08. Juni 2026 – dpa
Ein Bundespräsident im Maßstab 1 zu 5 aus dem 3D-Drucker und ein nächtlicher SOS-Hilferuf aus seinem Amtssitz - Schloss Bellevue verwandelt sich in der zweiten Juni-Hälfte vorübergehend in eine Galerie für zeitgenössische Kunst. Bevor der Berliner Amtssitz von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ab Juli für mehrere Jahre für eine Grundsanierung geschlossen wird, zeigen in den schon leeren Räumen mehr als 20 Mitglieder der Akademie der Künste ihre Werke.
Dazu wird auch eine Lichtinstallation des Künstlers Bjørn Melhus gehören. Er wird während der vom 13. bis 28. Juni dauernden Ausstellung jede Nacht drei Stunden lang durch die Fenster des Obergeschosses mit Lichtsignalen den international bekannten Morse-Hilferuf SOS (Save Our Souls/Rettet unsere Seelen) senden. «Das kann man natürlich so interpretieren, wie man möchte», sagte der Vizepräsident der Akademie der Künste, Anh-Linh Ngo.
Steinmeier betont Bedeutung der Kunst für die Demokratie
Hilfe kann aus Sicht von Hausherr Steinmeier in jedem Fall die Kunst selbst brauchen. Er sagte bei einem Besichtigungstermin für Medien, die Ausstellung sei für ihn wichtig, weil die Bedeutung von Kunst und Kultur für die Gesellschaft inmitten der aktuellen schwierigen Debatten etwas in den Hintergrund zu geraten scheine. «Das schmerzt die Kulturschaffenden, aber das schmerzt auch jemanden wie mich, den Literatur, Theater, Film und vor allem Jazz sein Leben lang begleiten.»
Steinmeier betonte die Bedeutung von Kunst und Kultur für die Demokratie. «Demokratische Gesellschaften leben nun mal von unterschiedlichen Stimmen. Kunst macht unterschiedliche Erfahrungen, Prägungen und Lebensrealitäten sichtbar», sagte er. «Kunst ist in diesem Sinne eben kein Luxus, sondern essenzieller Teil der demokratischen Debatte.»
Hausherr als Figur aus dem 3D-Drucker zu sehen
Aus Steinmeiers Sicht gibt die Ausstellung Bürgerinnen und Bürgern auch die Gelegenheit, vom Amtssitz des Staatsoberhaupts vor dessen Schließung für mehrere Jahre Abschied zu nehmen. Er selbst wird für die Besucher der Ausstellung zu sehen sein - auf einem Sockel in Form eines 3D-Scans im Maßstab 1 zu 5, den die Künstlerin Karin Sander gefertigt hat. Das sei nicht etwa seine Idee gewesen, sondern die der Künstlerin, betonte Steinmeier.
Der Präsident der in diesem Jahr 330 Jahre alt werdenden Akademie der Künste, Manos Tsangaris, sagte, die Idee der Ausstellung mit dem Titel «Freiraum Kunst» sei in seinem Haus mit großer Begeisterung aufgenommen worden. Er betonte, die Akademie habe bei der künstlerischen Gestaltung absolute Freiheit gehabt. «Es gab keinerlei Einflussnahme.»
Als Porträt gibt es bereits die erste Bundespräsidentin
Die Bilder, Video-Installationen und Plastiken lassen die Räume von Schloss Bellevue in einem völlig neuen Licht erscheinen. So hängt nun zum Beispiel in der Eingangshalle vor dem kleinen Holztisch, auf dem bislang das Gästebuch für Besucher auslag, ein Gemälde von El Bocho im Street-Art-Stil. Es zeigt drei in einer Runde zusammenstehende Männer - Männer, die bisher die Politik in der Hauptstadt dominiert haben. Auch das Schloss Bellevue.
An der Wand gegenüber hängt möglicherweise die Zukunft: ein fiktives Porträt - ebenfalls von El Bocho - mit dem Titel «Die Bundespräsidentin». Der oder die Nachfolgerin von Steinmeier wird am 30. Januar kommenden Jahres gewählt.
Infos zur Ticketbuchung: freiraum-kunst.eu/de/event/ticketbuchung
Infos zur Pop-Up-Galerie: adk.de/programm/veranstaltungskalender/2026/06/freiraum-kunst-akademie-der-kuenste-goes-bellevue/571965
Zur Mitteilung: www.bundespraesident.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2026/04/260427-Freiraum-Kunst.html