05. November 2026 – 105'5 Spreeradio
Film- & Serientipps
Ein Talent fürs Morden
Mirren überzeugt als bissige Krimiautorin Patricia Highsmith
Helen Mirren schlüpft in «Ein Talent fürs Morden» in eine Rolle, die das Gegenteil von ihr ist, wie sie sagt. Sie spielt Patricia Highsmith. Der Film ist Liebeserklärung und Krimi in einem.
// Die Filmkritik gibt's in Kürze hier zum Nachhören! //
Genre: Komödie
Produktion: Großbritannien/Schweiz/Italien 2026
Laufzeit: 105 Minuten
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Regie: Anton Corbijn
Darsteller: Helen Mirren, Alden Ehrenreich, Olivia Cooke
Helen Mirren als Patricia Highsmith in einer Szene des Films "Ein Talent fürs Morden", Foto: ---/Tobis Film/dpa
Zum Film: Schweiz 1995. Die berühmte Krimi-Autorin Patricia Highsmith will partout keine Bücher mehr schreiben. Auch keine Fortsetzung ihrer berühmten Tom-Ripley-Reihe. Ihr amerikanischer Verlag hofft dennoch auf einen weiteren Verkaufsschlager und schickt Edward Ridgeway auf die Reise in die Schweiz. Der junge Lektor ist ein großer Fan der Schriftstellerin und soll die bissige alte Dame von dem Projekt überzeugen und aus dem Ruhestand holen. Das verbale Ringen in ihrem düsteren Haus in der Schweiz wird bald selbst zum psychologischen Krimi, der Fiktion und Realität verschwimmen lässt.
Im Film «Ein Talent fürs Morden» übernimmt die britische Oscar-Preisträgerin Helen Mirren die Rolle der schlecht gelaunten Autorin, die dem jungen Edward Ridgeway (Alden Ehrenreich, «Solo: A Star Wars Story») mit kleinen, fiesen Gemeinheiten die Zeit in ihrem Haus schwer macht. Das tut Mirren auf überzeugende Weise. In Edwards Schuhen möchte man nicht stecken.
Helen Mirren als Patricia Highsmith und Alden Ehrenreich als Edward Ridgeway in einer Szene des Films "Ein Talent fürs Morden", Foto: ---/Tobis Film/dpa
Gift im Rührei und Messer am Hals
Hat Highsmith etwa sein Frühstücks-Rührei mit Gift vermischt? Wie konnte sie ihm mitten in der Nacht mit einem Messer aus ihrer antiken Waffensammlung einen kleinen Schnitt am Hals zufügen? Doch der aufstrebende Lektor lässt sich von den perfiden Spielchen nicht unterkriegen. Das beeindruckt Highsmith und sie lässt sich langsam auf ihn ein. Schließlich überlegen sie gemeinsam, welche Geschichte der sechste Ripley-Band erzählen könnte - und dabei zeigt sich, dass auch Ridgeway durchaus dunkle Seiten in sich trägt.
Die Fantasie der beiden trägt die Story nach Rom. Dort lernt der durchtriebene Tom Ripley (auch gespielt von Alden Ehrenreich) absichtlich - und wie nebenbei - die hübsche Clementine (Olivia Cooke) kennen. Er ist der Traum jeder Schwiegermutter. Gleichzeitig plant er bereits die Morde an ihrem Vater und ihrer Tante, um an das Familienvermögen zu kommen.
Der Film, der auf einem Theaterstück basiert, erzählt quasi zwei Krimis in einem. Und jeder fesselt. Die ambivalente Beziehung zwischen Highsmith und Ridgeway in den bedrückenden Räumen des Hauses der Autorin schwankt zwischen Nähe und Distanz, Respekt und Verachtung. Die Erzählweise und die Kameraeinstellungen erinnern dabei an Hitchcock-Krimis, die ja teils auch auf Highsmith-Bücher basierten. Die Geschichte in Rom dagegen kommt zunächst mit sommerlicher Leichtigkeit daher, bevor sie ihre mörderische Wucht entfaltet.
