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Spanische Komödie über einen gescheiterten Basketball-Coach, der dazu verdonnert wird, ein "spezielles" Team zu trainieren

Die Bewertung von Hans-Ulrich Pönack
"Wir sind Champions" transportiert eine ebenso feinfühlige wie humorvolle "Musketier"-Stimmung
4 Pönis: Richtig gut

Wir sind Champions

Genre: Komödie
Produktion: Spanien 2018
Laufzeit: 119 Minuten
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
Regie: Javier Fesser
Darsteller: Javier Guttiérrez, Gloria Ramos, Jesús Vidal...

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Kinostart:
20. September 2018

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Wir sind Champions

Zum Film

Irgendwie läuft es momentan bei Marco (Javier Gutiérrez) nicht rund. Als Co-Trainer einer spanischen Basketballmannschaft heimst nur der Trainer das Lob und die Anerkennung ein und auch privat könnte es nicht schlechter laufen: Seine Ehe steht kurz vor dem Aus.

Frustriert über sein Leben, und dass immer nur die anderen Gewinner sind, kommt es auf dem Spielfeld zum Eklat. Er beschimpft das Team, wird vom Feld geschmissen, betrinkt sich und baut einen Autounfall, was ihm prompt einen Gerichtsprozess beschert. Doch das Urteil ist so gar nicht nach seinem Geschmack. Er soll in seiner Freizeit gemeinnützig eine ganz besondere Basketballmannschaft trainieren: Ein Team, bestehend aus Menschen mit geistiger Behinderung. Und was er mit ihnen erlebt schüttelt sein Weltbild ordentlich durcheinander... (Concorde Filmverleih)

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Foto: Wir sind Champions (Concorde Filmverleih)

Hans-Ulrich Pönack über den Film:

(...) Marco (JAVIER GUTIÉRREZ) ist ein ausgemachtes, arrogantes Arschloch. Erst passt es ihm nicht mehr, "nur" Co-Trainer einer spanischen Profi-Basketballmannschaft zu sein, zwar anerkannt, aber eben immer nur "zweite Bestimmungsgeige", dann schupst er seinen First Chef in aller Öffentlichkeit, so dass die Kündigung folgt, später fährt er besoffen mit dem Auto, baut einen Unfall und zofft sich mit der Polizei. Marco ist frustriert, weil auch seine Ehe auf der Kippe steht, während die Richterin ihn dazu verdonnert, in den nächsten drei Monaten "gemeinnützige Sozialarbeit" zu leisten, wenn er nicht ins Gefängnis gehen möchte: Marco soll eine "spezielle" Basketballmannschaft trainieren, bestehend aus Menschen mit geistiger Behinderung. Die "Los Amigos". Na, das kann ja heiter werden.

Wird es auch. Denn was hier der sich selbst überschätzende Marco in der nächsten Zeit erlebt, schüttelt sein Weltbild reichlich durcheinander. "Campeones", "Meister", war in diesem Jahr in Spanien mit bislang knapp 2 Millionen Besucher d e r große Kino-Renner und vertritt Spanien demnächst bei der Auslands-"Oscar"-Nominierungsauswahl. Und handelt listig doppelbödig davon, wie ein egozentrischer "Normaler" bei den bzw. von "Bekloppten" lernt, sich halbwegs wieder zu erden. Sich Menschlichkeit, besser Mitmenschlichkeit, anzueignen. Solidarität zu empfinden und überhaupt - wieder Spaß zu bekommen. Zu haben. Und dies ausgerechnet über jene, die mit sich sowieso schon genug zu tun haben.

Neben dem Profidarsteller JAVIER GUTIÉRREZ ("Assassin's Creed") als Marco Montes besetze Regisseur Javier Fesser bei seinem fünften Spielfilm seine wunderbar selbstironische, aufmüpfige Spieler-Gruppe mit liebenswerten Laien, zu denen sich schließlich auch die urige Downsyndromerin GLORIA RAMOS als kampfbewusste Amazone Collantes gesellt. "Ich verstehe, dass du nicht so einen Sohn wie mich haben willst, aber ich hätte gerne so einen Vater wie dich", sagt einmal Einer "von Denen" zu Marco, und dies signalisiert die ebenso feinfühlige wie humorvolle "Musketier"-Stimmung hier. Bei dieser lockeren Komödie: EINER FÜR ALLE UND ALLE FÜR EINEN.

Mehr Infos, Kritiken zu Kinofilmen und DVD's gibt es in Pönis Filmclub auf www.poenack.de

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