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Ganz großes Kino: Geniales Gangster-Epos von Martin Scorsese

Die Bewertung von Hans-Ulrich Pönack
Nochmal-Ausnahmewerk von Martin Scorsese! Herausragend!
5 Pönis: Einsame Spitze

The Irishman

Genre: Drama
Produktion: USA 2019
Laufzeit: 209 Minuten
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Regie: Martin Scorsese
Darsteller: Robert De Niro, Joe Pesci, Al Pacino, Anna Paquin

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Kinostart:
14. November 2019

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The Irishman

Zum Film:

Das Gangsterdrama «The Irishman» von Regie-Altmeister Martin Scorsese erzählt die Geschichte des Mafia-Killers Frank Sheeran (Robert De Niro), der tatsächlich existierte.

Der Ire erledigte für den Gangsterboss Russell Bufalino (Joe Pesci) und den zwielichtigen Gewerkschaftsführer Jimmy Hoffa (Al Pacino) kriminelle Aufträge.

Regisseur Martin Scorsese verfilmte das Buch «I Heard You Paint Houses», das auf angeblichen Geständnissen von Sheeran basiert. In dem mehr als dreistündigen Mafia-Epos erzählt Sheeran als alter Mann aus seinem langen Gangsterleben.

Der bis in die Nebenrollen top besetzte Film steht in der Tradition großer Scorsese-Klassiker wie «GoodFellas» und «Casino» oder Francis Ford Coppolas Mafia-Saga «Der Pate». (dpa)

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Premiere «The Irishman» in der Cinematheque Francaise (Foto: Francois Mori/AP/dpa)

Hans-Ulrich Pönack über den Film:

(...) Die großen alten weisen weißen Entertainer-Kerle des besten Hollywood-Kinos. Die sich noch einmal zusammenraufen. Für einen Stoff, der wie gemacht für sie ist. Der renommierte Drehbuch-Autor Steve Zaillian ("Schindlers Liste"; "Mission: Impossible"; "Hannibal"; "Die Kunst zu gewinnen - Moneyball") hat die Buch-Vorlage von Charles Brandt, s. Credits, zu einer fesselnden, faszinierenden Crime-Saga verarbeitet, die hin und zurück durch die Jahrzehnte springt, ohne dass man dabei den Überblick verliert und der dramaturgische Faden stets im raffinierten gedanklichen Blickfeld bleibt. Sagenhaft. Kinematografisch wie emotional. Das brillante Gangster-Kino der alten Schule lebt und bebt noch einmal auf. Zupotte kommt Ihnen, dass es heutzutage inzwischen - mit der so genannten Anti-Aging-Technik - möglich ist, sie per Computer-Bild über sechs Jahrzehnte Jahrzehnte jeweils "aktuell aussehen" zu lassen. Was für eine schöner Fopperei mit viel Wahnsinn-Charme.

Nie zu vergessen: Diese Szene aus dem Klassiker "Good Fellas" von 1990, wie damals Ray Liotta und Lorraine Bracco ein Restaurant durch die Hintertür betraten und sich die dahingleitende Steadicam-Kamera am Bauch von MICHAEL BALLHAUS durch die Gänge und Ecken bewegte. Am Anfang von "The Irishman" quasi die Wiederholung, wenn sich die Kamera unter Führung von RODRIGO PRIETO ("21 Gramm"; 2006 "Oscar"-Nominierung für "Brokeback Mountain"; "Babel"; "The Wolf of Wall Street") einen Weg durch ein Altenheim sucht, vorbei am Empfang, an Aufenthaltsräumen, durch Flure und Türen zwängt, inspirierend die Richtung verändert, bis sie am Ziel ihrer Suche ist: bei und am Gesicht von - Frank Sheeran, verkörpert durch (den zur Drehzeit 75-jährigen) Robert De Niro, der, so beschreibt ihn der Rezensent Michael Ranze vom aktuellen "filmdienst", "von hinten wie ein Buddha" ausschaut, "den nichts erschüttern kann. Dann umfährt ihn die Kamera und offenbart sein faltiges Gesicht, die trägen Augen, das graue Haar, die getönte Brille". ER: Das Epizentrum des Films. Jener markante Typ, längst jenseits der 80, der für die amerikanische Mafia einst brutalste Schmutzarbeiten erledigte und als professioneller Auftragsmörder über Jahre und Jahrzehnte unterwegs war. "I Heard You Paint Houses", "Ich habe gehört, dass du Häuser anstreichst", mit diesen Worten engagierte ihn einst der mächtige Gewerkschaftsboss Jimmy Hoffa für "entsprechende Dienste"."Ich mach auch carprenty work", "Zimmermannsarbeiten", antwortete Sheeran; was so viel hieß wie: "Ich beseitige auch die Leichen". Damit war alles geklärt. "Ich habe Leute umgebracht. Ich kannte sie nicht, ich kannte ihre Familien nicht", spricht der Katholik Frank Sheeran im Buch. Sein Gewissen erleichtern wollend.

Und nun hinein. In dieses Nochmal-Ausnahmewerk eines Martin Scorsese, mit seinen unwiderstehlichen Kumpanen de Niro/Pesci/Keitel und Al Pacino. Und all die vielen präzisen Anderen. Vor wie hinter der Kamera. Dass die Namhaften, die Stars, an der Rampe funktionieren, für ihren "Marty" Scorsese noch einmal ihr Bestes abrufen, war klar. Sie bilden sowieso eine sagenhaft dynamische Extra-Klasse in Sachen Präsenz, Charisma, Aura. Für eine optimale Genre-Show-Unterhaltung. Aber, und hier kommt das viele "Netflix"-Money zum Ausdruck, Scorsese fügt sie und SIE=Ensemble zusammen zu einer atmosphärischen, unwiderstehlichen Spitzen-Einheit. Bis hin zum kleinsten Nebenpart überzeugen die vielen verschiedenen menschlichen Bewegungsmelder als markante Fingerzeige auf den überwältigenden Gesamt-Rhythmus.

Dazu wären jetzt natürlich noch weitere lobende Erläuterungen über kompetente Ausstattung, erlesene Bauten und die angemessene stimmungsintensive Soundtrack-Schwungbegleitung fällig, aber viel lieber gefallen mir die Abschlussworte aus einem Interview des österreichischen Filmmagazins "Ray", Ausgabe 11/19, mit Al Pacino & Robert De Niro. Auf die Frage, ob es "das jetzt mit Scorsese" endgültig war? Al Pacino: "Wir haben uns die Hände gereicht und geschworen, nie wieder zusammenzuarbeiten. Das war's". Robert De Niro: "Wir haben etwas auf die Beine gestellt, was wir wahrscheinlich so nicht noch einmal machen werden. Vielleicht haben wir Glück, und etwas anderes tut sich auf. Aber in jedem Fall haben wir diesen Film, und der hat eine Menge Arbeit und Durchhaltevermögen gekostet. Aber wir haben es über die Zielgerade geschafft".

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

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