12. Oktober 2026 – dpa

Happy Birthday, Ampelmännchen

Ost-Ampelmännchen wird 65 – und hat kuriose Geschwister

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Foto: Iryna - stock.adobe.com

Das Ost-Ampelmännchen könnte langsam an den Ruhestand denken. Immerhin feiert das leuchtende Helferlein am Dienstag (13. Oktober) seinen 65. Geburtstag. Doch der markante Hutträger lässt sich nicht so einfach aus dem Verkehr ziehen. Kaum ein Symbol aus der DDR hat mehr Fans als der kleine, etwas gedrungene Herr in Grün und Rot.

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Der 2009 gestorbene Erfinder des Ampelmännchens, Karl Peglau, hält am 10.05.2007 in Berlin ein rotes und ein grünes Ampelmännchen in seinen Händen, Foto: Stephanie Pilick/dpa

Ampelmännchen wird weltweite Kultfigur

Am 13. Oktober 1961 stellte der Verkehrspsychologe Karl Peglau seine Entwürfe neuer Leitsymbole dem Ost-Berliner DDR-Verkehrsministerium vor. Das Ost-Ampelmännchen war geboren und prägte das Stadtbild des sozialistischen Staates über Jahrzehnte. In den Nachwendejahren wurde der sympathische Herr zur Kultfigur – in Deutschland und darüber hinaus. Das eher schmalbrüstige Piktogramm-Pendant im Westen hatte bei Weitem nicht solche Beliebtheitswerte und wurde inzwischen teils vom Ost-Brüderchen ersetzt.

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Hildegard Peglau, die Witwe des Ampelmännchen-Entwicklers Karl Peglau, unterhält sich am 15.08.2011 in ihrer Wohnung in Berlin Pankow, Foto: Tim Brakemeier/dpa

Doch mit der Zeit wollten sich manche Städte nicht mehr allein mit dem gesichtslosen Kollegen samt Hut zufriedengeben und brachten im Sinne des Standortmarketings eigene Entwürfe an den Start, um den Fußgängerverkehr zu regeln. In ganz Deutschland wimmelt es mittlerweile an Ampeln nur so von schier unzähligen Fernsehstars, Comicfiguren und allerlei Gestalten aus Sage und Geschichte.

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Ampel-Mainzelmännchen, Foto: Andreas Arnold/dpa

Mainzelmännchen übernehmen den Takt

Sie sind die vielleicht bekanntesten Werbemaskottchen im deutschen Fernsehen: die Mainzelmännchen aus Mainz. Sie zieren seit 2016 in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt vor allem die Kreuzungen rund um den Standort des ZDF. Wenn die Männchen keine Fußgängerströme regeln, kündigen sie in dem Sender die Werbepausen an.

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Die lebensgroßen Figuren von Ernie und Bert aus der Sesamstraße bei der Montage und Einweihung einer Fußgängerampel mit den Sesamstraßenfiguren in Hamburg, Foto: Christian Charisius/dpa

Wenn die Sesamstraße auf Grün schaltet

Seit Januar 2026 haben an zwei Hamburger Fußgängerampeln Ernie und Bert aus der «Sesamstraße» das Sagen. «Bei Bert bleibst du stehen, bei Ernie kannst du gehen!», so das Motto. Bert findet das aber gar nicht schlimm: «Wer bei mir stehen bleibt, hat mehr Zeit, die Tauben zu beobachten.»

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Ein grünes Wikinger-Ampelmännchen, Foto: Marcus Brandt/dpa

Ein Wikinger ruft zur Überfahrt

Bei Grün schwingt im norddeutschen Haddeby ein Wikinger seine Axt. Seit 2025 hilft der Krieger Fußgängern nahe dem Wikingermuseum Haithabu, die dortige Bundesstraße zu überqueren – statt mit einem Langschiff aber ganz unspektakulär per pedes. Vorbild ist die dänische Stadt Aarhus, dort gibt es seit 2019 die skandinavischen Vorfahren in Grün und Rot.

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Die erste Otto-Ampel in Anwesenheit des Komikers Otto Waalkes, Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Der berühmteste Ostfriese gibt grünes Licht

In Emden muss Otto nicht auf die große Bühne. Ein kleiner Auftritt an der Ampel reicht – Hauptsache, die typische Hüpfpose sitzt. Da braucht es keinen Stern auf dem Walk of Fame. Die ostfriesische Stadt schreibt trocken: Die Symbole sollen «die fußgängerischen – durchaus touristischen – Wegebeziehungen "Parkhaus, Bahnhof, Kunsthalle, Innenstadt" aufwerten.»

