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Christian Petzolds Kinoexperiment «Transit»

Die Bewertung von Hans-Ulrich Pönack
Pönis
Richtig gut

Transit

Genre: Drama
Produktion: Deutschland 2018
Laufzeit: 101 Minuten
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Regie: Christian Petzold
Darsteller: Franz Rogowski, Paula Beer, Godehard Giese

Filmseite: www.transit-der-film.de
Kinostart:
5. April 2018

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Pönis Filmkritik zu «Transit» anhören...

Zum Film:

Der Flüchtling Georg gelangt in Paris durch Zufall an die Papiere des Schriftstellers Weidel, der sich das Leben genommen hat. Darunter sind auch Genehmigungen für ein Transitvisum nach Mexiko.

Georg erkennt schnell, welchen Wert diese Papiere haben und nimmt die Identität Weidels an. «Transit» basiert auf dem gleichnamigen Roman von Anna Seghers aus dem Jahr 1942 - Regisseur Christian Petzold verlagerte die Geschichte aber in unsere Gegenwart. So verwischen die Grenzen zwischen dem Damals und Heute und machen gleichzeitig Parallelen in der Historie deutlich. (dpa)

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Transit (Foto: -/Piffl Medien GmbH/dpa)

Hans-Ulrich Pönack über den Film

(...) Der Film „Transit“ besitzt einen „Casablanca“-Hauch mit aktueller politischer Tiefe. Du Mensch. Willst Da-Sein, leben, wo es Dir gefällt. Oder wo es möglich und machbar ist. Betrachtet beim Zustand dieses Kosmos. Die Herrschenden, die Bestimmenden, aber lassen das nicht zu. Du hast nur zwei Möglichkeiten: Dich zu arrangieren, mit den Faschisten zu kooperieren und gegebenenfalls Dich vernichten zu lassen, wenn es ihnen passt, oder zu flüchten. Nach Dorthin, wo dich offiziell niemand behelligt. Aber wo ist der Ort, den du künftig Zuhause nennen darfst? Unverkrampft stöbert Christian Petzold in zeitgemäßen (Flüchtlings-)Gedanken. Nirgendwo Ruhe. Sondern überall Sturm. Auch in Marseille ist das existenzielle Fegefeuer dabei, heimisch zu werden. Während ein Off-Erzähler (MATTHIAS BRANDT) die Seelen-Routen der Beteiligten beschreibt. Mexiko? Doch Mexiko?

CHRISTIAN PETZOLD, Jahrgang 1960, zuletzt mit seinen Filmen „Barbara“ (2012/s. Kino-KRITIK) und „Phoenix“ (2014) in den Kinos, erzählt von einem spannenden, bestürzenden Schwebezustand. „Mensch“ will leben, existieren, ankommen, darf es aber kaum noch. Es gibt kein Zurück mehr, aber auch kein Vorwärts. Zudem: Niemand interessiert sich für sie. Die Herumreisenden. Mit ihren Transit-Aufenthalten. Mit Ausnahme der Polizei und der Kollaborateure, die an den vielen Überwachungskameras hantieren. Ein gespenstisches Dazwischen-Leben formuliert sich. Die Gegenwart zieht – einfach so – vorbei und nimmt keine Notiz von ihren Gespenstern. Was uns zum Heute, Hier und Jetzt führt. Unweigerlich stürmen die Gedanken. Während dieses traumatischen, universellen Lebens-Taumels.

FRANZ ROGOWSKI & PAULA BEER. Er ist derzeit filmisch viel unterwegs (auch in „Victoria“- s. Kino-KRITIK – war er 2015 überragend), er wird hofiert („Berlinale Shooting Star“ 2018) und offenbart auch hier erneut eine atemberaubende sensible Präsenz. Sie, neulich unglaublich beeindruckend in „Frantz“ (s. Heimkino-KRITIK), strahlt eine enorme Gefühlskraft aus.

„Road to Nowhere“ singen am Schluss die „Talking Heads“ und verweisen auf den politischen Takt-Trend. „Transit“ ist ein hervorragender aktueller Klima-Spielfilm.

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

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