06. Oktober 2020 – dpa

Schnupfen und Co.

Was wirklich bei Erkältungen hilft...

Grippe
Grippe, Foto: Christina Sabrowsky/dpa

Die Nase läuft, der Hals kratzt, der Husten plagt - Erkältungen sind meistens harmlos, aber lästig: Man ist nicht richtig krank, aber auch nicht richtig fit. Und meistens dauert das Ganze auch noch länger, als einem lieb ist.

Doch was hilft gegen eine Erkältung? Und wann sollte man doch lieber zum Arzt gehen? Experten erklären, wie Sie gut durch diese Corona-bedingt besondere Erkältungssaison kommen.

Eine Erkältung - was ist das eigentlich?

Eigentlich ist die Bezeichnung Erkältung irreführend, denn sie wird nicht durch niedrige Temperaturen ausgelöst, sondern durch Viren. Es gibt ungefähr 200 verschiedene Erkältungsviren, die sich bei Kälte lediglich leichter verbreiten können.

Diese Viren sorgen dafür, dass die Schleimhäute in der Nase anschwellen und vermehrt Sekret «anfällt», wie Prof. Thomas Deitmer, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC) erklärt. Der Rachen ist bei einer Erkältung entzündet, das Schlucken fällt einem schwerer.

Auch der Kehlkopf und die Bronchien sind betroffen: Man ist heiser, hat Husten und auch hier entsteht mehr Sekret. Die Flimmerhärchen auf den Schleimhäuten, die Sekret und Schmutz eigentlich aus dem Körper herausbefördern sollen, sind während einer Erkältung paralysiert, sodass dieser Transport nicht funktioniert.

Übrigens: «Früher wurde die Erkältung Katarrh genannt, was so viel heißt wie vermehrter Schleimanfall», erklärt Deitmer.

Welche Medikamente helfen gegen Erkältung?

Die Antwort ist ernüchternd: gar keine. «Es gibt keine kausale Therapie, man kann nur etwas gegen die Symptome tun», sagt Deitmer.

Abschwellende Nasentropfen gegen Schnupfen, schleimverflüssigende Mittel gegen Husten und Medikamente mit den Wirkstoffen Paracetamol, Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure (ASS) gegen Fieber und Schmerzen. Gerade bei Erkältung werden oft Kombipräparate eingenommen - also Medikamente, die gegen mehrere Symptome helfen sollen.

Das ist zwar praktisch, wie Ursula Sellerberg erklärt. Die stellvertretende Sprecherin der Bundesapothekerkammer betont aber zugleich: «Wenn man ein Kombipräparat einnehmen will, sollte man auch alle Symptome haben, die von dem Präparat abgedeckt werden.» Ansonsten empfiehlt Sellerberg, die zwei stärksten Symptome auszuwählen und diese gezielt zu behandeln.

Gibt es pflanzliche Mittel gegen Erkältung?

Es gibt eine ganze Reihe pflanzlicher Mittel, die Erkältungsbeschwerden lindern sollen. So kann Isländisch Moos laut Sellerberg als Lutschtablette bei Halsschmerzen helfen. Ebenso wie Eibischwurzel - als Tee kalt aufgesetzt, legen sich lindernde Schleimstoffe auf die gereizte Schleimhaut.

Sie nennt außerdem Tees aus Holunder- oder Lindenblüten. Außerdem gibt es ätherische Öle - unter anderem auf Basis von Pfefferminz und Eukalpytus - zum Inhalieren oder Einreiben. Es gebe jedoch nur wenige wissenschaftliche Studien, die die Wirksamkeit der Präparate belegen, betont die Apothekerin. Eltern müssen beachten: Bei Kleinkindern sollte kein Menthol zum Einsatz kommen.

Was hilft noch?

Trinken, trinken, trinken. Mindestens 1,5 Liter sollten es am Tag sein, bei Fieber mehr. Ansonsten rät Thomas Deitmer zum Gurgeln, zum Beispiel mit Salbeitee, und zu Nasenspülungen. Bei denen sollte die Flüssigkeit körperwarm sein und müsse den korrekten Kochsalzgehalt von 0,9 Prozent haben, also isotonisch sein, betont er.

Ein Saunabesuch kann helfen - allerdings sollte dort eine etwas höhere Luftfeuchtigkeit herrschen, wie zum Beispiel in einer Bio- oder Dampfsauna. Auch ein warmes Bad kann die Erkältungsbeschwerden lindern. Zu beachten ist aber: Mit Fieber sollte man weder in die Sauna noch in die Wanne gehen.

Wann sollte man zum Arzt?

Während der Corona-Pandemie sollte man mit Erkältungs- oder Grippesymptomen nicht ohne vorherige Absprache zum Arzt gehen, betont Deitmer. Am besten ruft man seinen Hausarzt oder den hausärztlichen Notdienst unter der Telefonnummer 116 117 an. Und zwar in den folgenden Fällen, wie Ursula Sellerberg empfiehlt:

- Wenn man hohes Fieber bekommt (mehr als 39 Grad) oder sich das Fieber mit Medikamenten nicht senken lässt.

- Wenn die Stirn- oder Nasennebenhöhlen beteiligt sind (Schmerzen im Stirn- und Augenbereich, vor allem beim Bücken und Heben).

- Wenn der Schleim eitrig oder blutig ist.

- Wenn man schwanger ist oder stillt.

- Wenn man Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen hat.

- Wenn man eine andere Erkrankung wie Mittelohr- oder Lungenentzündung vermutet.

Wie kann man vorbeugen?

Vor Erkältung schützen jene Hygienemaßnahmen, die im Rahmen der Corona-Pandemie ohnehin gerade jeder beachten sollte: Abstand halten, Hände häufig und gründlich waschen, sich möglichst nicht ins Gesicht fassen und viel lüften.

Das Tragen von Woll- oder Lederhandschuhe kann im Winter dazu beitragen, eine Übertragung über Türklinken oder Haltegriffe in öffentlichen Verkehrsmitteln zu vermeiden. Ansonsten hilft - wie so oft - eine gesunde Lebensweise: abwechslungsreiche Ernährung, viel Bewegung an der frischen Luft und nicht rauchen.

Die Einnahme zusätzlicher Vitamine ist in der Regel unnötig, sagt Sellerberg. «Eine hohe Dosis an Vitamin C ist kein Wundermittel gegen Erkältung.» Was helfen kann, ist rechtzeitige Abhärtung: Regelmäßig in die Sauna gehen, Wechselduschen oder Kneipp-Anwendungen machen. Außerdem rät Thomas Deitmer zur Grippeschutzimpfung und, um Komplikationen zu vermeiden, zur Pneumokokken-Impfung.

Ist es doch Corona?

Husten und Fieber sind beides sehr häufige Symptome für die vom Coronavirus ausgelöste Krankheit Covid-19. Bei Erkältungen ist Fieber laut einer Übersicht auf der Info-Plattform 116117.de, die von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung herausgegeben wird, selten ein Symptom und Husten «wenig». Niesen wiederum sei kein Symptom von Covid-19, kommt bei Erkältungen aber häufig vor. Trennscharf anhand der Symptome lassen sich Erkältung, Grippe und Covid-19 also nicht unterscheiden.

Dennoch gilt immer: Ruhe bewahren, keine Panik, im Zweifel den Kontakt zu anderen lieber vorsorglich einschränken und in jedem Fall Abstand halten und Mund-Nasen-Bedeckung tragen - und vor dem Besuch in der Arztpraxis erst dort anrufen.

Übersicht auf Plattform 116117.de... »

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