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2 Polizisten - Billy Murray & Adam Driver - versuchen ihre Stadt von Zombies zu befreien

Die Bewertung von Hans-Ulrich Pönack
Reiz und Spannung bleiben bei diesem Provinz-Zombie-Movie voll auf der langweiligen Strecke
2 Pönis: Mäßig

The Dead Don't Die

Genre: Komödie/Horrorfilm
Produktion: USA, Schweden 2018
Laufzeit: 105 Minuten
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Regie: Jim Jarmusch
Darsteller: Bill Murray, Adam Driver, Steve Buscemi, Tilda Swinton, Iggy Pop, Tom Waits

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Kinostart:
13. Juni 2019

Pönis Filmkritik anhören:

The Dead Don't Die



Zum Film:

Eine Verschiebung der Erdachse löst eine Abfolge seltsamer Geschehnisse in der beschaulichen Kleinstadt Centerville aus. Während Sherriff Cliff Robertson (Bill Murray) noch rätselt, ist sich sein Kollege Ronald Peterson (Adam Driver) sicher: Es muss sich um eine Epidemie von Zombies handeln.

Diese haben es allerdings nicht nur auf die Bürger von Centerville abgesehen, sondern auch auf Dinge, mit denen sie sich bevorzugt zu Lebzeiten beschäftigt haben. So wandeln sie auf den Straßen - hungrig nach Menschenfleisch, Kaffee und gerne auch einem Gläschen Chardonnay.

Als sich herausstellt, wie man der untoten Ghule habhaft werden kann, macht das Polizistenduo bewaffnet mit Machete und Schrotflinte und unterstützt von ihrer jungen Kollegin (Chloë Sevigny) nun Jagd auf Zombieköpfe, um die Stadt doch noch vor der Invasion zu retten. Unerwartete Unterstützung bekommen sie von der schrägen schottischen Bestatterin Zelda Winston (Tilda Swinton), die mit überirdischer Präzision ihr Samurai-Schwert schwingen lassen kann... (Universal Pictures)

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Foto: The Dead Don't Die (Universal Pictures)

Hans-Ulrich Pönack über den Film:

(...) meine schlechte Güte - er gilt als DIE Ikone des amerikanischen Independent-Films: James R. Jarmusch, der sich JIM JARMUSCH nennt, geboren am 22. Januar in Cuyahoga Falls, Ohio. Was haben wir Werke wie "Stranger Than Paradise"; "Night On Earth" oder "Coffee and Cigarettes" geliebt. Aufgesogen. Sehr gemocht. Doch was er uns jetzt abliefert, ausgerechnet noch als Eröffnungsfilm der Neulich-Filmfestspiele von Cannes, ist "irregulär". Einfach: NICHTS. Ohne Inhalt, Seele, Spaß. Sondern nur eine ganz simple Zombie-Geschichte. Mit einigen laksen "Verrenkungen".

Die in der amerikanischen Provinz angesiedelt ist, wo bekanntlich die "etwas geistig Gemächlichen" leben und nun die Sonne ständig scheint. Auch spät abends. In Centerville. Und wo eines Tages Zombies auftauchen. Schuld an deren Verwesungsauferstehung: polares Fracking. Wird behauptet. Der Mensch hat erst das Klima und nun sich selbst ruiniert. Wird - nebenbei wie alibihaft - erklärt. Denn Jarmusch interessiert sich nicht wirklich für wirkliche heutige Ursachen von Umweltschäden und Auswirkungen, sondern setzt auf das Draufhalten in Promi-Gesichter, die voll inhaltsleer in die Gegend schauen und ständig irgendwas vor sich hin brabbeln. Während es sich die schlurfenden Untoten "schmecken" lassen.

Die Beteiligten sind namhaft: TOM WAITS mimt einen ständig übel gelaunt herum-murmelnden Vollbart-Einsiedler und Waldschrat; STEVE BUSCEMI, mit rotem KAWA-Basecap ausgestattet ("Keep America White Aghain"), imitiert kreischend einen miesen-fiesen Ami-Farmer-Rechtsaußen, der seinen Hund Rumsfeld nennt (Achtung: Ha-Ha); BILL MURRAY bewegt sich als stoischer Polizist kaum und zeigt nur "Gesichts"-Präsenz; sein Kollege ADAM DRIVER erklärt, "das Drehbuch zu kennen" und deshalb mehr zu wissen; und ab und zu hüpft TILDA SWINTON als aus Schottland stammende Bestattungsunternehmerin durch die öde Szenerie, um mit einem Samurai-Schwert herumzufuchteln. Witzig: Das erste Zombie-Paar besteht aus einem vergleichsweise "solide erhaltenen" Rocker-Paar, hinter deren Maske sich immerhin - als Insider-Joke - Iggy Pop und Jarmuschs Lebensgefährtin Sara Driver verbergen. Und erst mal Kaffee trinken, bevor es ans (Zu-)Beißen geht. Dazu wird das Themenlied "The Dead Don't Die" - gesungen von Sturgill Simpson - mehrmals aufgeboten, "ist doch schließlich der Titelsong".

Am Ende rollen Köpfe. Gierige Zombies als laue Metapher: Amerika ist nicht mehr zu helfen. Alles Mist. Von Klima bis Konsum. Wir haben es verkackt. Waren zu gierig. Mag sich Jim Jarmusch gedacht haben. Doch mit nur einigen Anspielungen, Mainstrem-Zitaten auf die Gleichgültigkeit und (Zombie-)Auswüchse von Trump-America zu zielen, ist nicht abendfüllend. Seiner Lästerei fehlen wirkende lakonische Coolness wie durchtrieben-krasse Attacken mit Unterhaltungs- und nicht Langeweile-Geschmack. Jarmusch, der sich 2016 schon mit "Paterson" verhob, müsste mal seinen verstaubten Intellektuellen-Turm verlassen, um sich mehr - und vor allem politisch "bissiger" - zu erden. Reiz und Spannung jedenfalls bleiben bei diesem Provinz-Zombie-Movie von JIM JARMUSCH voll auf der langweiligen Strecke.

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

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