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In der Nürnberger Innenstadt zeigt eine Fußgängerampel nach Albrecht Dürers Vorbild bei Rot einen sitzenden und bei Grün einen springenden Feldhasen, Foto: Daniel Vogl/dpa

Dürers Hase hoppelt auf Signal

In Erinnerung an den berühmten Renaissance-Künstler Albrecht Dürer regelt ein Feldhase – nach dessen gleichnamigen Aquarell – den Fußgängerverkehr in Nürnberg. Der Freistaat Bayern setzt ohnehin viel auf rot-grünes Lokalkolorit: In der Landeshauptstadt München schmückt Meister Eders Pumuckl und in Augsburg das Kasperle aus der «Puppenkiste» die Ampeln.

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Sachsen-Anhalt, Wernigerode: Die Ampel zeigt in der grünen Phase eine Hexe und in der roten Phase eine Teufelsfigur., Foto: Matthias Bein/dpa

Teufel stoppen und Hexen locken

In Wernigerode müssen sich Fußgänger vor verhexten Lichtsignalen in Acht nehmen. Wer in der sachsen-anhaltinischen Stadt, die mit ihrer Nähe zum sagenumwobenen Brocken wirbt, seit 2023 den roten Teufel sieht, sollte besser den Gang zügeln. Erst die Hexe lädt zum Überqueren der Straße ein. Ein Ritt auf dem Besen ist dafür ausdrücklich nicht vorgeschrieben.

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Eine Karl-Marx-Figur leuchtet in Trier an einer Fußgängerampel, Foto: Harald Tittel/dpa

Den Sozialisten in seinem Lauf hält auch mal ein Rotlicht auf

Im rheinland-pfälzischen Trier sagt der berühmte Sohn der Stadt, Karl Marx, mit seinem wallenden Bart und Gehrock seit 2018 den Fußgängern, wann sie gehen dürfen und wann sie zu stehen haben. Kommunismus-Kompagnon Friedrich Engels hingegen muss in seiner Geburtsstadt Wuppertal (Nordrhein-Westfalen) auf das Rot der Revolution verzichten. Er ist nur bei Grün zu sehen.

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Grün zeigt die Fußgängerampel mit Martin Luther in Worms., Foto: Jasper Rothfels/dpa

Hier steht Luther – bis Grün aufleuchtet

«Hier stehe ich und kann nicht anders.» Mit diesen Worten soll sich Martin Luther der Legende nach im April 1521 auf dem Reichstag zu Worms geweigert haben, seine 95 Thesen zurückzunehmen. Womöglich entfährt der Satz seit 2019 auch manchem Fußgänger, wenn ihm der Reformator breitbeinig und rot einmal den Gang durch die rheinland-pfälzische Stadt verlangsamt.

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Ein Bergmann mit Grubenlampe leuchtet in Bergkamen rot und grün als Ampelmännchen., Foto: Bernd Thissen/dpa

Grubenlampe trifft auf Römer-Lanze

Die Ruhrgebietsstadt Bergkamen hebt gleich zwei ihrer Besonderheiten hervor: den Bergbau und die antike Geschichte. Seit 2019 leuchtet ein Kumpel mit Grubenlampe. Und weil vor 2.000 Jahren hier auch die bedeutendste militärische Anlage im Germanien jener Zeit entstand, regelt ein Römer mit Helm, Schild und Lanze heute den Verkehr – trotz Mangels an Streitwagen.

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Der Rattenfänger von Hameln, dargestellt von Michael Boyer, lächelt neben der Rattenfänger-Ampel in Hameln., Foto: Peter Steffen/dpa

Hameln folgt wieder einmal dem Rattenfänger

In Hameln führt der Rattenfänger heute nicht mehr ins Verderben, sondern sicher auf die andere Straßenseite. Auf einigen Fußgängerampeln erscheint er seit 2019 mitsamt seinem flatternden Umhang. Von Flötentönen als akustisches Signal ist allerdings nichts bekannt.

Die Republik leuchtet längst in vielen Varianten, die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Doch das bekannteste Ampelmännchen trägt weiterhin Hut – und darf an seinem 65. Geburtstag ruhig ein wenig mehr im Rampenlicht stehen.

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