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Neue Komödie fragt mal nach

Die Bewertung von Hans-Ulrich Pönack
Der Film macht Laune, ist witzig, dabei ulkig-liebevoll.
4 Pönis: Richtig gut

Wie gut ist deine Beziehung?

Genre: Komödie
Produktion: Deutschland 2019
Laufzeit: 110 Minuten
FSK: ab 0
Regie: Ralf Westhoff
Darsteller: Julia Koschitz, Friedrich Mücke, Bastian Reiber, Maja Beckmann, Michael Wittenborn

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Kinostart:
28. Februar 2019

Pönis Filmkritik anhören:

Wie gut ist deine Beziehung?

Zum Film:

«Keine Angst vor Veränderung!» Wenn's nur so einfach wäre. Steve zumindest, von seiner langjährigen Freundin Carola mit ebendiesen Worten morgens zur Arbeit verabschiedet, möchte eigentlich, dass alles so bleibt, wie es ist.

Aber auf der Arbeit warten blutjunge Anzugträger mit Berater- und Optimierungsauftrag auf den nicht mehr ganz so blutjungen IT-Spezialisten Steve. Als dann noch sein Kollege und Freund Bob damit rausplatzt, dass seine Freundin ihn von heute auf morgen verlassen hat, beginnt der Zweifel auch an Steve zu nagen. Was, wenn auch Carola heimlich nicht mehr mit ihm glücklich ist? Und wie zum Himmel kann er notfalls neuen Schwung in die bewährte und geliebte Liebe bringen? (dpa)

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Kinostart «Wie gut ist deine Beziehung?» (Foto: -/ X Verleih /dpa)

Hans-Ulrich Pönack über den Film:

(...) Man mag sich. Sehr sogar. Zwischen Software-Entwickler Steve (FRIEDRICH MÜCKE) und Carola (die einmal mehr becircend-zauberhafte: JULIA KOSCHITZ) stimmt es. Man ist seit fünf Jahren zusammen und bildet eine feste Paar-Einheit. Die eigentlich durch Nichts gefährdet ist. Die Betonungen liegen auf = eigentlich wie auch auf = Nichts. Steve, Typ-Marke "Ich will, dass alles so bleibt, wie es ist", hat einen besten Freund. Bob (BASTIAN REIBER). Den hat soeben seine langjährige Freundin verlassen. Für einen deutlich älteren Tantra-Lehrer. Namens Harald (MICHAEL WITTENBORN = warum hat DEN eigentlich hierzulande noch niemand als "erheblichen Komiker" entdeckt/in Bewegung gesetzt?). Bob ist emotional im totalen Wehleid. "Schaltet" Steve mit ein. Will - mit dessen "Hilfe" - "praktisch" herausbekommen, warum die ehemals Seinige ihn "für DEN" (Harald) verlassen hat. Zugleich sät Bob beim derzeit etwas labilen Steve eine, sagen wir einmal, "angespannt-gefühlvolle Nervosität". Wenn denn eine solch feste Bindung wie die bei seinem Kumpel in die Brüche gegangen ist, kann "so etwas" nicht auch bei seiner passieren? Also fängt er an, auf "Symptome" zu achten. Bei sich zu Hause. Und überhaupt. Was Carola mehr und mehr "irritiert". Deren beratende (Zicken-)Freundinnen aber auch "nicht ohne" atmosphärisch hantieren.

Zudem: in Stevens Büro herrscht derzeit "Alarm". In Gestalt von zwei blutjungen Unternehmensberater (= herrlich alberne Gesichts-Hansel), die den - an sich gut eingestellten, gut funktionierenden - Betrieb mal auf Schwachstellen-hin "ausleuchten" sollen. Wollen. Für den Besitzstandsbewahrer Steve ist das plötzlich alles (zu) viel auf einmal. Mit Folgen: Das emotionale wie das geschäftige Kuddelmuddel kommt in tüchtigen, ulkigen Schwung.

Normalerweise können mich die meisten deutsche Beziehungskomödien mal. Von wegen fade und lau. Hier aber nicht. Denn RALF WESTHOFF vermag gescheite Dialoge herbei-zu-schreiben UND sie eben amüsant zu inszenieren; also überzeugend-fröhlich klingen zu lassen. Was zum Dauer-Schmunzeln in Sachen Viel-Eigen-Erkennung führt. Man sieht sich förmlich mit-spielen. Was bedeutet, dass einem das Personal zwar verpeilt, aber auch bekannt, also hübsch-verpeilt, vorkommt. Zudem ist - wie gewohnt bei Westhoff - das Ensemble mit Clever-Typen-originell zusammengesetzt und beschwingt mit viel Miteinander-Chemie. Anstatt, wie sonst oft "Deutsch"-erlebt, verkrampft-bemüht herum-zu-tun. Hier darf man, ohne dass es wehtut, tatsächlich gerne zuhören, zuschauen. Sich faustdick-nett unterhalten.

Und dann fällt auch noch der schönste Satz überhaupt - von Tantra-Harald: "Euch Computer-Typen sollte man einen Betreuer zur Seite stellen. Immer, wenn ihr frei-habt"!

"Wie gut ist deine Beziehung?": macht Laune, ist witzig, dabei ulkig-liebevoll; verdammt: Wir haben hierzulande einen filmischen Spaß-Macher, der sein Pointen-Handwerk pikobello versteht. Hegen und pflegen wir ihn und vor allem - besuchen wir ihn viel. Jetzt im Kino.

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

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