Regisseur Anton Corbijn nimmt sich Zeit beim Erzählen und das tut erstaunlich gut. Es ist die klassische Erzählstruktur eines eleganten Krimis ohne Schnickschnack. Ein Film wie ein Highsmith-Roman - beklemmend und unterhaltsam. Eine Liebeserklärung an die Autorin ohne eine Biografie sein zu wollen. Highsmith hat mehr als 20 Bücher geschrieben und einige davon wurden verfilmt. Berühmt wurde sie dank Alfred Hitchcocks Verfilmung ihres Romans «Zwei Fremde im Zug» von 1950.
Mirren kennt Highsmith-Werke dank ihres Mannes
Helen Mirren war mit den Romanen von Patricia Highsmith schon lange vor Drehbeginn vertraut. «Mein Mann, der Amerikaner ist, hat mich auf Patricia Highsmith gebracht», sagte Mirren in einem Interview mit ausgewählten Medien im Rahmen des Hamburger Filmfestes. Zuvor hatte sie bereits Verfilmungen ihrer Romane gesehen.
Vor allem die frühe Ripley-Verfilmung «Nur die Sonne war Zeuge» mit dem jungen Alain Delon von 1960 habe sie begeistert. «Der Film ist absolut wunderbar. Nachdem ich den Film gesehen hatte, sagte mein Mann: "Du solltest ihre Werke lesen, sie ist großartig." So habe ich Patricia Highsmith gewissermaßen kennengelernt.»
Helen Mirren, britische Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin, Foto: Marcus Brandt/dpa
Drehbuch war für sie ein echter «Pageturner»
Für sie war die Rolle von Highsmith vor allem aufgrund des Drehbuches reizvoll, wie sie weiter sagt. «Es basiert auf einem Theaterstück und deshalb hat es dieses Echte, diese innere Tiefe. Und gerade weil es ein Theaterstück war, war es irgendwie wunderschön geschrieben. Es war, wie man so schön sagt, ein echter Pageturner.» Sie habe beim Lesen kaum erwarten können, zu sehen, was auf der nächsten Seite steht. «Die Dialoge sind fantastisch.»
Zudem wollte sie gern eine «so außergewöhnliche Figur spielen, die ganz anders ist als ich». Highsmith sei mürrisch und gemein. «Ich bin gut gelaunt und sehr nett», sagt sie lachend. Ihr Trick, um dennoch gut in die Rolle der biestigen Highsmith schlüpfen zu können? «Make-up, Kostüm, Haare. In dem Moment, als ich das alles angezogen hatte, konnte ich mich nicht mehr im Spiegel ansehen. Aber genau das hat mir alles gegeben.»
Schreckliches Haus, talentierter Spielpartner
Die Szenen mit Helen Mirren und Alden Ehrenreich spielen ausschließlich in einem Haus. Die amerikanische Schriftstellerin hatte sich später in die Schweiz zurückgezogen, in ein von ihr entworfenes Haus. Gedreht wurden diese Szenen allerdings nicht in der Schweiz, sondern bei London. «Dieses Haus war so schrecklich. Die Decken waren unglaublich niedrig. Draußen war dieser schäbige, grüne, ziemlich ekelhafte Teich, und die Schlafzimmer waren buchstäblich wie Gefängniszellen. Sie waren entsetzlich. Für unsere Zwecke war es einfach perfekt.»
Gemeinsam mit Alden Ehrenreich arbeitete sich Mirren am Set jeden Tag durch Seiten voller Text. Bei vielen Filmen seien oft zwei Seiten schon ein Erfolg. «Wir mussten 15 Seiten pro Tag schaffen. Wir mussten lange an diesen langen Szenen arbeiten.» Ehrenreich sei dabei ein echter Partner gewesen. «Er ist superklug und unglaublich, unglaublich talentiert. Er ist ein toller Kerl.». (dpa)
Mehr Infos: tobis.de/titel/ein-talent-fuers-morden
Kinostart: 05.11.2026
Gemeinsam mit dem STERN-Magazin präsentieren wir Ihnen «Die 105'5 Spreeradio Film- & Serientipps». Egal ob cooler Film im Free-TV oder Serien-Geheimtipps bei Netflix oder Amazon-Prime... Unsere Empfehlungen hören Sie jeden Donnerstag um 7.40 Uhr bei Jochen Trus am Morgen.