26. Juli 2021 – dpa

Fusion gescheitert

Zusammenschluss von Vonovia und Deutsche Wohnen gescheitert... FRAGEN & ANTWORTEN!

Berlin
Berlin, Foto: Christoph Soeder/dpa

Deutschlands größter Wohnungskonzern Vonovia ist bei der geplanten Übernahme des Branchenzweiten Deutsche Wohnen erneut gescheitert. Das Bochumer Unternehmen sicherte sich nach Mitteilung vom Montag weniger als die nötigen 50 Prozent der Deutsche-Wohnen-Anteile. Bereits am Freitag hatte Vonovia bekanntgegeben, dass die Mindestannahmeschwelle voraussichtlich nicht erreicht wird.

Vonovia konnte sich nur 47,62 Prozent des Grundkapitals und der Stimmrechte der Deutsche Wohnen sichern. Vonovia hatte einen Mindestanteil von 50 Prozent als Bedingung in das Übernahmeangebot geschrieben. Diese Vollzugsbedingung sei «endgültig ausgefallen«, heißt es in der Mitteilung vom Montag. Die eingereichten Deutsche-Wohnen-Aktien würden zurückgebucht.

Vonovia
Vonovia, Foto: Marcel Kusch/dpa

Vonovia wollte mit der rund 18 Milliarden Euro schweren Übernahme der Deutschen Wohnen aus Berlin Europas größten Immobilienkonzern mit rund 550 000 Wohnungen bilden. Vorstand und Aufsichtsrat der Deutsche Wohnen hatten den Aktionärinnen und Aktionären empfohlen, das Übernahmeangebot anzunehmen. Die notwendigen Investitionen in bezahlbares Wohnen, Klimaschutz und Neubau ließen sich nach einem Zusammenschluss gemeinsam besser schultern.

Vonovia-Chef Rolf Buch hatte am Freitag, als sich das Scheitern der Übernahme abzeichnete, erklärt, der Konzern werde die möglichen Optionen prüfen, «wie zum Beispiel einen Verkauf der derzeit von Vonovia gehaltenen Aktien an der Deutsche Wohnen, ein erneutes öffentliches Angebot oder den Erwerb weiterer Aktien».

Deutsche Wohnen
Deutsche Wohnen, Foto: Paul Zinken/dpa

Bereits 2016 war Vonovia mit einem Übernahmeversuch bei Deutsche Wohnen gescheitert. Auch damals wurde die Mindestannahmequote für die Milliarden-Offerte nicht erreicht. Im Gegensatz zur neuen Offerte hatte der Vorstand der Deutsche Wohnen das Angebot als feindlich eingestuft und sich heftig gegen den Plan gewehrt. Nun warben beide Unternehmen gemeinsam für die Annahme des Angebots.

Das Bundeskartellamt hatte bereits im Juni grünes Licht für den Zusammenschluss der beiden größten deutschen Wohnimmobilienkonzerne gegeben. Die gemeinsamen Marktanteile der Unternehmen rechtfertigten keine wettbewerbsrechtliche Untersagung, hatten die Wettbewerbshüter mitgeteilt. Sie verwiesen dabei auf das Beispiel Berlin, wo von den knapp 1,7 Millionen Mietwohnungen in der Stadt rund 150 000 auf die Deutsche Wohnen und Vonovia entfielen.

Stadtansicht - Berlin mit Karl-Marx-Allee
Stadtansicht - Berlin mit Karl-Marx-Allee, Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dp

Nach erneutem Aus für Immobilien-Fusion: Wagt Vonovia dritten Anlauf?

Die Absage der Aktionäre der Deutsche Wohnen an eine Übernahme durch den Immobilienkonzern Vonovia hat viele überrascht. Andere freuen sich über das Aus. Wie es weitergeht, ist noch offen.

Welche Folgen hat das vorläufige Scheitern der Fusion für die Mieter?

