierter Journalist mit leichtem Hang zum Chaotischen. Nichts verbindet die beiden, außer dass sie vor Jahren sein Babysitter und er unsterblich in sie verliebt war.

Als die beiden sich nun wiedertreffen, stellt Charlotte ihn spontan als Redenschreiber ein. Stellt sich nur die Frage: Wie schafft man es, als Nerd eine wahnsinnig elegante Frau zu beeindrucken? Und wie gut ist die Idee, ein Verhältnis mit seiner Chefin anzufangen?... (STUDIOCANAL)

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Foto: Long Shot - Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich (STUDIOCANAL)

Hans-Ulrich Pönack über den Film:

(...) "Long Shot", also "Weit hergeholt", ist bisher das Kino-Schmuckstück des Jahres: Es darf herzhaft gelacht, ausgiebig geschmunzelt, phantastisch-schlau mit-empfunden werden. Bei einem außerordentlich listig-brillanten Geschlechter-Streich. Dessen hochkarätige Unterhaltungsattribute lauten: Clever lustig; köstlich-komisch; pointiert inmitten einer herrlich ulkigen Humor-Dauerschleife. Marke: Gegensätze ziehen sich an. Er sieht aus wie ein Schlunz. Wie ein mißgeratenes Rumpelstilzchen, der voll und ganz nach Anti-Kerl dampft. Fred Flarsky (SETH ROGEN), ein idealistischer investigativer Leib-und-Seele-Journalist, hat gerade - in pathetischer Aufwallung - seinen Job gekündigt, weil ein zwielichtiger Medien-Mogul (ANDY SERKIS; mal ohne Affen-Maske) die Zeitung, für die er unterwegs war, übernimmt. Ein Kumpel will ihn trösten und nimmt ihn mit zu einer exklusiven Spendengala-Veranstaltung. Und so taucht er dort inmitten des Geld-Adels auf: Mit rotem Strubbelbart, Billig-Brille mit Betonung auf billig; mit geschmackloser Cargo-Hose und inmitten einer ganz scheußlichen Grün-Blau-Lila-Windjacke füllig steckend. Als Nerd-Exot eine Augenweide. Folglich entdeckt SIE ihn. SIE (CHARLIZE THERON) ist: Außenministerin. Die nach Höherem strebt, sprich: diesen debilen, ekelhaft eitlen, unfassbar dummen amerikanischen Präsidenten (BOB ODENKIRK) abzulösen. Gilt aber in Umfragen als zu wenig peppig. In Sachen Humor. Natürlich kommt an dieser Stelle ER ins Gespräch. Denn: Man hat sich beäugt, besser: er glotzt sie wie damals anbetungswürdig-hingerissen so unverschämt an als käme sie geradewegs von einem anderen Stern, kurzum: man kennt sich. Von damals, als man in derselben Straße aufwuchs und tatsächlich: die jetzt extrem schlanke, elegant-coole, wunderschöne Princess Außen war sogar mal seine Babysitterin. Prompt kriegt er seine normal-übliche Panik-Attacke. Um danach von ihr engagiert zu werden. Als neuer Reden-Schreiber.

Dies sorgt natürlich für Aufsehen. Und ist mit vielen Folgen fortan behaftet. Innen- wie außen. Politisch wie privat. Der Countdown für eine der tollsten Slapstick-Romanzen der Filmgeschichte kommt in Schwung. Mit "umgekehrten" Handhabungen: SIE führt das Zepter, Mann ist damit hochzufrieden. Allerdings, wenn Hochbildung mit Chaos paktiert, die traditionellen Geschlechter-Parts völlig ausgehebelt werden, gehören süffisant-köstliche Hindernisse zum Alltag. Die beiden Drehbuch-Autoren Liz Hannah & Dan Sterling sowie Regisseur Jonathan Levine verstehen es brillant, fortan ein temperamentvolles, ironisches Dialog-Feuerwerk vom Feinsten zu entwickeln, ohne dabei auf plumpes Schenkelklopfen zu setzen, im Gegenteil: Frau-forsch, Kerl-verängstigt, mit viel Gespür fürs Ins-Fettnäpfchen-Treten, das passt doch. Hinreißend-mitreißend. Zusammen. Die Körpersprache der Beiden ist formidabel; die immensen Anspielungen auf den derzeitigen politischen wie medialen Washington-Zirkus werden süffisant in Verbal-Laune gebracht, sind integraler Bestandteil dieser mitreißenden "Pretty Man"-Geschichte. Man spielt lustvoll mit Klischees, lässt Situationskomik prächtig laufen, während Fred schon wieder Anfälle bei dem Gedanken bekommt, sie doch eigentlich erobern zu wollen. Unfassbar-schräg: ihre erste Liebesszene, wenn die Eis-Frau ihn darum bittet, doch wenigstens beim Sex etwas "dominanter" aufzutreten.

Bis in die kleinsten Nebenrollen wurde hier wunderbar-propper besetzt. An der Rampe aber zieht die sagenhaft attraktive "Oscar"-Ikone CHARLIZE THERON ("Monster") die komischen Strippen, während Komiker SETH ROGEN ("Jungfrau(40), männlich, sucht...") offensichtlich viel Spaß dabei hatte, von ihr hier grinsend dirigiert zu werden. Beide haben ihre Show auch mit-produziert und bewegen sich auf vollster Unterhaltungs-Wellenlänge.

Einen solch intelligenten, Humor-intensiven, durchtriebenen und fein komisch-kalkulierten, listig-feurigen Doppelboden-Spaß gab es im Kino schon lange nicht mehr. "Long Shot", was für ein überragender Spaß, wo Frau die Führung beansprucht und Mann dies SEHR gerne akzeptiert. Katharine Hepburn würde diese Premium-Komödie auch SEHR mögen.

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

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