Vorerst wohl keine. «Es bleibt alles beim alten», sagte der Immobilienökonom Pekka Sagner vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft. «Für die Mieter wird sich nichts ändern. Wahrscheinlich wäre auch bei einer Fusion wenig passiert, außer dass sich der Briefkopf geändert hätte.»

Vonovia und die Deutsche Wohnen wollen sich an Zusagen halten, die sie bei Bekanntgabe ihres Fusionsplans gemacht hatten. Beide Unternehmen wollen die die regulären Mieterhöhungen in ihrem Berliner Bestand insgesamt auf höchstens ein Prozent jährlich begrenzen, in den beiden danach folgenden Jahren nur im Rahmen des Inflationsausgleichs. Bei bei Modernisierungen für den Klimaschutz soll die Modernisierungsumlage maximal 2 Euro pro Quadratmeter betragen.

Was sagen Mietervertreter?

«Den Mieterinnen und Mietern hätte eine Fusion überhaupt nicht geholfen», sagte der Präsident des Deutschen Mieterbundes, Lukas Siebenkotten. Der Mieterbund sei deshalb froh, dass der Zusammenschluss nicht zustande gekommen ist. «Wir sehen keine Vorteile darin, wenn wir immer größere Wohnungskonzerne bekommen.»

Der Berliner Mieterverein hatte die Ankündigungen der Konzerne als «weitgehend heiße Luft» kritisiert. Gemäß Mietspiegel sei die ortsübliche Vergleichsmiete zuletzt in Berlin lediglich um 1,1 Prozent gestiegen ist. Da sei ein Verzicht auf 0,1 Prozent «kein wirkliches Geschenk». Auch die Kappung der Mieterhöhung nach Modernisierung bei 2 Euro gehe überwiegend nicht über das Gesetz hinaus.

Warum hat Vonovia die notwendigen Aktien nicht bekommen?

Mit einem Scheitern des Vonovia-Angebots war allgemein nicht gerechnet worden, zumal Vorstand und Aufsichtsrat der Deutsche Wohnen sich hinter die Offerte des Konkurrenten gestellt hatten. Analyst Armin Kremser von der DZ Bank wertete die erneut gescheiterte Übernahme auch deshalb als «echte Überraschung».

Vonovia-Chef Rolf Buch machte Hedgefonds verantwortlich. Etwa 30 Prozent der Aktien der Deutsche Wohnen seien im Besitz von Investoren, die auf «ein besseres Angebot, etwa im Rahmen von nachfolgenden Integrationsmaßnehmen» spekuliert hätten. «Da hat sich offenbar jemand verrechnet», sagte Buch dem «Handelsblatt».

Wie hat der Aktienmarkt reagiert?

An der Börse gilt die Deutsche Wohnen nicht als Verlierer der vorerst gescheiterten Fusion. Am Montag legte die Aktie des Berliner Unternehmens in schwächerem Umfeld etwas zu. Deutsche Wohnen überzeuge auch dank des Fokus auf Berlin, Dresden/Leipzig und Frankfurt mit hoher Effizienz, schrieb der Berenberg-Experte Kai Klose in einer Studie. Solange die Nachfrage nach Wohnungen in Ballungsräumen hoch bleibe, habe das Unternehmen gute Perspektiven.

Wie geht es jetzt weiter?

Vonovia-Chef Buch schließt ein nochmaliges Übernahmeangebot nicht aus. Es wäre das dritte. Andere Optionen seien der Verkauf der derzeit von Vonovia gehaltenen Aktien an der Deutsche Wohnen oder der Erwerb weiterer Aktien. Mit gut 18 Prozent ist Vonovia der größte Aktionär der Deutsche Wohnen. Börsenanalysten rechnen mit einer neuen Offerte für die Deutsche Wohnen.

Vonovia könnte aber noch stärker als bisher seine Investitionen ins Ausland lenken. Nach Österreich und Schweden möchte Buch bei seinem Expansionskurs auch in Frankreich und den Niederlande stärker Fuß fassen. Eine Übernahme der Deutsche Wohnen wäre aber der einfachere Weg für weiteres Wachstum.

Weitere News

undefined
Live
Audiothek